Die Sultanin – Eine feministische Erzählung aus der tausendundzweiten Nacht

©Ryek Darkener 2016

Es war einmal eine Frau, der hatte der Allmächtige Schönheit und Klugheit in die Wiege gelegt. Schon im zarten Alter von zwölf Jahren umgarnte und eroberte sie den Sultan des Landes, gebar ihm mit fünfzehn einen Sohn und ermordete den Sultan an ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag – dem Tag, an dem sie volljährig wurde.
Sie trat an seine Stelle, denn es gab im ganzen Reich niemanden, der ihre Macht und Weisheit in Frage stellte.
Noch an selbigem Tage erließ sie ein Dekret: „Ihr bringt mir, jeden Tag, zehn der schönsten Männer des Landes. Ich werde sie in meinem Harem halten, zu meiner alleinigen Lust und Freude. Denn einer Herrscherin wie mir steht an den Schätzen des Landes naturgemäß der meinem Range entsprechende Anteil zu.“
Und so geschah es. Die Scherginnen der Sultanin schwärmten aus, um neben der Tätigkeit des Steuereintreibens den Wunsch der Herrin nach süßem Fleisch zu befriedigen.
So ging es Jahr für Jahr. Die Sultanin war zufrieden, und da sie weise herrschte, blühte das Land auf. Doch eines Tages nahm die Großwesirin sie zur Seite und sprach:
„Größte und Schönste. Es gibt in unserem Reiche eine Sache, um deren Behandlung ich dich dringend bitte. Dein Harem ist gefüllt mit tausenden von Männern. Die meisten von ihnen kennst du nicht einmal mit Namen, und mit den wenigsten hast du eine gemeinsame Nacht verbracht. Draußen, vor den Toren deines Palastes, leidet das Volk unter dem Mangel, den dein Dekret verursacht. Es sind kaum noch arbeitsfähige Männer vorhanden, und viele Familien müssen sich einen Zeuger teilen, was oft zu Verbindungen innerhalb von Verwandschaften führt. Unser Volk wird schwächer, von Jahr zu Jahr. Es gibt kaum noch männliche Dichter und Denker. Immer mehr der Untertanen verlassen sich darauf, dass du in deiner Weisheit aus dem Palast heraus die Dinge des Landes bis ins Kleinste hinein regelst. Deine Bediensteten haben immer mehr damit zu tun, die Unzufriedenen im Zaum zu halten. Die Zahl deiner Wächterinnen und Verwalterinnen wächst und wächst. Kaum noch ein Untertan weiß, wie man eine Decke webt oder ein Brot backt. Sie sitzen in ihren Häusern oder auf der Straße und warten auf deine Segnungen.“
Diese Worte erzürnten die Herrscherin. „Willst du damit sagen, dass ich mehr nehme, als mir zusteht?“, fuhr sie die Großwesirin an.
„Das zu behaupten steht mir nicht zu“, war die Antwort. „Doch ich muss dich, gemäß der Aufgabe, die du mir zugewiesen hast, darauf hinweisen, dass es in absehbarer Zeit niemanden mehr geben wird, der in deinem Reich einer produktiven Tätigkeit nachgehen wird. Weil es sich nicht lohnt. Dass dein Volk verarmt, vergreist und ausstirbt, da immer weniger Kinder geboren werden. Auch die von unserem Reichtum angezogenen Menschen werden das nicht ändern, da sie in deinem Reich nach deinen Regeln leben. Ich bitte dich inständig, mit deiner ganzen Weisheit und zusammen mit den fähigsten Beraterinnen eine Lösung für dieses dringende Problem zu finden.“
Die Sultanin war immer noch erzürnt, doch da ihr die Großwesirin lange gute Dienste erwiesen hatte, wollte sie sie nicht einfach wegschicken.
„Ich werde es bedenken und beraten“, gab sie zur Antwort. „Aber so lange ich keine Entscheidung getroffen habe, bleibt alles, wie es ist.“
Die Großwesirin verneigte sich stumm und ging.

Ab hier verliert sich die Geschichte im Nebel der Zeit. Es ist nicht überliefert, was anschließend geschah. Es gibt zwei sich widersprechende Auffassungen über das Ende der Geschichte:

– Die Sultanin berief den Großen Rat ein, ließ sich die Welt erklären und kam zu dem Schluss, dass sie zumindest den Teil ihres Harems, den sie niemals benötigen würde, dem Volk zurückgeben sollte. Darüber hinaus ließ sie Lehrer kommen, die ihrem Volk wieder beibrachten, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden. Sie starb geehrt und in hohem Alter als letzte Sultanin des Reiches.

– Die Großwesirin wurde entlassen und zum Tode verurteilt. Der Sohn der Großwesirin, der vor den Augen der Sultanin verborgen worden war, nutzte seine Schönheit, um sich in den Harem der Sultanin bringen zu lassen. Zusammen mit anderen Haremsbewohnern stürmte er eines Nachts die Gemächer der Sultanin und brachte sie um. Es setzte sich an ihren Platz und ließ alle Männer des Harems töten, die ihm nicht gefolgt waren. Nach einer Generation zerfiel sein Reich, sein Volk verstreute sich in alle Winde.

#WirSchreibenDemokratie

 

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Federteufel Workshop in Esslingen 1. und 2. Juli 2017

Es gibt Dinge, die macht man am besten im Präsens. Zum Beispiel Workshops. Am 1. und 2. Juli stand der zweite der Federteufel an. Wer es nicht weiß: Die Federteufel sind ein kleines Forum am Rande der Sichtbarkeit, in das sich eine Gruppe unermüdlicher Schriftsteller und solche, die es werden wollen, zurückziehen, um ihren Werken den Rest letzten Schliff zu geben. Neben dem allseits beliebten Rost für Textausschnitte, an denen das Teufelsvolk sachliche Kritik zu üben hat, schlummern in den unteren Gewölben eiserne Jungfrauen Charaktercouches gleich neben dem Plotlochreservoir, links neben dem Kohlenkeller. Wer hier eintritt, lässt jede Hoffnung fahren. 😉

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Die Altteufel helfen gerne den neu hinzugekommenen Schreiberseelen mit Tips und Tricks, insbesondere zum angewandten Handwerk des Schreibens. Voraussetzung für ein gutes Miteinander ist der Wunsch, das Schreiben ernsthaft zu betreiben und besser werden zu wollen.

Da der erste Workshop in 2016 ein voller Erfolg war, trafen sich auch in diesem Jahr alle, die Zeit und Lust hatten, im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen. Schwerpunkt waren am ersten Tag die mitgebrachten Exposees und Textabschnitte, die durchleuchtet und diskutiert wurden. Jeder, der etwas vorgestellt hat, hat jede Menge Anregungen erhalten. Für die Leser war es interessant, über den eigenen Genre-Rand hinauszuschauen, was es sonst noch an lesenswerten Stoffen gibt. Young Adult, Krimis verschiedener Fachrichtungen, Fantasy, Dystopie. Auch die Sinne kamen nicht zu kurz. Kulinarischer Höhepunkt beim Schoko-Experten-Workshop war die Beantwortung der Frage, welcher Wein denn am besten zu welcher Schweizer Schokolade passt – es gab sehr befriedigende Antworten. Gefolgt von einem Vortrag von Lupa zum Thema Beschreibungen.

Dem Ende des offiziellen Teils folgte ein Abendessen. Meinungen und Informationen zu geplanten und veröffentlichten Texten wurden ausgetauscht. Ich kann für mich sagen, dass es mich freut und motiviert, dass eine meiner wichtigsten Protagonisten – Imara Socotada – bei den Autorenkollegen sehr unterschiedlich gesehen wird. Es gab zu einem anderen Kollegentext emotionale Diskussionen über einen Protagonisten, mit dessen frühem und plotgerechtem Ableben nicht jeder einverstanden war. Da existieren durchaus genrespezifische Unterschiede in der Anschauungsweise.

Am Sonntag, nach ausgiebigen Frühstück, gab es einen Vortrag von Mooncat zum Thema Plotlöcher. Nun wissen wir alle, wie man die einsetzt. 😉 Anschließend stellte uns Trallala Selfpublishing am Beispiel Amazon vor.

Dann wurde es ernst. Trallala scheuchte die Autoren in zufälliger Reihenfolge nacheinander auf die Bühne, wo sie, mit Scheinwerferlicht im Gesicht und Mikrofon im Mund (ok, in der Nähe des Mundes) ihren Text wie bei einer Lesung vortragen mussten. Sehr erhellend. 😉 Besonders die anschließende Manöverkritik. Alle Texte waren interessant, bei manchem Vortrag blieb nur die Frage offen, warum der Autor damit nicht sein Geld verdient. Nicht nur mit dem Text, sondern auch mit absolut professionellen Vortrag. Ich sage nur das eine: Dackelbowle!

Das Ende der Veranstaltung bildete der längere Ausklang, in dem über #litcamp17 berichtet wurde sowie geplante Aktivitäten im Federteufel-Forum zur Diskussion anstanden.

Ich glaube für alle sprechen zu können, wenn ich behaupte, dass wie im letzten Jahr eine Menge interessanter Informationen und Standpunkte vorgetragen wurden. Ich wünsche mir, dass der Workshop im nächsten Jahr wieder stattfindet.

 

 

#litcamp17 – Bericht

Ryek myst

Nachdem ich  eines der begehrten Tickets über eine Verlosung ergattern konnte, fand ich mich am 24. Juni gegen 8 Uhr morgens am Dezernat16 in Heidelberg ein. Nach freundlicher Begrüßung bekam ich gleich einen großen Beutel mit Brot in die Hand gedrückt. Nicht zum Essen. 😉 Sondern um bei Aufbau des Frühstücks zu helfen. Merke: Barcamps funktionieren nur, wenn jeder etwas dazu (bei)trägt.

Um 09:30 begann dann der offizielle Teil. Hand aufs Herz: Wer hat jemals erlebt, dass Beamer und Funkmikros gleich am Anfang so funktionieren wie gewünscht? Ich noch nie, auch nicht in meinem Brotjob. Da muss es eine Verschwörung geben. Das Problem wurde gelöst und hinterließ bei mir den Eindruck professioneller Hemdsärmeligkeit im besten Sinne. An dieser Stelle ein großes Lob an das Orgateam und alle Helfer, die die Veranstaltung in den zwei Tagen so angenehm und für die Besucher reibungsfrei über die Bühne gebracht haben!
Nach der Kurzvorstellung der Teilnehmer (Name und 3 Hashtags) ging es in die Sessionplanung. Ab hier werde ich nur noch stichpunktartig über das berichten, was ich für mich mitgenommen habe.

 

Die erste Veranstaltung, an der ich teilnahm, war eine Diskussion über das Verhältnis zwischen Selfpublishern und Buchbloggern. Abgesehen davon, dass das Thema nicht vollkommen emotionsfrei ist, wurden die Standpunkte sowie die beschränkenden Randbedingungen sehr konkret und für alle nachvollziehbar dargestellt. Danke dafür. Auf einige – mit der Diskussionsrunde abgestimmte – Stichpunkte reduziert ist der Stand der Dinge und Meinungen (ohne Kommentar, der kommt getrennt):

  • Selfpublisher sollten sich selbst stärker organisieren und z.B. über Newsletter eine Vorsortierung für die Blogger leisten, im Sinne einer Buchvorschau. Sie sollten selbst dazugehörige Plattformen etablieren. Am besten genrespezifisch.
  • Buchblogger sind üblicherweise komplett ausgebucht, darum haben die meisten keine Zeit, um auf individuelle Anfragen zu reagieren.
  • Es ist unfair, sich gegenseitig vorzuwerfen, füreinander keine Zeit zu haben. Sondern es ist Fakt.
  • Selfpublisher sollten sich unbedingt mehr für Buch-Blogs interessieren, die zu ihren Genres passen.
  • Professionelles Miteinander ist Pflicht.
  • Generelles Problem ist die Informationsüberflutung und Zeitmangel für nicht primäre Tätigkeiten (Schreiben, Lesen, Bloggen).

So weit das Protokoll. Hier mein Kommentar, inklusive ein wenig Ironie:

Wenn ich die oben genannten Statements semantisch aufbereiteten, heißt das dann, sehr plakativ formuliert:
Aufgrund der hohen Auslastung mit einem Thema, das mit viel Herzblut betrieben wird, nehmen sich die meisten Blogger nicht (mehr) die Zeit, in der großen Auswahl von angebotenen Texten nach Perlen zu tauchen. Sie bevorzugen vorsortierte und qualitätsgesicherte Produkte. Daher sollten die SPler den Bloggern ihre Texte idealerweise über einen Publikumsverlag zur Rezension zukommen lassen. Klingt ein wenig nach Hauptmann von Köpenick, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dasselbe Problem haben natürlich auch die Autoren, da bei ihnen nicht endlos Zeit für Marketingmaßahmen zur Verfügung steht.
Das auf diesem Weg auch sehr gute unbekannte Verlagsautoren kaum den Weg zu Buchbloggern finden, lasse ich einmal dahingestellt.

Ein anderer Vorschlag war, dass sich die SPler untereinander besser vernetzen und mehr über die Werke ihrer Schreibkollegen auf ihren eigenen Blogs berichten sollen. Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen, sprich Zeit, wird das für die meisten wohl der realistische Weg sein, Leser zu erreichen. Und, ganz offen: Wir SPler können uns da an der eigenen Nase fassen (damit ist auch meine Nase gemeint). Ich bin auf Facebook in einigen Gruppen, in denen entweder begrenzt Werbung erlaubt ist oder die sogar eigene Werbegruppen haben. Wenn ich bei einer theoretischen Reichweite von 10.000 Facebookern mein Angebot nicht einmal 5 (in Worten: fünf) mal geteilt bekomme, dann stellt sich mir irgendwann die Frage, warum ich mein Wissen und meine Erfahrung mit anderen teilen soll für eine Handvoll Likes. Nein, es geht hier erst einmal nicht um Vertrieb und Verkauf, sondern darum, sich gegenseitig und fair einen Mehrwert zu liefern.

Mein Fazit:

  • Stärker mit anderen SP-autoren vernetzen.
  • Rezensionsexemplare an Blogger auch weiterhin gerne. Auf Nachfrage. Oder wenn es sich von selbst über Kontakte in den sozialen Medien (oder bei litcamps) ergeben sollte.

Denn alle Professionalität (die ich voraussetze) hilft nichts ohne die Bereitschaft zu einem konstruktiven Miteinander.

Wer in der Szene etwas bewegen will, der muss raus aus dem Kuschelkörbchen. Das war übrigens auch das Ergebnis aller Diskussionen zu anderen Themen, bei denen ich dabei war.
Wer mag, darf dazu gern einen konstruktiven Kommentar hinterlassen. Besser noch: einen konstruktiven Vorschlag.

 

In der nächsten Session ging es um Content Marketing. Ein Thema, vor dem ich mich immer drücke.
Ich war sehr positiv überrascht, dass man mit recht einfachen Mitteln dem Reizwort „Zielgruppe“ auch als Marketingverweigerer nahekommen kann. Das Modell der Charakterbeschreibung des typischen Lesers des eigenen Textes hat etwas. Wichtige Erkenntnis: Was tut dein simulierter Leser noch, außer dein Buch zu lesen? Gibt es zum Beispiel über gemeinsame andere Interessen die Möglichkeit, auf dein Buch aufmerksam zu machen? Eventuell in nicht-Schreib-Foren? Was mir sehr sympathisch war, dass es in der Veranstaltung nicht darum ging, zu zeigen, wie man auf Biegen und Brechen etwas verkaufen kann, sondern dass es viel besser über die Vermittlung von positiven Mehrwerten geht, die mit dem Produkt Buch nichts zu tun haben müssen.
Marketing muss ehrlich sein. Ist auch meine Meinung.

 

Nächste Session: Twitter
Ich fand es erstaunlich, dass jemand in einer Dreiviertelstunde erklären kann, wie Twitter für dich funktioniert und was du besser sein lassen solltest.
Wichtigste Erkenntnisse:
– Beschäftige dich mit deinen Followern. Persönlich. Nicht mit Tweetgeneratoren.
– Tritt professionell und authentisch auf.
– Keine Crosspostings.
– Du bist für deine Follower so attraktiv wie deine letzten 20 Tweets. Falls die nur aus Werbung für dein vertriebliches Anliegen bestehen sollten, nunja, siehe den vorherigen Textblock  …

 

Die Session über Dos und Dont’s des Selfpublishing brachte mir ebenfalls einige interessante Erkenntnisse. Viele junge Leser scheinen Literatur im Sinne einer Telenovela zu konsumieren. Daher sollte die Veröffentlichungsfrequenz eines Verlagsautors bei einem Buch pro Jahr liegen, bei einem Selfpublisher mindestens bei zweien. Wenn man vom Schreiben leben will und kein gefragter Bestseller-Autor ist.
– Die Vermarktung muss rechtzeitig VOR der Veröffentlichung beginnen.
– Entwickle deine Autorenmarke.
– Halte regelmäßigen Kontakt zu deinen Lesern, binde sie in den Prozess der Erstellung deines Buches mit ein.
– Die eigene Webseite ist Pflicht. Idealerweise auch ein Newsletter.
– Orientiere dich mit dem Preis deines Buches am Wettbewerb. Was nicht heißt: Ich kann billig. Denn das können alle.

Den Bericht über den sogenanntem gemütlichen Teil lasse ich aus. 😉 Für mich waren beide Tage sehr angenehm, offen, konstruktiv und unterhaltsam. Wenn auch etwas anstrengend. 😉

In der Session über Coverdesign wurde kurz zusammengefasst, mit welchen Dingen man sich unbedingt beschäftigen sollte, bevor man ernsthaft darüber nachdenkt, selbst ein Buchcover zu erstellen. Wie zum Beispiel Typografie, sowie Grundlagen der Farbenlehre und Bildgestaltung. Frei nach Ratatouille: Jeder kann Cover, wenn er das Handwerk kennt und entsprechend lange übt. Wer lieber schreibt, sollte sich umsehen bei denen, die lieber Cover designen als Bücher schreiben. Um ein gutes Cover zu erstellen, braucht es zwei bis fünf Tage. Wenn man weiß, was man tut. Sonst entsprechend länger. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Meine Cover sind maximal brauchbar für den Zweck, aber immer mit dem Thema des Buches verbunden. Was ebenfalls wichtig ist. Trotzdem verschenkt man mit weniger guten Covers Marketingpotential, denn der erste Blick des potentiellen Lesers geht zum Cover.

 

Hochinteressant auch der Beitrag, welche Dinge man aus Pen-and-Paper Spielen für den Weltenbau und das Schreiben mitnehmen kann. Insbesondere dann, wenn man den Spielleiter gibt:
– Macht das Setting für den Leser greifbar. Aber verhindert, dass er in Details festhängt.
– 20 Stunden Recherche für ein zum Weltenbau gehörendes Strukturelement, zum Beispiel Wetter, ersetzen zwar kein Studium, vermitteln aber genug Wissen, um keine offensichtlichen Fehler beim Setting zu machen.
– Struktur muss da sein, bevor die Akteure anfangen, sich zu bewegen.
– Jede Handlung des Charakters bestimmt, was er in Zukunft kann. Aber seine Umwelt wird ihn über die Zeit formen.
– Die Struktur steuert den Charakter indirekt. So kann Deus es Machina verhindert werden.
– Gebe der Exposition den Vorzug vor der Informationsvermittlung.
– Kenne die Fachgebiete und ihre Zusammenhänge, die du zum Weltenbau benötigst.
– Die Struktur bestimmt die Welt. Und, situationsbezogen, die Handlung des Charakters. Spontan und logisch.

 

Zwischendurch ein Einblick in ein sehr spezielles Verlagsthema: Heftromane! Gibt es immer noch. Für die an der Session Beteiligten war es sehr interessant, zu erfahren, wie die Heftromanserie „Perry Rhodan“, die seit September 1961(!) ununterbrochen jede Woche erscheint, produziert wird. Und dass es durchaus nicht so ist, dass jede Neuerung im Buchsektor automatisch dafür sorgt, dass die Leser darauf abfahren. Nicht nur der Verkauf des Themas, sondern auch das jeweilige Medium und die Präsentation haben enormen Einfluss auf den Erfolg. Abhängig von der Leserschaft kann sogar das alte Format das gewinnbringendere sein. Ich wünsche der Serie auf jeden Fall noch einen langen Bestand. Denn abgesehen davon, dass auch mancher bekannte deutsche SF-Autor hier seine Spuren hinterlassen hat, ist sie ein einzigartiges Zeitdokument, da die erzählten Geschichten immer eine Referenz zu aktuellen Weltpolitik sowie der Gesellschaft hatten und haben.

 

Die Vorstellung dessen, was Lektoren machen, hat auf interessante und nachvollziehbare Weise gezeigt, was sie leisten können. Ja, sie können, zusammen mit dem Autor, aus einem guten Text ein besser lesbares Buch machen. Aber nur dann, wenn alle beteiligten Seiten (Autor, Lektor (Verlag)) das auch gemeinsam wollen. Es ist und bleibt eine wertvolle und sehr persönliche Dienstleistung.

 

Das sind in Kürze die Highlights, von denen ich annehme, dass sie für die Leser dieses Blogposts interessant sind.

Da eine Veranstaltung wie ein #litcamp ohne Sponsoren nicht zu einem Preis angeboten werden kann, den sich alle leisten können, hier der Link auf die Sponsorenliste des diesjährigen litcamps.

Für mich waren es zwei hochinteressante Tage, in denen ich viele Menschen kennengelernt habe, mit denen man sich gut unterhalten konnte, auch wenn die Meinungen ab und zu auseinandergingen. Mich hat die Veranstaltung weitergebracht und am Ende war ich ziemlich geschafft. 😉

Nochmals ein großes Dankeschön an alle, die so etwas durch ihren ganz persönlichen Einsatz möglich machen. Und für das leckere vegane Essen! Und, und, und …
Ich werde gern auch im nächsten Jahr wieder nach Heidelberg kommen. Lieber als zu einer Buchmesse.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Mein 2016

ryekAch herrje! Das Jahr ist morgen zu Ende!

 

Zeit für einen Jahresrückblick? Interessantere Frage als es auf den ersten Blick aussieht. Warum?

Um das Jahresende herum (genauer zwischen dem 2. und 5. Januar) erreicht die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn und die höchste Geschwindigkeit (die Erdbahn ist keine exakte Kreisbahn um die Sonne). Man kann im übertragenen Sinn sagen, dass die Erde nun „Schwung für das kommende halbe Jahr geholt hat“ und auch astronomisch betrachtet das alte Jahr hinter sich lässt.

Und das 31.12. nicht den Naturwissenschaften geschuldet ist. Daher gibt es, je nach verwendetem Kalender, viele Jahresrückblicke. Diesen Gedanken weiter tragend habe ich also:

1. Die astronomische Variante.

2. Die kulturelle Variante

3. Die persönliche Variante

 

Sieht man sich die offiziellen Jahresrückblicke an, wird schnell klar, dass man sich dort zumeist für die persönliche Variante entschieden hat. Jahresrückblicke gibt es in den Medien ab Anfang Dezember. Oder war es Mitte November? Offensichtlich besteht der latente Zwang, der Erste sein zu wollen, die Welt mit einem Jahresrückblick zu beglücken. Was tendenziell die Folge haben wird, dass in absehbarer Zukunft die Jahresrückblicke spätestens am 1. Januar um 12 Uhr mittags beginnen werden. Sowie jeder seinen eigenen Jahresrückblick zelebrieren wird. Hier ist gut zu erkennen, dass Vielfalt und Beliebigkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind. Was gefühlt nach und nach aus dem öffentlichen Bewusstsein ins post-faktische zu verschwinden scheint.

 

Post-faktisch. Für mich ein Highlight des Jahres 2016. Bevor es zum Wort des Jahres erklärt wurde, habe ich nie davon gehört. Es beschreibt, meiner Meinung nach, mit einem einzigen Wort genial das, was in 2016 alles schiefgelaufen ist. Es erspart langatmige und sinnfreie Diskussionen mit sowie gegenseitige Beschimpfungen von Leuten, die zwar eine Meinung äußern, aber diese nicht mit abgesichertem Wissen belegen können. „Deine Argumentation ist post-faktisch.“ Punkt. Jeder kann, sofort, für sich selbst, nachprüfen, ob diese eine Aussage zutreffend ist. Ob auf der Gefühls- und Befindlichkeitsebene oder auf der Sachebene argumentiert wird. Oder ob beide – wieder einmal – in unzulässiger Weise vermischt wurden.

 

Die Zeiten, als Menschen, die etwas wussten, dran glauben mussten, kommen hoffentlich nicht mehr zurück. Was mein zweites Highlight 2016 ist. Hoffnung allein reicht hier nicht. Und gegenseitiges Ankotzen ist nicht der richtige Weg, sondern das falsche Signal. Weil ich der anderen Seite lediglich damit zeige, dass ich ein genauso großes … sein kann. Was eine Binsenweisheit ist. Natürlich kann ich das! Jeder kann das! Aber woher nehme ich dann das Recht, mich als besserer Mensch zu fühlen? Ich halte es für ein Zeichen von sozialer Intelligenz, Dampf ablassen zu können, ohne den anderen zu beleidigen, egal ob er es in meinen Augen verdient hat oder nicht. Damit kann ich mich auch gleich differenzierter darstellen. Was, das gebe ich zu, ein Gefühl der Überlegenheit erzeugt, auch wenn es nicht der Faktenlage entsprechen sollte. Ich bin halt auch nur ein Mensch. 😉

 

©Permission to use and/or modify this image is granted provided you acknowledge me lewing@isc.tamu.edu and The GIMP if someone asks.

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Zurück zum Rückblick. War es nun ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Für mich war es ganz ok. Ich habe manches geschafft, was ich mir vorgenommen habe (zum Beispiel Windows weitgehend loszuwerden), und insgesamt eine gute Zeit gehabt. Dafür bin ich allen dankbar, die dazu beigetragen haben. An dieser Stelle also: DANKE!

 

Ob es für die ganze Welt ein gutes oder schlechtes Jahr war, kann ich, wenn ich ehrlich bin, gar nicht beurteilen. Ich kenne die wenigsten der über sieben Milliarden hier lebenden Menschen persönlich. Ich sehe nur die Ausschnitte in den Medien, und dort sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Es berührt mich durchaus, dass 65 Millionen Menschen vor Kriegen fliehen, die in der Hauptsache den wirtschaftlichen Interessen reicher Länder, wo auch ich lebe, geschuldet sind. Es bedrückt mich, dass in der Politik weltweit der alte Herr Göbbels als der ultimative Lehrmeister für politische Diskussionen jeder Couleur verehrt wird, wenn es darum geht, das „einfache Volk“ „aufzuklären“. Dem Anschein nach alternativlos. Das die Digitalisierung der Gesellschaft immer mehr Menschen abhängt – was nicht die Schuld der Technik, sondern die einer Umsetzung ist, die den Menschen aus dem Fokus verloren hat.

Auf der anderen Seite gab es Veranstaltungen, wo Menschen anderen Menschen sinnvolle Unterhaltung geboten haben. Wo Menschen unbeschwert miteinander gefeiert haben. Wo Menschen einander geholfen haben. Welt-weit.

 

Es ist die eigene Entscheidung, wie ich mit anderen umgehe. Idealerweise so, wie ich selbst in vergleichbarer Situation behandelt werden möchte. Das schließt nicht aus, verschiedener Auffassung zu sein und diese auch kontrovers zu diskutieren. Am Ende sollte aber ein Ergebnis stehen, das für alle sowohl nachvollziehbar als auch unter gleichen Umständen wiederholbar ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2017. Und dass wir dazu beitragen, dass es eines wird.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, meine 5 Cent. Ohne Anspruch auf Wahrheit oder Vollständigkeit.

Skyfall (US version)

Ryek_2016This is the end.

The end of an era.

 

It makes no sense to complain about reality.

You have to face it. Or perish.

 

USA has renounced its leading role for the Western World. The party is over. USA returns to itself, „Heim ins Reich“. Back to the roots. Whoever is to become President or could have been President.

The Great White Father in Washington will no longer handle the affairs of ROW. This convenience period has ended. Whenever it will happen again, it will happen for a hefty price. Fair enough.

America has decided in free, secret, democratic ballot. What to be will be seen when the gun smoke of the election war has dispersed. Hopefully not the first radical religious fundamentalist Caliphate of the Western World in Modern Times.

The majority of the American men want to have a leading person who „Makes America Great Again“. Like in the fifties. Whatever this means and however it shall happen in a globalized world.

And the women? Nearly half of them, thereof a significant part of young women, obviously seem to have no problem with their submissive role in the American Society. What really surprised me. However, it explains the success of some kind of literature made in America. The (wet) feminine American Dream seems to be the acceptance of sexism in public and active submission. Now it becomes reality. Why the mothers and grandmothers of these women took to the street for equal rights and the right to vote is off my mind. The role of a speaking piece of furniture could have been acquired without male resistance.

*Irony*

There might come some minor amendments in wording which have to be paid attention, if you are a soon-to-be successful writer:

Mr. (Mister) will become Mr. (Master)

Mrs. (Mistress) will become Smrs. (Submisstress)

Ms. will become Gal

Example: „Mr. and Mrs. Smith“ will become „Master and Submistress Smith“ (pay attention to the „s“es)

*Irony*

 

It makes no sense to complain about reality.

You have to face it. Now.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

My five Cent.

Ryek Darkener, German Writer

Skyfall

Ryek_2016This is the end.

The end of an era.

 

Es hat wenig Sinn, die Realität zu beklagen.

Man muss sich ihr stellen. Oder untergehen.

 

Amerika hat seine Führungsrolle für den Westen aufgegeben. Die Party ist vorüber. Die USA kehren zu sich selbst zurück. Heim ins Reich. Back to the roots. Egal, wer gerade Präsident wird oder geworden wäre.

Es ist vorbei mit der Bequemlichkeit, dass der Große Weiße Vater in Washington alles schon richten wird. Wird er nicht mehr. Wenn doch, dann gegen eine heftige Gegenleistung. Fair enough.

Amerika hat sich in freier geheimer demokratischer Abstimmung entschieden. Was zu werden, werden wir demnächst sehen, sobald sich der Pulverdampf des Wahlkampfes verzogen hat. Hoffentlich nicht das erste radikal religiös fundamentalistische Kalifat des Abendlandes in der Neuzeit.

Die Mehrheit der amerikanischen Männer wünscht sich eine Führungsperson, die „America Great Again“ macht. So wie in den 50er Jahren. Was auch immer das heißen soll und wie auch immer das passieren wird in einer globalisierten Welt.

Und die Frauen? Dass fast die Hälfte von ihnen, davon signifikant viele junge Frauen, offenbar kein Problem mit ihrer submissiven Rolle in der amerikanischen Gesellschaft haben, hat mich überrascht. Immerhin erklärt es endlich den Erfolg bestimmter amerikanischer Literatur. The (wet) feminine American Dream besteht anscheinend aus der Akzeptanz von Sexismus in der Öffentlichkeit und aus aktiver Unterwerfung. Now it becomes reality. Warum die Mütter und Großmütter dieser Frauen für Gleichberechtigung und Wahlrecht auf die Straße gegangen sind, entzieht sich meinem Verständnis. Die Rolle des sprechenden Möbelstücks hätten sie auch ohne männlichen Widerstand bekommen.

*Ironie*

Es könnte in näherer Zukunft zu einigen kleineren Änderungen im amerikanischen Wording kommen, denen man als angehender erfolgreicher Schriftsteller Rechnung tragen sollte:

Aus Mr. (Mister) wird Mr. (Master)

Aus Mrs. (Mistress) wird Smrs. (Submisstress)

Aus Ms. (Miss) wird Gal

Beispiel

Aus „Mr. and Mrs. Smith“ wird „Master and Submisstress Smith“. Man achte auf die korrekte Anzahl von „s“.

*Ironie*

 

Es hat keinen Sinn, die Realität zu beklagen.

Wir müssen uns ihr stellen. Jetzt.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

My five Cent.