Film-Kurzkritik: Guardians of the Galaxy Vol. 2

Ich bin nach langer Zeit einmal wieder ins Kino gegangen. Da mir schon der erste Teil der Guardians gut gefallen hat – abgesehen von einer handwerklichen Schwäche am Ende – war „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ durchaus ein Film, auf den ich gewartet habe.

Ich gehe nicht auf Details ein, jede Erwähnung wäre ein Spoiler. Der Film ist ein liebevoller Querschnitt durch alle Klischees des Space Opera Popcorn-Kinos, gewürzt mit Versatzstücken aus anderen erfolgreichen Produktionen. Auch einige fantasyhafte Elemente sind enthalten.
Die Handlung steht gewissermaßen schon in der Vorschau, daher verzichte ich hier darauf, sie nachzuerzählen. Was mich positiv überrascht hat: Es gibt tatsächlich einen Handlungsstrang sowie ein paar recht überraschende Wendungen und kurze Nebenhandlungen. Im Gegensatz zu manch anderer Produktion aus dem Hause Marvel, die ausschließlich auf Action setzt. Die Filmemacher haben tief in die Literaturkiste gegriffen, einige Kleinodien ausgegraben, von denen jüngere Kinogänger möglicherweise noch nie gelesen haben – meine Vermutung: „Pater der Sterne“ von Philip José Farmer – und wirklich sehr gut umgesetzt.
Der Film ist in voller Länge unterhaltsam. Was mir neben der perfekten Choreografie sehr gut gefallen hat, waren die pointierten Dialoge und ein für Hollywoodfilme dieser Art ungewöhnlich hoher Anteil an Subtext. Es gibt klare, kritische Hinweise zu sehr aktuellen Themen, und ein paar für meinen Geschmack sehr emotionale Szenen. Sowie einige Szenen, die ich als grenzwertig empfunden habe – hier wurde die Choreografie als unterschwelliger zynischer Kommentar benutzt, ohne zu belehren. Möglicherweise wird das nicht jeder Kinobesucher mitbekommen haben.
Der Film entwickelt zudem einige neue Protagonisten, so dass wir gespannt sein können, was die Guardians noch vor sich haben.

Fazit:
Der Film ist technisch perfekt gemacht, die Schauspieler, inklusive der Gaststars, hatten Freude am Plot, und der Film ist, meiner Meinung nach, bei Weitem nicht so oberflächlich wie man es vielleicht erwartet hätte. Mir hat er sehr gut gefallen, ich kann ihn weiterempfehlen und würde ihn mir auch ein zweites Mal ansehen.
Es wird schwer werden, das zu toppen.

Spoiler:

Seht euch den Film bis zum Schluss an. Wirklich. Bis zum Schluss. Es lohnt sich.

Einen Rant zu einem Nebenthema kann ich mir nicht verkneifen:
Nervige Werbung: Sie ist lang (30 Minuten), gleichgeschaltet – fast alle Werbeclips suggerieren „Happiness“ – und  komplett einfallslos. Entweder sind den Marketingfuzzies die guten Ideen ausgegangen, oder man hält in den Konzernzentralen den Rest der Welt mittlerweile (zu Recht oder zu Unrecht) für komplett verblödet. Ich finde das jedenfalls zum Kotzen, da gute Werbespots für mich mit zu einem guten Kinoerlebnis dazugehören. Der Kunde wird hier, meiner Meinung nach, nicht mehr als Mensch wahrgenommen, dem eine Dienstleistung gegen Bezahlung angeboten wird, sondern als Schaf, das es zu scheren gilt. Mehr noch: als immer fröhlich zu sein habender Bittsteller.

 

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, meine 5 Cent.

[Offener Brief] Was soll das mit den RapeFiction Romanen?

Hier etwas zum Nachdenken und mitreden.

Frau Schreibseeles Schreibblog

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in letzter Zeit bekomme ich immer häufiger über Twitter mit, dass Bücher veröffentlicht werden, die, gelinde gesagt, sehr fragwürdig sind. Frauen werden gestalked, negativ dominiert oder gar sexuell missbraucht und vergewaltigt. Und die Männer scheinen es nicht hinzubekommen eine Frau den Hof zu machen, als sich primitiver zu benehmen, als es die Höhlenmenschen jemals getan hätten.

Daher wird es Zeit, sich darüber öffentlich zu äußern.

Kurze Vorgedanken

Egal ob es sich um „50 Shades of Grey“ oder das neueste Machwerk handelt „Paper Princess“, aktuell kommen Bücher auf den Markt, die ein Frauen- und auch Männerbild zeigen, dass nicht nur bedenklich, sondern regelrecht primitiv ist.

Und doch werden diese Bücher als romantisch beworben, die neue Akzente setzen und damit als lesenswert gelten. Scheinbar werden diese Bücher nicht kritisch betrachtet oder gilt es hier, Hauptsache es bringt Geld, egal was für ein Bild sie vermitteln?

Manchmal habe…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.893 weitere Wörter

Bücher als Waffen

Durchaus nachdenkenswert.

Werkstadt

Ja, ich weiß, das ist eine steile These. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der gegenwärtige Zustand vieler Gesellschaften direkt mit der Art und Weise zusammenhängt, wie und was an Büchern gelesen wird, wenn überhaupt noch gelesen wird. Diese in sich erstarrten Weltbilder, die alles, was nicht in sie hineinpasst, als »Fake!« denunzieren, die Vorliebe für schlichte Wahrheiten und starke Führungspersönlichkeiten findet sich wieder in den Vorlieben der Leser für möglichst »positive, sympathische« Protagonisten, eindimensionale Handlungen, per Küchenpsychologie begreifbare Motive, saubere Auflösungen (Mörder gefasst, Liebespaar kriegt sich) und möglichst leicht verständliche Moral.

Ursprünglichen Post anzeigen 375 weitere Wörter

Film-Kurzkritik: Deadpool

Ryek myst

Ich fange mit einem Spoiler an: Was ist die Botschaft des Films?

 

Wenn du Auto fährst, lass deine Griffel vom Smartphone!

 

Nun in medias res.

Der Film in total flach. Flacher geht es kaum. Trotzdem habe ich ihn mit großem Vergnügen gesehen.

Wegen der Action-Szenen? Nein. Die waren so perfekt, wie man es von einer Marvel Comicverfilmung erwarten kann.

Wegen dem Plot? Nein. Weil in diesem ziemlich alles falsch gemacht wurde, was man falsch machen kann: Prolog, Rückblenden ohne Ende, stur lineare Story, u.s.w.

Warum dann? Kurz gesagt, wegen des Protagonisten, der sich über den ganzen Film hinweg darüber beschwert, in was für einem Superhelden-Schrottplot er den Superhelden spielen muss. 😉

 

Für diejenigen, die selbst schreiben, ist der Film eine kleine Offenbarung. Er funktioniert auf der Unterhaltungsebene prima, weil der offensichtlich schwache Plot dadurch getoppt wird, dass er ständig kommentiert, wenn nicht sogar lektoriert wird. Vom Protagonisten! Das ist schon eine coole Idee.

Das Menschenschlachten ist Marvel-spezifisch comichaft, mit viel rot und rüden Witzen zum Thema. Entweder mag man das, oder man mag es nicht. Es ist technisch gut gemacht, aber nichts, was nicht schon woanders auch gezeigt wurde. Was der Protagonist in seinem inneren Dialog permanent kritisiert. Mehr als einmal fragt er sich (und das Publikum): Was tue ich hier eigentlich? Die Frage wird bis zum Schluss nicht beantwortet. Gut so!

Manche Kritiken beschreiben den Protagonisten als ironisch bis zynisch und mit einem Hang dazu, andere verletzen zu wollen – womit nicht die Kampfhandlungen gemeint sind. Aber das allein würde – jedenfalls für mich – nicht den Reiz ausmachen. Der Film strotzt vor kommentierten Querschlägern aus anderen Superhelden-Filmen. Bis hin zum Bewegungsablauf in Super-Super-Zeitlupe, wobei sich die Kommentare des Protas oft in Richtung „das Publikum will es so, darum mache ich das jetzt“ bewegen. Das ist fast schon ein Münchhausen-Effekt.

Ich weiß nicht, ob das die Absicht der Filmemacher war. Filme aus Hollywood sind für mich wegen ihrer Beliebigkeit mittlerweile eher ein Grund, nicht ins Kino zu gehen. Doch die zumindest gefühlte Metaebene der Selbsterkenntnis, was da produziert wurde, ist erfrischend und unterhaltsam.

Kein Film, den man sich mehr als einmal ansehen muss. Aber ein Film, den man verpasst hat, wenn man ihn sich nicht angesehen hat. Auch wenn man kein Marvel-Fan ist.

 

Ein gutes Beispiel dafür, dass man alle Regeln brechen darf. Wie Deadpool. Vorausgesetzt, man kennt sie und man kann es.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Das Fließen der Sprache und der Müll der Wörter

Hier steht eigentlich alles, was man zum Thema Infodump wissen muss.

Werkstadt

Vielleicht erinnert sich noch jemand. Mit der Einführung von Kindle Unlimited und der Praxis, nur gelesene Seiten und nicht mehr den Text an sich zu honorieren, frohlockten die Autorinnen und Autoren dickleibiger Bände. Ab sofort verdienten sie mehr als jemand, der nur einen knappen Roman zustande gebracht hatte, ganz zu schweigen von dem spartanischen Lyriker mit seinen 44 Seiten. Es war doch auch nur gerecht, oder? Mehr Text gleich mehr Arbeit mehr Lesegenuss für die Käufer. Mit KU hielt also die Herrschaft der Quantität über die Qualität Einzug, sehr zu Ungunsten der Literatur, die sich einfach weigerte, Amazons Geschäftspraktiken zu akzeptieren. Denn natürlich bedeutet „mehr schreiben“ nicht automatisch „mehr arbeiten“. Und das liegt nicht allein an den unterschiedlichen Geschwindigkeiten und der Leichtigkeit – oder Nicht-Leichtigkeit –, mit der mir ein Text aus dem Kopf fließt. Ganz im Gegenteil. Das wirklich Schwierige an Literatur sind nicht die Wörter, ist nicht das…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.830 weitere Wörter

Es sind so seltsam graue Tage

Es sind so seltsam graue Tage

europa

Ich bin ja passionierter Zeitungsleser. Nichts schätze ich mehr als einen Samstagmorgen, an dem ich stundenlang die Qualitätspresse studiere, die es nach wie vor ist. Doch seit einigen Monaten, zuletzt immer intensiver, ist die beobachtende Teilnahme am Weltgeschehen eine Qual. Ich habe bereits ernsthaft erwogen, mich nicht mehr über das Grauen in der Welt zu informieren, weil es mir körperliche Schmerzen verursacht. Zeitunglesen macht keinen Spaß mehr.

Da ist zum einen natürlich Trump. Er füllt bis mindestens März die Mantelteile der Zeitungen; ich kann es jetzt bereits nicht mehr ertragen. Da lese ich, wie sich auch hiesige Eliten den Wahlsieg bereits schönreden. Ein „So schlimm wird er schon nicht“ ist nichts anderes als ein sich ihm Ergeben. Er wird schlimm. Wir werden nur abstumpfen. Wir erleben gerade, wie ein Geschäftsmann, weniger erfolgreich, als sein Kontostand den Anschein erweckt, einen Justizminister ernennt, der demnächst über Sachverhalte entscheiden muss, die auch Trumps Unternehmen…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.438 weitere Wörter

Tieftauchen

Tieftauchen

Chapeau!

Jepp.
Ich nenne mich heute mal »Schriftstellerin«. Ich bin so frech.
Nicht »Hobbyautorin«, nicht »schreibende Putzfrau« (tatsächlich bin ich genau das), und nicht Amazonsklave, obwohl ich meine Bücher nur dort veröffentliche (bis jetzt jedenfalls).
Mein täglicher Job besteht zwar aus Putzen, aber nebenbei – was ich wesentlich wichtiger finde – lerne ich vor allem Menschen kennen.
Ich wusste nicht, wie viele Menschen ihre Kinder verloren haben. Ich dachte, das wäre eine Ausnahme. Aber es scheint nicht so zu sein. Kinder erschießen sich im Wald mit der Schrotflinte. Sie stürzen sich einen Berg hinunter. Sie sterben an Krebs, bevor sie 30 sind. Oder von heute auf morgen bei einem Motorradunfall.

Das Leben ist eine verdammt zerbrechliche Angelegenheit.

Irgendwann vor drei Jahren verlor ich – mal wieder – meinen Job. Der Laden, wo ich Brot und Kuchen verkauft und jede Menge Irre betüdelt habe, machte dicht. Und nein. Ich hatte keinen festen…

Ursprünglichen Post anzeigen 498 weitere Wörter