Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Gehören Sie zu den Leuten, die das Kino verlassen, wenn der Abspann beginnt? Schade, dann verpassen Sie was 😉 …)

Ryek und Tedeya standen an der Tür zu Ryeks Quartier.

„Und?“

„Und was? Ich bin schüchtern, hast du das noch nicht gemerkt?“

„Ryek, es gibt hier gleich einen großen Blutfleck vor deiner Tür!“

Ryek sah sich das Lichtmuster des Schlosses noch einmal an, dann wies er sich mit Pad und Damenabdruck der linken Hand aus. Es piepte kurz, die Tür öffnete sich.

„Du hast es nicht anders gewollt. Ich will nachher keine Beschwerden hören.“

 

Sie traten ein, die Tür schloss sich und die Raumbeleuchtung ging an.

Auf der Couch saß Sebard. Er hatte einen schweren Laser in der Hand, der jetzt auf sie zeigte.

Er stand auf. Sein Gesicht war verzerrt vor Hass.

„Ihr habt keine Ahnung, was ihr da angerichtet habt! Ich hätte diese Galaxis beherrschen können, nur mit meinem Willen! Ich hätte euch alle reich und mächtig machen können. NIEMAND! NIEMAND hätte widerstehen können! Versteht ihr das? NIEMAND!!“

Ryek sah Tedeya an.

„Genehmigen wir uns noch einen Kaffee, bevor wir sterben?“

„Sehr gern.“

Sie ging in Richtung des Getränkeautomaten, weg von Sebard.

„Schwarz, ohne Zucker bitte.“

Tedeya betätigte die Taste. Der Automat gab ein leises Pfeifen von sich, das Mahlwerk war zu hören. Und das Klappern einer sehr schweren Dose. Sie fiel durch den Ausgabeschacht, schlug mit einem satten ‚KLONK‘ auf dem Boden auf, und blieb liegen.

„Was macht ihr da?“

Ryek grinste ihn wölfisch an.

„Kaffeepause. Wenn wir fertig sind, dann bist auch du fertig.“

Er berührte ein Sensorfeld auf seinem Pad.

„Noch ein berühmtes letztes Wort bevor wir gehen?“

Sebard richtete seine Waffe auf Ryek.

Neben dem Getränkeautomaten erschien Mr Smith. Sebard schoß auf Mr Smith im selben Moment, als dieser sichtbar wurde, doch der Strahl wurde von dessen Körperpanzer absorbiert. Mr Smiths Waffen dagegen durchschlugen Sebards Schild und warfen ihn gegen die gegenüberliegende Wand. Er machte einen Schritt nach vorn, dann löste er sich auf.

Ryek und Tedeya sahen ungläubig und erstaunt auf Mr Smith, dann auf den Ort, wo eben noch Sebard gewesen war. Mr Smith betätigte etwas an seinem rechten Handgelenk. Er hob die ‚Getränkedose‘ auf.

„Ganz schön starke Sachen haben Sie im Angebot.“

„Ohne die komme ich morgens nicht aus dem Bett.“

Mr. Smith warf Tedeya die Smartbomb zu, die sie nur mit Mühe festhalten konnte.

„Wow! Interessantes Teil hast du da Ryek. Sonderanfertigung?“

„Ja. Muss ich wohl zugeben. Woher wußten Sie es, Mr. Smith?“

„Meine Firma baut diese Automaten. Nur der Aufkleber kommt aus Amarr.“

„Warum sind Sie hier?“, frage Tedeya.

„Ich wollte eine Riesenschweinerei vermeiden“, sagte Mr Smith mehrdeutig.

„Sehe ich. Genau genommen sehe ich nichts.“

Tedeya sah Ryek und Mr Smith an, dann verstand auch sie.

„Sie waren nie hier. Richtig?“

„Richtig. Interne Angelegenheiten der Jove. Sehr intern. Da kümmert man sich am besten selbst darum. Nicht eure Sache.“

Er ging auf die Tür zum Hangar zu.

„Fly Safe, Ryek und Ted. Es war mir eine Ehre, mit euch allen zusammengearbeitet zu haben.“

Die Tür öffnete sich, und Mr Smith verschwand.

Tedeya hob die Stimme.

„Gib es zu, du wolltest mich loswerden. Der Automat hat nur Kapazität für den Transfer einer Person. Der, die am Nächsten steht. Mir. Bin ich dir wirklich so peinlich?“

Ryek sah Tedeya fragend an.

„Ja?“

„Bekomme ich jetzt meinen Kaffee oder nicht?“

 (Ende (?))

Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Wir kommen langsam aber sicher zum Ende der Geschichte …)

Finale

 

„Da wären wir also. In einem Sonnensystem am Ende des uns bekannten Universums, jeder von ihnen mit einer Flotte, groß genug, um für sich ein Kriegsgrund zu sein.“

Mr. Smith sah in die Runde, die sich im Konferenzraum des Schlachtschiffes versammelt hatte. Es waren die Kommandanten der vier Fraktionen, die Amarr Führung vertreten durch einen Stellvertreter, nachdem Sebard Veen aus dem System geflohen war. Mr. Smith hatte die gesamte Aktion, angefangen von der Entdeckung des Artefaktes, bis zur Vernichtung der Waffe, noch einmal zusammengefasst, und die Präsentation mit Wort und Bild unterlegt.

„Was werden Sie ihren Regierungen berichten?“

Der Gallente Flottenkommandant hob die Hand.

„Das wir gemeinsam, mit Unterstützung von und Führung durch CONCORD, einen Gegner vernichtet haben, die das Leben in der uns bekannten Welt bedroht hat.“

Er hob die Hände.

„Das wird der offizielle Teil sein. Für die Medien. Und für das Protokoll.“

Dann sah er Mr. Smith an, und alle folgten seinem Blick.

„Mr. Smith. Wie und wo stehen die Jove in dieser Sache?“

Mr. Smith wartete einige Sekunden, bevor er antwortete.

„Die Jove? Vertreten durch mich. Als Mitglied von CONCORD. Ich will es einmal so ausdrücken: Es gibt bei den Jove zwei grundsätzlich gegensätzliche Strömungen. Die einen sind der Meinung, dass die Jove ihren angestammten Platz an der Spitze der menschlichen Rasse wieder einnehmen sollten, mit allen Konsequenzen, die das für die vier anderen Fraktionen hätte.“

Ein unwilliges Murmeln ging durch den Raum.

„Die anderen glauben, dass es auf lange Sicht, und mit langer Sicht meine ich Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende, eine Folgerasse geben wird, in der die Jove aufgehen können, und das dieser Weg auch derjenige ist, die jovianische Krankheit zu besiegen. Dieser Teil ist der, mit dem sie üblicherweise Kontakt haben und ihn überleben. Es sind Menschen wie ich es bin.“

Die Drohung war unmissverständlich.

„Alle Jove werden alles tun, um ihre Rasse zu schützen. Ohne Ausnahme. Die Entdeckung des Artefaktes in diesem System hat unsere Gesellschaft vor eine Zerreißprobe gestellt. Die politische Führung hat beschlossen, dass wir uns aus der Sache heraushalten, bis klar ist, wie sie ausgeht.“

„Das hört sich nicht besonders mutig an“, ließ sich der Caldari Kommandant vernehmen.

„Kommandant. Wenn wir mutig werden, weil wir meinen, uns verteidigen zu müssen, dann brennen Welten.“

Er ließ die Information in die Köpfe der anderen einsinken und fuhr fort.

„Meine Aufgabe war es, den Beschluss meiner Regierung umzusetzen und dafür zu sorgen, dass von den beiden Artefakten, dem Kristall und der Waffe, keine Gefahr mehr ausgeht. Ohne eine der anderen vier Fraktionen zu bevorzugen. Mit Hilfe eines Teams aus allen Fraktionen, und mit Hilfe der vereinten Flotten, ist es gelungen, diese Gefahr zu beseitigen. Unsere Verluste haben sich in Grenzen gehalten. Ein Sonnensystem, welches rechtzeitig evakuiert werden konnte, einige Mitarbeiter krimineller Organisationen, einige tausend Mannschaften von Raumschiffen, in der Hauptsache Amarr. Von den Artefakten ist nichts übrig geblieben. Es gibt keinen Grund mehr, dass ihre Flotten hier anwesend sein müssten.“

Die andern nickten, fast wie unter Zwang.

„CONCORD wird die Erforschung des Systems wieder aufnehmen und es wahrscheinlich in einigen Jahren zur Besiedlung freigeben. Genau wie die umliegenden Systeme. CONCORD wird die Souveränität beanspruchen und die Besiedlung gerecht zwischen den Fraktionen und Corps verteilen. Ich denke, das ist im Sinne aller. Haben sie noch Fragen?“

„Ja. Was ist aus ihrem Einsatzteam geworden?“, wollte der Amarr wissen.

Mr. Smith lächelte süffisant.

„Da es sich um eine geheime Operation handelt, weiß ich nicht, wovon sie reden. CONCORD wird die Regierungen in ausreichender Weise informieren. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit, und wünsche ihnen eine gute Heimreise. Fly Safe!“

 (Fortsetzung folgt)

Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Interessanterweise ist die Schlacht, die alles entscheidet, oft nur von kurzer Dauer. Der Grund ist darin zu finden, das alles, was bisher erzählt wurde, zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort, zusammenläuft. Die meisten Geheimnisse werden aufgeklärt, die meisten Pläne werden nun, ohne weiteren Aufschub, erfolgreich sein oder scheitern. In gewisser Weise ist die finale Schlacht noch einmal die komprimierte Erzählung, die Essenz der Ziele von Protagonisten und Antagonisten  …)

Mr. Smith aktivierte das Mikrofon. „Showtime!“

Die vereinten Flotten richteten sich auf die angegebenen Koordinaten aus.

„Noch einmal. Alle Hilfs-Energie auf die Schilde der Onyx, damit sie möglichst lange hält. Angriff auf die danebenliegende, mit den Scannern erfassbare Struktur. Sie werden Sie erfassen können, solange das ECM und die Warpunterbrechung aktiv sind, danach feuern sie auf Sicht. Ignorieren sie die Komponentenschiffe, bis die zentrale Struktur zerstört ist.“

„Und wenn das nicht funktioniert?“

„Dann seien sie froh, dass sie den Tod ihres Volkes nicht miterleben müssen.“

 

Die Hangartore hatten sich weit genug geschlossen, um das Tarnfeld der Onyx zusammenbrechen zu lassen. Das Schiff aktivierte das Warpunterbrechungsfeld und ECM.

„Mr. Smith? Hier Derek. Wie weit sind Sie?“

„Ausgerichtet und unterwegs. Ihr Status?“

„Die Waffe wird uns sehr bald erfasst haben. Mehr als einen Volltreffer halten wir nicht aus ohne Hilfe.“

 

Die Komponentenschiffe hatten sich vom Torus gelöst und fokussierten die Onyx.

„Das sieht aber gar nicht gut aus“, meinte Romar.

Ryek aktivierte die Überladung der Systeme.

„Jetzt wird’s wild“, kommentierte er.

Die geballte Energie der Komponentenschiffe fraß sich in Sekundenschnelle durch den Schild und den größeren Teil der Panzerung. Der Torus verlor in der Umgebung der Onyx seine Struktur, nur noch ein Gerippe von Kabeln war zu sehen.

„Woher wusstest du?“, fragte Yolane. Ryek grinste.

„Der Funkverkehr, als die Waffe beim ersten Mal entdeckt wurde. ‚… bewegt sich wie ein Kreuzer…‘. Auch für die Engel gilt die Physik, sobald sie menschliche Gestalt annehmen.“

 

Der Weltraum brach auf und spie Tausende von Schiffen aus, die sich sofort in Schussposition brachten. Erste Energietransfers fanden statt.

 

„Überlastungsgrenze erreicht“, stellte Derek fest.

„In einer Minute ist das Schiff tot.“

„Ich glaube, so lange haben wir nicht“, meinte Romar.

Die Komponentenschiffe schlugen ein zweites Mal mit vernichtender Wucht zu. Die Onyx zerplatzte wie eine Seifenblase. In der Ringstruktur der des Planetenkillers bildete sich ein langer Riss, erzeugt durch die Doomsday-Waffen der Titane.

Die Steuerkapsel, der Pod, löste sich vom Wrack der Onyx und trieb weg vom Schlachtfeld.

 

„Was zur Hölle?“

Eine Anathema Aufklärungsfregatte enttarnte sich vor dem Pod und schluckte ihn in ihren Laderaum, um einen Moment später mit irrwitziger Geschwindigkeit zu beschleunigen.

„Können sie das Schiff orten und verfolgen?“, fragte Mr. Smith.

„Negativ. Nur visuelle Erfassung. Jetzt geht es in den Warp. Die Computerauswertung sagt, dass kein Schiff mit derartigen Parametern bekannt ist.“

„Ich kümmere mich später darum.“

„Mr. Smith?“

„Ich kümmere mich später darum. Steuern sie zu den angegebenen Koordinaten und öffnen die Außenschleuse für das Bergungsteam, und zwar schnell!“

„Aber da ist ein Komponentenschiff!“

„Führen Sie Ihre Befehle aus!“

Die zentrale Struktur der Waffe ging in einem spektakulären Feuerball unter. Die Flotte nahm jetzt die Komponentenschiffe unter Feuer, leichte Ziele, die planlos im All trieben und sich offensichtlich selbst zerstörten, so sie nicht vorher getroffen wurden. Das Schiff, auf das Mr. Smith hatte zusteuern lassen, löste sich auf. Die Reste verwehten in Sekundenschnelle im Sonnenwind. Übrig blieben sechs aneinander geklammerte Menschen.

„Worauf warten Sie noch? Bergen Sie die Personen! Und dann weg von hier!“

Die Mannschaften im Laderaum waren gut eingespielt. Jeder flog zielstrebig auf einen der im All treibenden Anzüge zu, packte ihn, und die Kollegen im Schiffsinneren zogen sie schnell an Leinen zurück, während das Schiff sich bereits zum Warpflug ausrichtete. In dem Moment als die Laderaumschleuse dicht war, aktivierte der Warpantrieb. Das Letzte, was die Ortung noch sah, war eine Anathema Fregatte, die einen Moment später an dem Ort auftauchte, wo ihr Schiff gerade gewesen war.

„Der Punkt geht an mich, Sebard“, kommentierte Mr. Smith die Aktion.

 (Fortsetzung folgt)

Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Gewonnen hat, wer als Erster durchs Ziel geht, oder? …)

Sie folgten dem Wegweiser. Nach einigen Minuten Fußweg hielten sie an einer massiven Tür.

„Ihre Identifikation.“

Sie sahen sich ratlos an.

„Identifikation?“, fragte Ryek laut.

„Identifizieren sie sich.“

„Ich dachte, du hättest uns bereits identifiziert.“

„Ich habe sie als Berechtigte identifiziert. Ihre Namen sind mir jedoch unbekannt.“

Man kann auch lügen, in dem man die Wahrheit sagt. Ryek sah sich um.

„Mein Name: Ryek Darkener.“

Er signalisierte den anderen, es ihm gleich zu tun.

„Mein Name: Yolane Gerad.“

„Mein Name: Tedeya Gerad.“

„Mein Name: Nama.“

„Mein Name: Romar Gerad.“

„Mein Name Derek Odean.“

Einige Sekunden vergingen. Dann sprach die Stimme wieder.

„Identifizierung abgeschlossen. Wahrheitsindex bei Nama: Neunzig Prozent. Nama, bitte nenne deinen vollständigen Namen.“

Nama brach in Tränen aus.

„Nein. Niemals“, flüsterte sie.

Tedeya legte ihr die rechte Hand auf die Schulter. „Nama. Bitte.“

„Niemals. Niemals! NIEMALS!“

Tedeya hielt die schluchzende Nama fest an sich gedrückt. „Dann ist die Reise wohl zu Ende.“

„Identifikation abgeschlossen, Nama Niemals.“

Romar musste Nama stützen, damit sie nicht zu Boden glitt. Sie fing haltlos zu kichern an.

„Jetzt bleibt mal auf dem Teppich“, mahnte Derek. „Wir haben keine blauen Pillen mit, wenn hier jemand ausrastet.“

„Wahrheitsindex bei Ryek Darkener: Fünfundsechzig Prozent. Erkläre das.“

Yolane sah Ryek entsetzt an, Tedeya sah angelegentlich in eine andere Richtung. Ryek schluckte.

„Der Index ist korrekt. Ursache ist eine multiple Persönlichkeit, deren Ursache technischer Natur ist. Irreparabel.“

Es verging eine Minute.

„Scan abgeschlossen. Deine Information wurde bestätigt.“

Ryek atmete auf.

„Wieder mal amtlich bestätigt dass ich verrückt bin. Danke auch.“

„Keine Ursache.“

Die Panzertüre öffnete sich. Dahinter lag ein Kontrollraum.

„Wie sollen wir dich ansprechen?“, fragte Ryek.

„Mein Name für euch sei Gabriel.“

„Gabriel? Ein alter irdischer Name. Einer der Erzengel. Der, welcher Sodom und Gomorrha mit Feuer vernichtet hat.“

„Das ist meine Aufgabe, Yolane.“

Nama bewegte wortlos die Lippen.

„Ja, wollte ich gerade auch sagen“, flüsterte Romar.

Ryek versuchte, die Initiative zu übernehmen.

„Gabriel, du hast festgestellt, dass wir Berechtigte sind, aber nicht die, mit denen du hierhergekommen bist. Was ist damals geschehen? Und wie wurde der Planet –“, er zögerte, „gereinigt?“

„Es kam zu einem Erstkontakt zwischen dem Sucher und der planetaren Bevölkerung.“

„Es gab nur einen Sucher?“

„Natürlich. Es gibt immer nur einen Sucher. Warum sollen mehr Leben als nötig für eine gefährliche Aufgabe verschwendet werden?“

„Weiter.“

„Die Bewohner hielten den Sucher gefangen. Sie ignorierten die Aufforderung, ihn unversehrt zurückzubringen. Sie versuchten, den Sucher zu beeinflussen, mich auszuliefern. Sie griffen an. Die Direktive für den Kontakt mit potentiell gefährlichen Zivilisationen kennt keine Ausnahmen. Wenn du schwächer bist, dann flieh. Wenn du stärker bist, lösche den Feind aus.“

„Und wie?“

„Beschuss mit Neutronenstrahlung.“

Ryek sah in die bleichen Gesichter der anderen. Er fühlte sich, als ob er sich gleich übergeben würde, obwohl das Massaker schon über dreitausend Jahre vergangen war. Mit schwerer Stimme fragte er weiter.

„Wo kommt die Energie her? Ein Objekt deiner Größe kann sie nicht erzeugen.“

„Das ist richtig. Der innere Ring enthält einen Mechanismus, der mit einer entsprechend starken Energiequelle verbunden werden kann.“

„Ein Neutronenstern?“

„Ja, Meine Erbauer sind über ein Wurmloch dorthin gereist, und haben einen Verteiler installiert. Meine Systeme haben Zugriff auf diesen Verteiler.“

„Das bringt mich zur nächsten Frage. Wo sind deine Erbauer? Sie haben sich seit über dreitausend Jahren nicht bei dir gemeldet.“

„Darüber habe ich keinerlei Informationen in meinen Daten. Es wäre zu gefährlich, sie in die Hände anderer geraten zu lassen.“

„Deine Logik ist schlüssig. Was sind deine nächsten Aktionen?“

„Es sind neue Unwürdige ins System gekommen. Es wurden alle notwendigen Daten gesammelt. Die Fähigkeit und die Ressourcen zum Sprung in andere Systeme wurden zur Verfügung gestellt. Sobald die Aufgabe hier erfüllt ist, werde ich aufbrechen, um sie in dem Gebiet, was New Eden genannt wird, zu erfüllen.“

„Gabriel, deine Herren haben sich seit Ewigkeiten nicht gemeldet. Kann es da nicht sein, dass dein Auftrag obsolet geworden ist?“

„Nur die Herren haben das Recht, mir eine neue Aufgabe zuzuweisen.“

Tedeya zog den Stecker aus der Datenverbindung und nickte.

„Ich gehe davon aus, dass auch wir, die Berechtigten, nicht würdig sind zu überleben? Das wir lediglich zum Informationserwerb eingelassen wurden?“

„Das ist korrekt.“

„Dann möchten wir zusammen mit unseren Völkern kämpfen und sterben.“

„Gewährt. Verlasst das Schiff.“

Die Panzertür öffnete sich, und das Team verließ den Raum, in Richtung Onyx.

„Keine weitere Diskussion?“, fragte Yolane.

„Nein. Das Programm ist nicht änderbar. Wir werden sofort ablegen.“

„Und wie siehst du unsere Chancen, das hier zu gewinnen?“, flüsterte Tedeya.

„Gewonnen hat, wer als Erster durchs Ziel geht, oder?“

 

 (Fortsetzung folgt)

Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (… Im Bauch des Löwen …)

Vor ihnen ragte die gewaltige Masse der Waffe auf. Ein Ring, fast dreißig Kilometer im Durchmesser, bedeckt mit autarken Elementen, die sich wie Schuppen an die Struktur des Ringes schmiegten. In der zur Mitte zugewandten Seite öffnete sich eine Hangarschleuse, groß genug, um auch ein Superschlachtschiff einzulassen.

„Seltsam“, meinte Tedeya. „Die Schleuse ist eigentlich viel zu groß für dieses Objekt. Will der Computer uns beeindrucken?“

„Ich weiß es nicht“, sagte Yolane.

„Ich spüre eine Präsenz, wie die des Kristalls“, bemerkte Nama.

„Werden wir weitere Kristalle finden?“, fragte Ryek.

„Nein, das glaube ich nicht. Die Struktur ist sehr viel weniger komplex, und trotzdem größer. Sie verteilt sich über die Waffe, ist aber nicht überall vorhanden. Das verstehe ich nicht.“

 

Die Schleuse hatte sich geschlossen, ein Traktorstrahl transportierte das Schiff in eine Andockbucht.

„Das sieht hier alles irgendwie unfertig aus“, meinte Derek.

Er deutete auf die Umgebung, soweit sie auf den Sichtschirmen erkennbar war.

„Ein Gitternetz, welches die Struktur umschreibt. Hier ist auch enorm viel Datenverkehr. Hohe Leistung, aber kurze Entfernungen.“

„Immerhin sieht das, was hinter der Schleuse ist, massiv genug aus, oder?“, sagte Ryek.

Die Onyx setzte auf einem Gestell auf, welches mit adaptiven Stützen dafür sorgte, dass sie ohne aktive Energiefelder sicher verankert war.

 

Ryek ergriff das Wort.

„Recht luxuriös. Wir können zu Fuß durch die untere Schleuse aussteigen. Keine Waffen mitnehmen. Nama, bist du soweit?“

Nama nickte und legte ihr Pad auf den Kapitänssitz. Das Team begab sich zur unteren Schleuse und stieg aus.

„Heda, bringt mich zu eurem Führer“, flüsterte Romar.

„Sehr komisch. Wirklich. Hoffentlich haben die hier auch deinen Humor“, zischte Nama.

Auf dem Boden erschien eine Linie, wie aufgemalt.

„Scheint funktioniert zu haben“, meinte Romar lapidar.

 

 (Fortsetzung folgt)

Das Feuer Gabriels

Ryek myst
Die Biografie eines erfundenen Menschen. In einer andern Welt. In einer anderen Zeit.

 (…)

Der ‚Onyx‘ Kreuzer flog getarnt auf die Waffe zu.

„Sind Sie sicher, dass das klappen wird?“

„Nein, Mr. Smith. Aber es ist die beste Idee, die wir haben. Uns geht die Zeit aus. Wir werden die Waffe betreten und versuchen, sie zu deaktivieren. Ich gehe davon aus, dass es uns nicht gelingen wird. Vielleicht können wir das Computersystem für eine Weile verwirren. Dann kommen Sie ins Spiel, und die Flotten hier. Ich werde in der Nähe der Waffe das ECM Feuerwerk starten, und den Transfer von Energie, wo auch immer der herkommt, unterbinden. Das gibt den Flotten die Zeit, sich auszurichten und herzukommen. Danach müssen Sie mich, solange es geht, mit Energie, Schild und Panzerung unterstützen, bis die Waffe die Onyx geknackt hat und die Flotten hoffentlich die Waffe. Wir werden es uns im Pod gemütlich machen und hoffen, dass der die Explosion überlebt. Ich glaube nicht, dass wir wegwarpen können, Sie müssen den Pod also einsammeln, bevor wir gegrillt werden.“

„In Ordnung. Ich werde mit einem schnellen Schiff in der Nähe sein und die Flotten entsprechend instruieren. Es ist schon erstaunlich. Hier hat sich mehr Feuerkraft versammelt, als es jemals in der Geschichte New Edens auf einem Fleck gegeben hat, und sie reicht nicht aus, um ein einziges Schiff des Gegners auch nur in Gefahr zu bringen.“

„Ja. Wie damals, als die Jove die Amarr geschlagen haben.“

„Ich sehe die Parallelen. Aber diese Waffe wird keinen Frieden erzwingen wollen. Sie wird ihrer Maschinenlogik nach, alles Unreine verbrennen. Wenn sie dieses System verlässt, dann können wir uns auf ein Leben auf der Flucht einstellen.“

„Warum ist das eigentlich nicht schon längst passiert?“

„Weil es so effektiver ist. Diese Waffe hat Zeit, unendlich viel Zeit. Wir, die hergekommen sind, haben die Waffe mit allen Informationen versorgt, die sie benötigt, uns zu finden. Und mit Technik, um ohne jahrzehntelange Flüge durch den interstellaren Raum hier herauszukommen. Sie glauben gar nicht, wie froh ich bin, dass es den Kristall nicht mehr gibt.“

„Doch, ich glaube es. Wir haben das Ziel erreicht und werden gleich sichtbar und an Bord gehen. Wünschen Sie uns Glück.“

„Das allein wird nicht reichen.“

 

 (Fortsetzung folgt)

Das Feuer Gabriels

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 (… Noch einmal stürmt, noch einmal, lieben Freunde! …)

„Stehen sie langsam auf. Und dann die Hände über den Kopf.“

Sie standen langsam auf. Ryek sah zu Tedeya hinüber. Sie schloss kurz ihre Augen als Zeichen der Zustimmung und sah zu Nama hinüber. Sie nickte leicht. Romar und Derek drehten sich so, dass sie eine andere Gruppe ins Auge fassten.

Dann sagte Nama mit der vollen Kraft ihrer Stimme.

„Unten.“

Alle schauten reflexartig nach unten, bis auf das Team. Nama sprang Yolane an und riss sie zu Boden, Ryek warf Tedeya eine Waffe zu, die erst zu erkennen war, als sie sie abfeuerte. Romar und Derek setzten die Vierergruppe mit gezielten Schüssen außer Gefecht, und waren knapp langsamer als Ryek und Tedeya, die jeweils drei Gegner erledigten. Dann standen sie, Rücken an Rücken, und warteten, ob Verstärkung angreifen würde. Von der Straße her war das Feuer schwerer Waffen zu hören.

 

Mr. Smith stürzte herein, sah sich kurz um, packte dann einen der am Boden liegenden verletzten Soldaten. Er hob ihn mit einer Hand hoch, und drückte ihn an die Wand.

Der Soldat lachte nur. „Ergeben Sie sich, solange Sie noch Zeit haben. Wir sind mit einer Flotte im Orbit. Wenn wir in fünf Minuten nicht wieder an Bord sind, findet ein planetares Bombardement statt.“

Mr. Smith ließ den Soldaten fallen. Er zeigte den Gegenstand, den er in der anderen Hand gehalten hatte. Keine Waffe, sondern ein Kommunikator.

„Kein Problem“, sagte er.

„Alle hier im System haben das jetzt gehört. Sie sollten ihre Optionen überdenken.“

Der Soldat nickte, besiegt, und griff nach seinem Kommunikator.

Ein Gleißen erfüllte den Himmel, das alle zwang, die Augen zu schließen. Das überirdische Feuerwerk dauerte eine Minute, Mr. Smith zählte mit.

„War das ihre Einheit?“

„Ja. Nein. Nein!“

„Wie es aussieht, hat das, wonach Sie suchen, Sie gefunden.“ Mr. Smith winkte seinen Kollegen, die Angreifer wegzuschaffen.

Namas Pad meldete sich.

„Ja?“

„Ich erfasse sechs Berechtigte. Sind Sie in Gefahr?“

Die Stimme hatte einen mechanischen Unterton, und einen Akzent, der seit Ewigkeiten nicht mehr in Gebrauch war. Nama öffnete überrascht den Mund und sah Ryek fragend an. Er schüttelte den Kopf.

„Nein. Alles unter Kontrolle.“

„Sie kommen an Bord.“

Das war keine Bitte.

„Aber …“

„Sie kommen an Bord. Die Koordinaten finden Sie auf Ihrem Gerät. Wenn sie nicht in zwölf Stunden den Planeten verlassen haben, ohne Begleitung, werde ich von ihrer Gefangennahme ausgehen, und Maßnahmen ergreifen. Sie kennen die Direktive.“

Die Verbindung wurde unterbrochen.

„Kommen sie mit“, sagte Mr. Smith. „Ich bringe sie zum Schiff.“

„Eins und zwei wären damit erledigt“, kommentierte Tedeya.

„Bitte?“

„Wir hatten Überlegungen gestartet, wie wir den Auftrag erledigen können. Zwei der fünf Punkte können wir jetzt abhaken.“

Ryek sah zu Mr. Smith. „Mr. Smith?“

„Ja?“

„Informieren Sie die hier anwesenden Flotten. Mit persönlichem Kurier. Wenn die Kommandeure klug sind, werden sie sich Ihrem Befehl unterstellen. Warten Sie dann auf weitere Informationen, und versuchen Sie, bis dahin am Leben zu bleiben. Und überprüfen sie alle Computersysteme. So wie es aussieht, hat die Waffe Zugang erlangt, zumindest zu den Kommunikationseinrichtungen.“

„Aye.“

„Warten Sie bitte draußen. Wir kommen in fünf Minuten nach.“

Mr. Smith nickte zustimmend und verließ den Raum.

 

Tedeya kam auf Ryek zu und umarmte ihn.

„Ted …“

„Ich habe mit Yolane gesprochen“, flüsterte sie. „Wenn du mich jetzt Tochter nennst, dann schieße ich ein Loch durch deinen Bauch, du Feigling. Klar?“

„Mist. Ich hätte es so gut haben können.“

„Pech gehabt, Caldari.“

Ryek ergab sich und erwiderte die Umarmung.

 

„Hey, und wir?“

Rye räusperte sich und löste sich von Tedeya. Er sah in die Runde.

„Wir werden alle sterben. Was sonst? Das Lied können wir mittlerweile auswendig singen. Nama, wieso hat das Ding gerade mit dir Kontakt aufgenommen?“

Nama wurde verlegen.

„Ich habe die technischen Informationen des Klontransfers auf dem Pad durch ein Testprogramm laufen lassen. Die Kristall-Signaturen. Die von uns allen. Mr. Smith hat mir die Daten gegeben. Ich wollte sie auf Gemeinsamkeiten vergleichen, aber nicht auf den Rechnern hier.“

„Du bist genauso paranoid wie Ryek“, schimpfte Romar.

„Ja. Möglicherweise. Die Waffe hat die Kommunikation geknackt. Und wo findet sie alle ‚Berechtigten‘?“

Nama zeigte auf ihr Pad.

„Gute Arbeit. Du hast uns einen wunderschönen Abend vermasselt.“

„Aber Yolane, ich habe doch nur …“

„Unser Leben gerettet. Danke.“

„Was nun?“, fragte Nama, an die anderen gewandt.

„Ich kläre das mit Mr. Smith. Wartet auf mich.“ Ryek verließ das Lokal, um Mr. Smith wieder hereinzuholen.

 

„Mr. Smith?“

„Ja?“

„Wie groß ist Ihre Auswahl an Schiffen?“

„Welches wollen Sie?“

„Ich glaube, Feuerkraft ist nicht das, was wir brauchen werden. Haben sie ein Warpfeld-Unterbrecher-Schiff im Angebot, eine Onyx?“

„Warum gerade die?“

„Ich habe da eine Idee. Wenn sie klappt, dann wäre es nicht schlecht für uns alle.“

„Gut. Einverstanden.“

„Ich gebe Ihnen die benötigte Ausrüstung auf dem Weg. Außerdem benötige etwas Jove-spezifisches.“

„Das wird schwierig.“

„Sie werden es zur Verfügung stellen. Keine Angst, ich erwarte nicht, dass Sie mir Ihre Tricks verraten. Aber ohne diesen Gegenstand brauchen wir uns nicht auf den Weg zu machen.“

„Worum geht es?“

Ryek sagte es ihm.

„Einverstanden. Unter der Bedingung, dass es dort bleibt, wo Sie es hinbringen.“

„Dann sind wir uns einig. Wann können wir los?“

„Wann immer sie wollen.“

„Mr. Smith?“

„Ja?“

„Sie holen uns da raus?“

„Wie viel Zeit werde ich dafür haben?“

„Dreißig Sekunden. Höchstens. Weniger wäre besser.“

„Sie trauen mir eine Menge zu.“

 

Sie betraten das Lokal. Ryek führte das Gespräch weiter.

„Bewusstseins-Transfer ist nicht drin. Zumindest nicht sofort. Für den Fall, dass wir gerettet werden, halten Sie die Transfereinrichtung und Klon-Ersatz bereit, ich rechne mit schweren Verbrennungen und Strahlenschäden.“

„Denken sie an ihre Implantate.“

„Welche Implantate?“, schimpfte Yolane. Aber sie wusste es schon.

„Die ich ihnen jetzt freischalte. Falls sie sterben sollten, dann werden sie es ohne Schmerzen tun.“

 

 (Fortsetzung folgt)