Federteufel Workshop in Esslingen 1. und 2. Juli 2017

Es gibt Dinge, die macht man am besten im Präsens. Zum Beispiel Workshops. Am 1. und 2. Juli stand der zweite der Federteufel an. Wer es nicht weiß: Die Federteufel sind ein kleines Forum am Rande der Sichtbarkeit, in das sich eine Gruppe unermüdlicher Schriftsteller und solche, die es werden wollen, zurückziehen, um ihren Werken den Rest letzten Schliff zu geben. Neben dem allseits beliebten Rost für Textausschnitte, an denen das Teufelsvolk sachliche Kritik zu üben hat, schlummern in den unteren Gewölben eiserne Jungfrauen Charaktercouches gleich neben dem Plotlochreservoir, links neben dem Kohlenkeller. Wer hier eintritt, lässt jede Hoffnung fahren. 😉

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Die Altteufel helfen gerne den neu hinzugekommenen Schreiberseelen mit Tips und Tricks, insbesondere zum angewandten Handwerk des Schreibens. Voraussetzung für ein gutes Miteinander ist der Wunsch, das Schreiben ernsthaft zu betreiben und besser werden zu wollen.

Da der erste Workshop in 2016 ein voller Erfolg war, trafen sich auch in diesem Jahr alle, die Zeit und Lust hatten, im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen. Schwerpunkt waren am ersten Tag die mitgebrachten Exposees und Textabschnitte, die durchleuchtet und diskutiert wurden. Jeder, der etwas vorgestellt hat, hat jede Menge Anregungen erhalten. Für die Leser war es interessant, über den eigenen Genre-Rand hinauszuschauen, was es sonst noch an lesenswerten Stoffen gibt. Young Adult, Krimis verschiedener Fachrichtungen, Fantasy, Dystopie. Auch die Sinne kamen nicht zu kurz. Kulinarischer Höhepunkt beim Schoko-Experten-Workshop war die Beantwortung der Frage, welcher Wein denn am besten zu welcher Schweizer Schokolade passt – es gab sehr befriedigende Antworten. Gefolgt von einem Vortrag von Lupa zum Thema Beschreibungen.

Dem Ende des offiziellen Teils folgte ein Abendessen. Meinungen und Informationen zu geplanten und veröffentlichten Texten wurden ausgetauscht. Ich kann für mich sagen, dass es mich freut und motiviert, dass eine meiner wichtigsten Protagonisten – Imara Socotada – bei den Autorenkollegen sehr unterschiedlich gesehen wird. Es gab zu einem anderen Kollegentext emotionale Diskussionen über einen Protagonisten, mit dessen frühem und plotgerechtem Ableben nicht jeder einverstanden war. Da existieren durchaus genrespezifische Unterschiede in der Anschauungsweise.

Am Sonntag, nach ausgiebigen Frühstück, gab es einen Vortrag von Mooncat zum Thema Plotlöcher. Nun wissen wir alle, wie man die einsetzt. 😉 Anschließend stellte uns Trallala Selfpublishing am Beispiel Amazon vor.

Dann wurde es ernst. Trallala scheuchte die Autoren in zufälliger Reihenfolge nacheinander auf die Bühne, wo sie, mit Scheinwerferlicht im Gesicht und Mikrofon im Mund (ok, in der Nähe des Mundes) ihren Text wie bei einer Lesung vortragen mussten. Sehr erhellend. 😉 Besonders die anschließende Manöverkritik. Alle Texte waren interessant, bei manchem Vortrag blieb nur die Frage offen, warum der Autor damit nicht sein Geld verdient. Nicht nur mit dem Text, sondern auch mit absolut professionellen Vortrag. Ich sage nur das eine: Dackelbowle!

Das Ende der Veranstaltung bildete der längere Ausklang, in dem über #litcamp17 berichtet wurde sowie geplante Aktivitäten im Federteufel-Forum zur Diskussion anstanden.

Ich glaube für alle sprechen zu können, wenn ich behaupte, dass wie im letzten Jahr eine Menge interessanter Informationen und Standpunkte vorgetragen wurden. Ich wünsche mir, dass der Workshop im nächsten Jahr wieder stattfindet.

 

 

Chekhovs Pistole

Was ihr schon immer über Chekhovs Pistole Tschechows Gewehr wissen wolltet.

… und was passiert, wenn ein rebloggter Beitrag geändert wird. 😉

Hier der Link zur aktualisierten Fassung:

Tschechows Gewehr

Frau Schreibseeles Schreibblog

Hei, hallo und hzerzlich willkommen,

es gibt eigentlich eine ganz einfache Regel, die Du beim Romanschreiben berücksichtigen kannst und vielleicht sogar solltest. Gib Deinen Charakteren niemals eine Waffe, wenn Du nicht bereit bist, diese abfeuern zu lassen.

Kurze Vorgedanken

Vielleicht hast Du schon einmal von Chekhovs Pistole gehört oder gelesen. Sehr häufig wird es ganz simpel mit folgender Erklärung zusammengefasst.

Wenn Du in Kapitel 2 eine Pistole erwähnst, dann musst diese Pistole spätestens, aber wirklich aller spätestens im letzten Kapitel abgefeuert werden. Tust Du es nicht, so weiter die simple Erklärung, verschwendest Du nicht nur Potenzial, sondern kannst auch Deine Leserinnen verärgern.

Aber schauen wir uns doch mal genauer an, was es mit dieser Pistole auf sich hat.

Wer war Anton Chekov

Anton Pavlovich Chekhov lebte von 1860 bis 1904 und war ein russischer Arzt, Autor und Theaterschreiber. Man bezeichnet ihn als ein Meister der Kurzgeschichtenerzählungen. Auf alle Fälle hat…

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Ein paar Gedanken zum Korrekturlesen

Korrekturlesen ist eine ziemlich zeitaufwändige Angelegenheit. Wer glaubt, dass es damit getan ist, seinen Text nur einmal durch ein gängiges Textprüfprogramm, wie zum Beispiel den „Duden-Korrektor“ zu schieben, der irrt.
Der Grund ist so trivial wie nervig. Es gibt kein Programm, was hundert Prozent der Fehler findet. Nicht einmal Schreibfehler. Da diese, trotz Rechtschreibung, sich durch den Kontext weiterhin einer vollautomatischen Beurteilung entziehen. Was gut ist, denn sonst wäre Deutsch nur noch eine andere Programmiersprache.
Für mich hat sich das folgende Verfahren bewährt:

  1. Den Text mehrmals Korrekturlesen (lassen).
  2. Den Text mit Unterstützung verschiedener Programme korrekturlesen.
  3. Wenn das passiert ist, auch anderen den Text zum Lesen geben (Betaleser, Lektoren, Korrektoren). Erst dann. 😉

Wenn man Korrekturlesen nicht hauptberuflich macht, dann sollte entsprechend großzügig Zeit dafür eingeplant werden. Weiterhin empfiehlt es sich, nach jeder abgeschlossenen Überarbeitung eine Korrekturlese-Runde einzubauen. Auch wegen des Erfolgserlebnisses, dass die Anzahl der Änderungen nach und nach abnimmt.
Falls der Text in ein professionelles Korrektorat geht, spart man damit dem Korrektor Zeit (und sich möglicherweise Geld).
Die für mich wichtigeren Gründe sind andere. Ich komme im Laufe des Textdurchgangs an verschiedene Punkte, wo ich mich entscheiden muss:

  • Alte oder Neue Rechtschreibung, oder irgendwas dazwischen? Am Ende gewinnt bei mir das, was sich nach meiner Meinung flüssig lesen lässt. (Wer ohne Schuld ist, mag hier einen Stein werfen. 😉 )
  • Ist es ein offensichtlicher Fehler, oder ist es Auslegungssache? Beeinflusst meine Auslegung möglicherweise den Sinn des Textes an dieser Stelle?
  • Gehen durch sklavische Anwendung von Regeln Sinn, Kontext oder Sprachmelodie verloren? Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass Rechtschreibung und Grammatik Glückssache sind und/oder der haltlosen Interpretation des Autors unterliegen. Aber dass die Neue Deutsche Rechtschreibung mitunter das Sprachgefühl zerstört oder im schlimmsten Falle sogar sinnentstellend ist, ist mittlerweile keine neue Erfahrung.
  • Außerdem bleiben bei mehrmaliger Prüfung oft Satzteile und Phrasen im Gedächtnis, die ich mir dann beim der nächsten Überarbeitung noch einmal vornehmen kann. Das sind weniger Dinge wie Füllwörter und Konsorten, sondern kurze Satzkonstruktionen, die wahrscheinlich jeder irgendwie automatisch verwendet, wenn man im Text weiterkommen will und die eleganten Formulierungen noch fehlen.

Fazit: Korrekturlesen dient nicht nur zur Verbesserung der technischen Qualität des Textes, sondern auch der inhaltlichen. Einfach deshalb, weil man seinen eigenen Text dann durch eine andere Brille betrachtet, in der es nicht um Inhalt, sondern um Form geht. Damit mache ich einen Schritt heraus aus der Betriebsblindheit, die ich als Autor meinem Text gegenüber auf der emotionalen Ebene üblicherweise habe.

 

©Ryek Darkener 2016

Meine 5 Cent.

Status 170224

ryekHallo!

Nachdem ich mich in letzter Zeit im Blog etwas rar gemacht habe und wahrscheinlich auch weiterhin werde (wegen Schreiben), ein paar Worte zum Status meiner Texte:

Inspektor Mops – Fallende Engel(AT)
Der Text ist so weit fertig, dass ich Exposees verschickt habe. Nun ruht er eine Weile und wartet auf das Feinschleifen.

Der Geist der Zukunft(AT)
Der dritte Teil der  „Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ ist ebenfalls auf einem guten Weg. Der Plot ist stabil, der größte Teil des Rohtextes geschrieben. Ein paar Szenen warten noch auf Schreibzeit und einige andere auf gute Einfälle. 😉 Auch dieser Teil wird zwischen 600 und 700 Normseiten dick werden. Ich empfehle möglichen Interessenten, sich zuvor die ersten beiden Teile zu Gemüte zu führen. Der dritte Teil wird nicht der Letzte sein. Ich hoffe, meinen zweijährigen Schreibzyklus halten zu können.

P.S.: Falls sich ein Blogger hierhin verirrt und sich und eine dystopische Saga antun will: Ich stelle gern Rezensionsexemplare meiner bisher geschriebenen Texte zur Verfügung (E-Book).

Der Geist der Zukunft (AT) – Textsplitter aus dem Manuskript

Der Kommandant nahm das Werkzeug entgegen und aktivierte es. Die haarfeine, eine Handspanne lange Energielanze war kaum zu erkennen im hellen Tageslicht. „Keine Angst, dass ich den Molekularschneider an dir ausprobiere?“
„Nein. Wem sollte das etwas bringen? Ich bin ein entbehrlicher Soldat, du ein Kommandant. Nach militärischer Rechnung wäre das ein gutes Geschäft für uns.“
Der Kommandant drehte sich nach links und sah den Röntgenlaser des Schiffes auf sich gerichtet. Er lächelte anerkennend. „Seid ihr alle so gut wie du?“
„Nein. Jedes Kind im Tunnel und in Neu Cannstatt ist besser.“

Der Geist der Zukunft (AT) – Aufräumarbeiten nach NaNoWriMo 2016

ryek

Im NaNoWriMo habe ich für diesen Roman etwa 30 Szenen geschrieben. Nach jeweiliger Tageslaune und deshalb unsortiert. Ein guter Startpunkt, durch alle bisher geschriebenen Szenen zu gehen und sie gegen den Plot zu halten.
Das hat ein paar Tage gedauert. Denn es ist nicht damit getan, die Szenen einfach in die richtige logische Reihenfolge zu bringen. Sie sollten im weiteren Schreibprozess, zumindest größenordnungsmäßig, an der richtigen Stelle im Zeitablauf der Geschichte sein. Es handelt sich hierbei tatsächlich zwei unterschiedliche Dinge. Der logische Ablauf beschreibt, wie etwas passiert. Üblicherweise Ursache und Wirkung. Der zeitliche Ablauf hingegen, wann etwas passiert. Natürlich muss beides am Ende zusammenpassen. Das „Einsortieren“ schärft den Blick auf den Plot und liefert Informationen, wo es noch zu schreibende Szenen gibt.
Es gibt interessanterweise durchaus Parallelen zu Techniken der Malerei. Zuerst kommt eine Skizze, dann werden die wichtigen Linien durchgezogen und Konturen gebildet. Zuletzt kommt die Farbe. Der fertige, detaillierte Plot ist dann das Bild. Wenn man so will, der statische Teil der Geschichte. Das, was sich beim Schreiben nicht mehr viel ändert.
Es ist nicht das Ziel der Veranstaltung, eine Handlung durch Text aufzublasen, sondern die erzählte Geschichte für den Leser greifbarer zu machen. Sonst brauchte es nur das Inhaltsverzeichnis. 😉
Ich weiß heute schon, dass ich Zeit einplanen muss, um das zu wiederholen, wenn ich das erste Mal der Meinung bin, das Buch sei in der Rohfassung fertig.

Der Geist der Zukunft (AT)

DSvU Tabula Rasa CoverDSvU Spes Impavida Cover 151030-26 mit Rand

Der dritte Teil meiner dystopischen Saga aus der Welt nach dem Letzten Krieg hat den Arbeitstitel „Der Geist der Zukunft“.  Dazu gibt es auch eine Projektseite.

Zur Einstimmung ein Textausschnitt, den ich an Einem Ort für Texte und Kritik zur Verfügung gestellt habe. Den Beitrag habe ich bei mir rebloggt, weil der auch sehr gut zum Thema Handwerk passt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dieter Paul Rudolph, der sich die Mühe macht, Textzulieferungen verschiedenster Genres zu sammeln, aufzubereiten und aus seiner Sicht der Dinge als Lektor mit Kommentar und Tipps zu versehen. Sowie eigenes Know How unterhaltsam zu präsentieren. Da lohnt sich der Blick über den eigenen Tellerrand, sprich auf die anderen Beiträge.