Monstra Coelorum – Vom Euphemismus zur Storyline

Euphemismen sind Begriffe, die Situationen beschönigend benennen, um deren tatsächliche Beschaffenheit vor dem Auge eines unbedarften Beobachters zu verbergen. Oder um sich selbst zu belügen. Wir lesen und sehen diese Dinge jeden Tag. Beispiele gefällig? Endlösung, Migrationshintergrund, einkommensferne Schichten, Minus-Wachstum, Flucht-Ursachen. Das, wofür viele Parteien tatsächlich stehen, steht ebenfalls nicht in ihrem Partei-Namen.
Wie es scheint, sind Euphemismen ein notwendiger Bestandteil von Kultur. Es ist offensichtlich wichtig, sich permanent darauf vorzubereiten „etwas nicht gewusst zu haben“. Euphemismus ist ein sehr wirksamer Mechanismus, um Probleme, denen man nicht gewillt ist sich zu stellen, verschwinden zu lassen.
Es ist völlig menschlich, sich so zu verhalten. Aus diesem Grunde wiederholt sich Geschichte oft an den selben oder an anderen Orten. Aus diesem Grunde ist es so verdammt schwer, den nächsten Schritt in der globalen kulturellen Entwicklung zu gehen. Weil dieser Schritt damit verbunden ist, alte Konzepte neu zu bewerten, sie der realen Welt gegenüberzustellen. Um dann, von einem faktenbasierten Ergebnis ausgehend, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.
Es ist eigentlich sehr einfach, Dystopien zu schreiben. Der Autor muss sich nicht groß etwas Neues ausdenken. Er muss lediglich, unter Bezugnahme auf Logik, bestehende Systeme weiterdenken, extrapolieren. Je nach Gusto bis zum bitteren Ende. Es reicht vollkommen, sich die gängigen aktuellen Euphemismen zu nehmen und ihnen durch Gegenüberstellung mit ihrem tatsächlichen Inhalt ein Gesicht zu verleihen.

„Wir befinden uns in einer Welt nach einem Krieg, der so verheerend war, dass die Überlebenden sogar ihre Götter vom Thron gestoßen haben.“
Die meisten, die das lesen, denken dabei an eine nukleare Katastrophe. Oder das weltweite Versagen „smarter“ digitaler Infrastruktur. Licht aus.
Wenn wir in der Geschichte zurückgehen, dann werden wir feststellen, dass das vom-Thron-stoßen von Göttern eine lange Tradition hat, die wahrscheinlich bis in die Zeit vor der Schrift zurückreicht. Es gab schon immer einen „Letzten Krieg“, nach dem die Götter von den Siegern oder den Überlebenden vom Thron gestoßen wurden. Und durch neue ersetzt wurden. Auf die eine oder die andere Weise.
Die Grenzen der menschlichen Entwicklung werden nicht von ihrer Kultur bestimmt. Sondern von den Gesetzen der Mathematik. Nächstenliebe, Ethik, Moral, Altruismus mögen auf den ersten Blick gefühlsmäßige Konzepte sein. Weil sich die meisten Menschen wohl fühlen, wenn sie von anderen so behandelt werden, wie sie unter umgekehrten Vorzeichen andere behandeln würden. Die moderne Spieltheorie sagt, dass es bei einer solchen Verhaltensweise für beide Seiten die größte Belohnung gibt. Mit einfachen Worten formuliert: Es lohnt sich langfristig für die Menschheit, so zu handeln, dass es allen besser geht.
Eine menschliche Person, die auf diese Weise berechnend mit anderen umgeht, wäre uns unheimlich. Zumindest unbequem. Für mich als Schriftsteller ist das natürlich etwas anderes. Der weltweit bekannteste Protagonist dieser Gattung – Mr. Data aus Star Trek – muss sich permanent bei seiner Umgebung dafür entschuldigen, wegen seiner Un-Menschlichkeit das Richtige getan zu haben. Welche Ironie!
Meine berechnende Protagonistin Imara Socotada ist aus Fleisch und Blut. Und damit steigt sie aus dem Olymp der Cyber-Intelligenzen hinab in die Niederungen biologischen Da-Seins. Mit der Konsequenz, dass sie nicht ganz so perfekt sein kann.

Als Fazit / Werkzeugkasten eines Dystopie-Autors bleibt festzuhalten:

  • Es gibt keinen Letzten Krieg und wird auch wahrscheinlich nie einen geben. Wenn wir Menschen ihn nicht mehr führen können, dann führen ihn die intelligenten Wesen, die nach uns kommen.
  • Menschliche Verhaltensweisen tendieren dazu, Geschichte zu wiederholen. Es ist aber kein Naturgesetz.
  • Eine Hinwendung zu Fakten als Grundlage von Entscheidungen ist perspektivisch die gewinnbringendere Strategie.
  • Am Ende werden alle Schulden bezahlt. Was nichts anderes als eine andere Formulierung für den Energieerhaltungssatz ist. Wenn man so will, ein Euphemismus.

„Monstra Coelorum“ ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

 

Advertisements

Monstra Coelorum – Family Business

Nike Leonhard hat in ihrem Blogbeitrag [Werkstattgeplauder] Starke Frauen sehr schön zusammengetragen, dass es in der Literatur an starken Frauen in Romanen mangelt. Damit ist nicht zwingend gemeint, dass diese Schwerathlethinnen sein müssen, sondern dass Frauen durch ihre Fähigkeiten den starken Teil der Geschichte repräsentieren und nicht nur als Preis für das erfolgreichste Männchen zur Verfügung stehen.
Der Meinung kann ich mich ohne Probleme anschließen, da Frauen in meinen „Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ eine wirklich tragende Rolle spielen. Dieser Satz ist, ohne Zynismus, auch ein Wortspiel und beschreibt eine Eigenschaft meiner weiblichen Hauptrollen, die sie nicht an die Männer abtreten können. Zumindest nicht vollständig.

Männer können sich als Helden durch fast jede Story schlagen oder schlafen, ohne dass es „Randprobleme“ gibt. Bei weiblichen Protagonisten funktioniert das nur bedingt. Nicht deshalb, weil der Autor es ihnen nicht zutraut, sondern weil in einem einigermaßen realistischen Szenario ein Teil der Heldinnen schwanger werden und Kinder bekommen wird. Egal wie der Weltenbau gestaltet wird, es bleibt eine Zeit, in der die weiblichen Helden nicht so können, wie sie wollen. Und dem muss die Geschichte Rechnung tragen, sei es als Randnotiz oder als Teil der erzählten Geschichte.
Ich habe das nicht als behindernd empfunden, um meine Romane zu schreiben. Sondern im Gegenteil als Herausforderung. Deshalb agieren meine weiblichen Protas nicht anders als die männlichen, was bei einigen meiner Leser für Verwirrung sorgt. Insbesondere darüber, wer in bestimmten Situationen tatsächlich das Heft in der Hand hält. Ich finde, dass dieser Spagat eine Menge Potential für Handlungsverläufe birgt, die ohne Berücksichtigung dieser biologischen Tatsache um einiges weniger komplex und interessant wären. Im folgenden Bild füge ich beispielhaft an, was das in meiner Geschichte konkret bedeutet, und mache ein paar Bemerkungen zu den Protas. Keine Angst, ich spoilere nicht die Handlung:

DSvU_Family_Business_001
© Ryek Darkener 2017

Ich könnte mir vorstellen, dass die Standesämter in einigen Bundesländern damit Probleme haben. 😉
Interessanterweise war diese Familienstruktur nicht von Anfang an so geplant, sondern hat sich im Verlauf der Zeit so ergeben. Nicht weil ich meine Protas unbedingt kreuz und quer verkuppeln wollte, sondern weil es auf diese Weise der Handlung am meisten dienlich ist. Böse Zungen können jetzt vom Sachzwang sprechen. Ja. Manchmal muss man das schreiben, was sich als logische Folge der vorhergehenden Handlung ergibt.

Das Beziehungsgeflecht der Eltern ist alles andere als konfliktfrei:
Kaija Neran ist eine Haupt-Protagonistin aus „Tabula Rasa“. Wiard und Jan sind auf ihrer Seite. Frederic Vogler ist der Neffe und Nachfolger von Johann Vogler, der ein Todfeind Kaijas ist.
Imara Socotada ist eine Inquisitorin des Direktorates (der offiziellen Weltregierung), das die Heimatstadt Kaijas vernichtet hat.
Ramona Weber gehört zur konservativen Elite Kölns und ist nicht freiwillig, sondern per Versteigerung mit Wiard verbunden worden.

Um es kurz zu machen: Keine der Beziehungen wurde ohne Hintergedanken geschaffen oder angeordnet.

Einige Regeln meines Weltenbaus sind nach heutigen Maßstäben unzumutbar. Das haben Dystopien nun einmal so an sich. Daraus folgt die Sozialisation meiner Protagonisten. Und die Art und Weise, wie sie in bestimmten Situationen reagieren.

 

Monstra Coelorum – Countdown

©Ryek Darkener 2016

Nach dem Essen bedrängten die älteren Kinder Kaija, etwas zu erzählen. So fand sie sich, zusammen mit Jan in einer gemütlichen Sofaecke sitzend und ein wenig hilflos, was sie tun sollte.
„Keine Angst“, raunte Jan ihr zu. „Wir haben genug erlebt, um Bücher damit füllen zu können. Da ist bestimmt etwas dabei, was sich als Abenteuer ausschmücken lässt.“
„Wird Imara dann nicht eifersüchtig?“, neckte sie ihn.
Jan lachte leise. „Nein. Wenn Elen älter ist, dann werde ich ihr von meinen Abenteuern mit dir und Imara erzählen.“
„Du Schuft!“, erwiderte Kaija lächelnd.
„Ich mag dich wie am ersten Tag, an dem ich dich gesehen habe. Imara weiß das.“
„Also gut“, gab Kaija nach.
Sie wartete, bis die Kinder es sich bequem gemacht hatten. Dass auch die Gespräche der Erwachsenen in den anderen Sitzgruppen verstummt waren, ignorierte sie.
„Es war einmal, mir erscheint es wie vor langer Zeit, eine Stadt. In dieser Stadt gab es zwei Menschen, die nicht miteinander auskommen konnten. Eine Bischöfin und einen Handelsherren.“
„Wer war der Gute?“, wollte Owain wissen.
„Das müsst ihr selbst herausfinden. Hört mir zu …“

Hier befinden wir uns bereits mitten im zweiten Teil meiner „Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“. Ulm wurde zerstört, nur wenige haben das Himmelsfeuer überlebt. Das Direktorat setzt eine Inquisitorin ein, die sich kümmern soll. Aber es läuft vollkommen anders, als es geplant war. Die Opposition formiert sich. Alles andere als vereint, da jede Fraktion eigene Vorstellungen davon hat, wie eine Änderung des politischen Systems herbeigeführt werden und die zukünftige Struktur aussehen soll. Dennoch findet man sich widerwillig zusammen. Die Allianz fordert ihren – teilweise sehr persönlichen – Preis.

Der Erfolg des einen ist die Herausforderung des anderen. Das Direktorat zieht die Daumenschrauben an. Es greift mit Hilfe der bisherigen Nutznießer des Systems weit hinaus in die Liga der Raumfahrenden Völker, um die Opposition dort mundtot zu machen. Der Kampf wird härter, der Kriegsschauplatz vergrößert sich. Immer mehr Seiten, von denen man bisher glaubte, sie seien unbeteiligt, werden als Nutznießer der Auseinandersetzung sichtbar.

Der dritte Teil der Saga hat den Titel „Monstra Coelorum“ und ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Teil 1: Tabula Rasa – Eine Geschichte aus der Welt nach dem Letzten Krieg

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

 

 

Teil 2: Spes Impavida – Eine Geschichte aus der Welt nach dem Letzten Krieg

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

 

 

Der Geist der Zukunft(AT) – Status 170826

ryek

Wo stehe ich heute?

Der Text hat eine neue Kapitelstruktur bekommen, die mehr an der Handlung als an den konkreten Zeitpunkten orientiert ist.

Beim Schreiben war das anders. Da habe ich die Papyrus Zeitstrahlfunktion als wertvolle, wenn auch manchmal nicht wie erwartet funktionierende Unterstützung ausgiebig genutzt. Allein darüber könnte ich einen Artikel schreiben. Einen Trick verrate ich: Verschiedene Zeitstrahlen anlegen. Nicht nur für die Handlung, sondern auch für wichtige Geschehnisse und langlaufende Projekte. Wenn du zum Beispiel einen Mehrteiler schreibst, bei dem der Bau von Pyramiden vorkommt. 😉

Die Einladung zur LovelyBooks-Leserunde ist fast fertig.

Dann habe ich noch einige Stunden damit verbracht, den Text testweise auf eine Plattform hochzuladen. Ich möchte an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, ein allgemeiner Eindruck von mir ist allerdings, dass sich da seit Jahren nichts zum Positiven geändert hat. Wie auch immer: Am Ende hat es geklappt. Hoffe ich.

Damit sich niemand umsonst herbemüht hat, gibt es jetzt und hier den Anfang als Leseprobe.
Und den Titel, unter dem das Buch (vorerst nur in der E-Version) erscheinen soll:

Monstra Coelorum

„Und? Wie sieht es aus?“
Eisenhard schloss das Ventil, an dem er gerade hantierte. Er trat von der Versuchsanlage, die vor ihm auf dem Labortisch aufgebaut stand, zurück und drehte sich zu Aisling um. „Gut. Sehr gut sogar. Willkommen im Drogenlabor unter der Schwäbischen Alb.“
Aisling warf einen misstrauischen Blick auf die Apparatur. Ein schwacher Geruch nach Kräuteraufguss durchzog den Raum. „Das erinnert mich an den Chemiebaukasten eines Alchemisten.“
Eisenhard lächelte zufrieden. „Ich verrate dir besser nicht, wie nahe an der Wahrheit du mit deinem Vorurteil bist. Nachdem ich Imaras Informationen mit dem Tunnel-Datenkabinett durchgegangen bin, hat der Tunnel nach und nach die notwendigen Bauteile und Grundstoffe herausgerückt. Ich habe mich des Öfteren wie ein Student im ersten Semester gefühlt.“ Er schüttelte unwillig den Kopf. „Bei der Göttin! Wo würden wir stehen, wenn wir auf der Technik der Alten aufgebaut hätten, anstatt die Erde auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen! Ich könnte kotzen!“
Aisling überging Eisenhards Ausbruch. „Wann können wir produzieren? Wann können wir liefern? Frederic steht, seit ich ihn damit geködert habe, einmal pro Woche bei mir auf der Matte.“
Eisenhard grunzte etwas Unverständliches. „Ich bin Arzt und kein Apotheker. Ich brauche Leute, die in der Lage sind, aus diesem Modell eine funktionsfähige industrielle biochemische Produktionsanlage aufzubauen. Die vertrauenswürdig genug sind, dass der Tunnel mit ihnen zusammenarbeitet.“
„Ich habe in Wien nach Spezialisten gefragt. Boten sind nach Kapstadt und Beijing unterwegs. Das dauert seine Zeit.“
„Dann sag es auch Frederic. Wir sind auf einem guten Weg. Ich schätze — das sagst du Frederic nicht —, dass wir in zwei Monaten mit einer Test-Anlage die erste Probe-Charge fertigen können.“
Aisling seufzte. „Na gut. Ich werde ihn noch eine Weile hinhalten. Wir dürfen nichts überstürzen und keinen Fehler machen. Trotz der neuen Anweisungen des Direktorates.“
„Was die betreiben, ist ein klarer Verstoß gegen die Regeln der Stifter! Es war nie davon die Rede, das Palliativum nach Gutdünken des Direktorates zu verteilen! Genauso wenig, dass es für viele bald unbezahlbar sein wird! Es ist ein explizit neutrales Element, auch bei Auseinandersetzungen!“
„Wer die Macht hat, hat das Recht. Es war vorhersehbar, dass das Direktorat auf diesem Wege seine Gegner kleinzukriegen versucht.“
„So kehren wir zu den Ursachen des Letzten Krieges zurück.“
Aisling stemmte die Hände in die Hüften. „Ich weiß es! Offensichtlich gibt es bei den Menschen keinen evolutionären Prozess, bei dem die Dummheit ausgerottet wird! Ich würde meine Kinder lieber auf einer friedlichen Erde aufwachsen sehen, als sie ans Ende des Universums schicken zu müssen, damit sie dort hoffentlich nicht ermordet werden!“ Sie wischte sich mit einer heftigen Bewegung die Tränen aus dem Gesicht. „Entschuldige.“ Eisenhard nahm sie sanft in den Arm. „Für Robert, unbekannterweise.“
Aisling erwiderte die Umarmung. „Danke.“ Sie räusperte sich. „Dann gehe ich nun eine Kaverne weiter und versuche mit den anderen, unsere Seite der Welt zusammenzuhalten.“
Sie hielten sich an beiden Händen.
Eisenhard ließ Aisling los. „Das ist der Weg, für den wir uns entschieden haben. Der Weg der Stifter.“
Aisling zog ihre Hände zurück und atmete tief durch.
„Ja. Mein Kopf ist im Tunnel und in Neu Cannstatt, aber mein Herz und meine Gedanken sind bei den Kindern und bei Kaija, Imara, Jan, Jeremias. Möge die Göttin ihnen beistehen und ihren Flug segnen.“
„Frühestens Ende nächsten Jahres werden wir wissen, ob Imaras Plan aufgegangen ist.“
„Ich hoffe, dass sie, falls sie wiederkommen, hier noch etwas vorfinden, wofür es sich zu kämpfen lohnt.“
„Ich habe gehört, dass du Frederics Ansinnen nach militärischer Unterstützung glatt abgelehnt hast.“
Aisling nickte entschieden. „Das habe ich. Weil der Kampf mit der Waffe nicht der richtige Weg ist. Ein Sieger hinterlässt besiegte Feinde. Wir müssen der Welt eine Möglichkeit geben, Konflikte ohne Verluste an Menschenleben auszutragen. So wie es die Stifter wollten. Dazu kann niemand gezwungen werden. Jeder muss seinen persönlichen Grund finden, warum das für ihn und für alle die beste Lösung ist.“
„Du bist sehr idealistisch.“
Aisling schüttelte den Kopf. „Keineswegs. Es ist immer ein Kampf. Aber wer das Ziel hat, seinen Feind um des Sieges willen zu vernichten, wird auf Dauer nicht Erfolg haben können.“
Eisenhard schnaufte abfällig. „Das Direktorat und insbesondere unser heißgeliebter Bischof Ronald, werden begeistert sein, wenn du und Frederic mit Blumen in der Hand die Direktoratstruppen zum Niederlegen der Waffen auffordern.“
Aisling lächelte. „Siehst du? Genau daran glaube ich. Es wird geschehen. Wenn nicht durch uns, dann durch die, die nach uns kommen. Denn was wäre die Alternative?“
„Ich weiß es nicht.“
„Du willst es nur nicht wahrhaben.“

 

Rezensionsexemplare gibt es bei mir auf Anfrage (noch ohne Cover).
Geplanter Veröffentlichungstermin ist Anfang Oktober.

Der Geist der Zukunft(AT) – Status 170818

ryek

Nebenrollen – wenn es sie denn tatsächlich gibt.

Heute gehe ich einen Schritt zurück, in den zweiten Teil meiner dystopischen Saga, „Spes Impavida“. Ich habe mir über die Zeit eine ziemliche Anzahl von Akteuren zugelegt. Jeden von ihnen brauche ich. Irgendwo. Irgendwie. Irgendwann. Natürlich gibt es die Handvoll Charaktere, die die Geschichte vorantreiben. Aber ohne die anderen sind sie nichts. Aus vielerlei Gründen.
Um das zu erklären, greife ich auf die SF-Fernsehserie „Babylon 5“ zurück. Wirklich intelligente SF. Eine Folge, die mich sehr beeindruckt hat, war die Folge „Little People“, zu deutsch „Kleine Leute“. Die ganze Folge kamen diejenigen vor, die man sonst nur kurz sieht, und die ganze Folge wurde aus Sicht genau dieser kleinen Leute erzählt. Wie sie ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dafür zu sorgen, dass die Hauptakteure entweder gewinnen oder scheitern. Es war, meiner Erinnerung nach, immer nur ein Handgriff, eine Aktion, eine Kleinigkeit. Aber die hat die Geschichte gedreht und ihr eine neue Richtung gegeben. Ich liebe die Aussage dieser Folge, dass jeder, wirklich jeder, die Möglichkeit hat, die Welt zu ändern, auch wenn er nicht General oder Präsident ist. Einfach dadurch, dass er dort, wo er gerade steht, das Richtige tut. Oder das Falsche.
In der Geschichte lassen sich diese Personen zum Beispiel dafür verwenden, dem Leser zu zeigen, was kommt. Oder um einen Aspekt einer Hauptfigur herauszustellen:



Erst mit vier Jahren habe ich begriffen, dass Aisling und Robert nicht meine Eltern sind. Sondern die ernste, immer liebevolle Frau, die mich ab und zu besucht hat und die so tolle Geschichten zu erzählen hatte. Meine beiden ‚Leihgeschwister‘ haben mir immer das Gefühl gegeben, dass ich zur Familie dazugehörte. Nein, ich habe nie etwas vermisst.
Eines Nachts hat meine Mutter mich auf ein Schiff holen lassen und gesagt: „Schatz, wir gehen an einen anderen Ort.“ Wir fuhren über das Meer, einen Fluss hinauf, um schließlich in ein dunkles Loch in einem Berg hineinzufahren. Zuerst hat mich das traurig gemacht, aber im Berg gab es so viel zu sehen und zu lernen.
Dann habe ich verstanden, was Imara mit ‚einem anderen Ort‘ gemeint hat. Dass Krieg herrscht. Dass wir fliehen müssen. Um, vielleicht, eines Tages wiederzukommen. Ich vermisse Aisling und Robert.
Mein Name ist Elen. Elen Lee-Socotada.

 

Gibt es überhaupt noch »Literatur«?

Gibt es überhaupt noch »Literatur«?

Das musste mal gesagt werden. Schön, dass es jemand schön gesagt hat.

Senkland - SF, Fantasy und der ganze Rest

Ich wurde zu meiner Meinung zu »Wannabee«-Autoren gefragt, und die Antwort wurde immer länger, bis ich spontan beschlossen habe, daraus einen Blogartikel zu machen.
Begonnen hatte das ganze – wie auf Fb so oft – mit einem kurzen Austausch auf der Wall eines Freundes, in diesem Falle über Roger Willemsen (mein Favorit) und Peter Sloterdijk (der Favorit des »Kontrahenten«).
Es endete (bisher) mit einem Kommentar zu meinem auf Fb geposteten Artikel zur Charakterentwicklung und der Frage, ob nicht der »längere Text« auf dem absteigenden Ast sei, die Tätigkeit des »Lesens« nur noch ein Wort ohne Inhalt, sowie einem im Hintergrund angedeuteten Bedauern über den Verfall der »Kunst«, in diesem Falle also der Schriftstellerei.
Ob ich eine Meinung dazu hätte?
Habe ich.
Hier also die Antwort:
Ich bin umgeben von Bildungsarroganz aufgewachsen, man könnte es vielleicht auch die typisch deutsche Bewunderung für das »Genie« nennen. Schreiben und gelesen werden durfte nur

Ursprünglichen Post anzeigen 668 weitere Wörter

Sketchnotes für Autoren

Sketchnotes für Autoren

Sehr interessante Idee für Plotten und Skizzieren.

Nina C. Hasse

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Bild auf Twitter gepostet, auf dem ich mit Sketchnotes plotte. Auf den Beitrag folgten mehrere Reaktionen mit Nachfragen, wie sowas überhaupt geht, so dass ich versprochen habe, einen Artikel zu dem Thema zu schreiben. So, here we go:

Was sind eigentlich Sketchnotes?

Die Bezeichnung ›Sketchnotes‹ stammt von Mike Rohe und setzt sich aus den Wörtern Sketch (zu Deutsch: Skizze) und Note (Notiz) zusammen. Skizzierte bzw. visuelle Notizen also. (Mehr dazu in meiner Rezension zu Mike Rohdes ›Sketchnote Handbuch‹.) Diese können für jeden erdenklichen Zweck genutzt werden: Einkaufszettel, Vortragsnotizen, Brainstorming, Recherchezusammenfassung und eben auch fürs Plotten – ganz unabhängig davon, welche Plotmethode ihr nutzt. Ihr könnt die Drei-Akt-Struktur, das Sieben- oder Acht-Punkte-System oder auch die Heldenreise grafisch darstellen und habt den Vorteil, dass ihr euren Plot auf einen Blick einsehen könnt und euch nicht durch seitenlange Notizen wühlen müsst.

Von der Prämisse bis hin…

Ursprünglichen Post anzeigen 904 weitere Wörter