Auf ein gutes, neues Jahr!

ryek
„Hoffnung, ohne den Glauben an sich selbst, ist der erste Schritt auf dem Weg zur Verzweiflung.“
 
Ich wünsche allen, die auch im nächsten Jahr die Welt ein wenig liebens- und lebenswerter machen wollen, einen guten Rutsch und ein schönes Jahr 2018!
Advertisements

Vom Gesehen und Übersehen werden

Ich finde es schön, dass jemand auch einmal eine Lanze für die „schweigende Mehrheit“, die „Normalos“ bricht. Unaufgeregt und sachlich. Danke.

Baumhaus-Poesie

Dies ist ein Bekenntnis-Blogtext. Das ist sowas wie Bekenntnislyrik, also alles in allem peinlich und nervig. Lasst euch dies eine Triggerwarnung sein…

Wenn man dem modernen Zeitgeist folgt, dürfte ich zu den wenigsten brisanten Themen der heutigen Zeit mehr den Mund aufmachen, denn ich bin weiß, hetero- und cissexuell. Ich habe keine Diagnose oder Behinderung. Ich bin ein Leistungsträger, hab einen Job, verdiene mein Geld, bin so normal, wie man nur sein kann. Fast schon provokativ normal. So normal, dass es nicht nötig ist, sich meine Perspektive anzuhören, denn für Leute wie mich wird in diesem Land ja sowieso alles gemacht. Die Arbeiterklasse ist nämlich privilegiert gegenüber denen, die gesellschaftlich ausgestoßen und übergangen werden. Ich bin nicht betroffen von Diskriminierung.

Also habe ich kein Recht, mich selbst als Opfer darzustellen und um Mitleid zu buhlen.

Wisst ihr, die Wahrheit ist: Ich habe normalerweise auch gar kein Interesse an Selbstdarstellung, aber …

Ursprünglichen Post anzeigen 3.935 weitere Wörter

2027

Schöne neue Welt.

Hans Peter Roentgen

Johnny fragt mich wie jedes Jahr, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Das ist natürlich Unsinn, weil Johnny meine Wünsche besser kennt als ich selbst. Er weiß schließlich alles über mich. Aber er fragt, weil sich das so gehört und das die Akzeptanz erhöht, so steht es in seinem Programm.
Und natürlich sage ich: „Weiß nicht so recht, was schlägst du vor“ und hoffe, dass er nicht wieder auf Gesundheitsschuhe verfällt wie letztes Jahr. Die sind ungeheuer gesund, schließlich habe ich Plattfüße und bin über sechzig und sein Programm sagt ihm, dass dann Gesundheitsschuhe angesagt sind. Also hat er mir sie geschenkt.
Ich habe mich artig bedankt, aber Johnny merkte sofort, dass das nicht ehrlich gedacht war. Denn die Schuhe sind zwar ungeheuer gesund, aber auch ungeheuer hässlich. Johnny weiß viel, eigentlich alles, wenn er mit Google vernetzt ist und das ist er so gut wie immer. Nur wenn er…

Ursprünglichen Post anzeigen 825 weitere Wörter

Adventskalender: Pivot

Elida stößt die Haustür auf und stürzt ins Haus. Niemand da. Es ist leer und dunkel. Wo sind sie? Sie rennt die Treppe hinauf. Niemand da. Nicht im Kinderzimmer, nicht im Schlafzimmer. Verzweiflung überwältigt sie. Die Pakete fallen achtlos auf den Boden. Sie sieht auf die Uhr.

19:15.

„Ich bin zu spät.“
Ihr ist kalt, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Sie lässt den Mantel fallen und geht langsam die Treppe hinunter. Jemand schließt die Tür.
Alwin steht am Fuß der Treppe, mit Vilja, und beide sehen sie überrascht und gleichzeitig besorgt an.
„Elida, geht es dir –“
Ich kann nicht tiefer fallen als die Erde tut sich auf und verschlingt sie.

25.12. – Sonntag
Es riecht nach Kaffee und nach Tanne, und unter der Decke ist es schön warm. Nein, bloß nicht aufwachen. Zeit für den Winterschlaf. Elida entspannt sich und dämmert hinüber ins Traumland.
Was ist?
Eine Hand berührt sie vorsichtig, rüttelt sie zärtlich.
„Ja? Was ist denn?“, murmelt sie und überwindet ihren inneren Widerstand. Wieder eine Entscheidung. Kann mich nicht einfach jemand tragen?
„Du bist mal wieder untragbar!“, lästert eine Stimme.
‚Hey, wer hat das gesagt? Ich? Egal. Dann muss es wohl sein.‘ Elida schlägt die Augen auf.
Alwin und Vilja sitzen am Bett und betrachten interessiert, wie sie aufwacht.
„Frohe Weihnachten, mein Engel“, flüstert Alwin.
‚Was soll denn das jetzt, ich bin doch nicht seine Tochter. Vilja ist der Engel.‘ Aber Elida ist geschmeichelt. Die Wärme kommt nicht mehr nur von der Bettdecke. „Ja. Guten Morgen ihr zwei.“ Elida fährt hoch, sieht die beiden verwirrt an. „Welchen haben wir heute?“
„Den Fünfundzwanzigsten. Wir haben die Bescherung verschoben, damit du dabei sein kannst“, sagt Alwin. Er sieht Elida fragend an. „Was war gestern los? Als Vilja und ich nach Hause gekommen sind, bist du die Treppe heruntergeschwebt und mir in die Arme gefallen. Schon lange her, dass du so etwas zuletzt getan hast.“
„Ja. Zu lange.“ Elida wischt sich eine Träne aus dem Auge. „Alwin, ich muss den gestrigen Tag erst sortieren, bevor ich das erklären kann. Gib mir bitte ein wenig Zeit.“ Sie lächelt entschuldigend.
Alwin nickt zustimmend, nimmt Vilja an die Hand, sie stehen auf.
„Wenn du nicht wieder einschläfst, können wir zusammen frühstücken“, sagt er einladend.


„Erst etwas ausruhen, aber so in zwei Wochen muss ich wieder los.“
„Gut.“
Sie ist enttäuscht. „Wie soll ich das jetzt verstehen, Alwin?“
„Sie war ihm bei des Hauses Pflege seit langer Zeit … , grinst er.
„Du Mistkerl!“ Sie stürzt sich auf ihn, und er muss sich von Vilja retten lassen.

Als sie sich wieder beruhigt haben, fragt er im Ernst. „Was sind Deine Pläne?“
„Ich habe herausgefunden, dass ich meine Ziele besser erreiche, wenn ich meine Zeit besser nutze. Auch für Dinge, die anderen wichtig sind. Eigentlich trivial, oder? Das zu beweisen wird Jahre dauern.“
„Das heißt?“
Elida wird ein bisschen rot, schüchtern. „Ich will versuchen, mehr Gleichgewicht in mein Leben zu bringen. Wir werden mehr Zeit miteinander verbringen können. Wenn ihr das wollt.“
„Peng!“ prustet Vilja.
Alwin hält sich befreit lachend am Tisch fest. Elida sieht ihn überrascht und irritiert an.
„Entschuldige, das soll Vilja dir erklären. Mir würdest du es nicht glauben“, meint Alwin, als er wieder zu Atem gekommen ist. „Vielen Dank für Deine Zeit.“ Er zwinkert ihr zu.
Elida sieht ihn und ihre Tochter mit einem seltsamen Lächeln an. „Nicht dafür“, sagt sie leise, „Nicht dafür.“

8. Epilog

Der Quizmaster hatte eine unruhige, einsame Nacht hinter sich. Ein Gefühl zwang ihn, aufzustehen und ins Wohnzimmer zu gehen, wo sich die Sanduhr befand. Immer noch, er hatte es nicht über sich gebracht, sie wegzuwerfen. Genauer gesagt, er hatte sich davor gefürchtet. Aber jetzt war er da, der Moment der Wahrheit.
Er nimmt die Sanduhr auf, und stellt sie, mit dem auf dem Boden des Kolbens klebenden Sand nach oben, wieder hin. Für einen Moment verharrt der Sand, und der Moment nimmt kein Ende.
TICK.
Er spürt, wie ihm der Schweiß ausbricht. „Jetzt bin ich wohl tot. Und niemand da, den das interessiert.“
Das erste Sandkorn fällt, ein verirrter Sonnenstrahl lässt es wie einen Diamanten gleißen. Dann zischen die anderen Körner wie ein Strom durch die Engstelle. Eine Welle aus Licht und Zeit durchflutet den Raum. Er glaubt ein Rauschen zu hören, wie einen Wasserfall in der Ferne, verklingend und doch ewig dauernd. Kein einziges Korn erreicht den Boden der Sanduhr. Sie bleibt leer zurück.
TACK.
Er sieht auf die mechanische Uhr, deren Sekundenzeiger sich um eine Sekunde weiterbewegt hat. Dann auf die Sanduhr. Und bewegt den Hebel, der seine Welt verändern wird.

„Elida? Hast du uns ein Geschenk unterschlagen?“
„Nein! Ihr habt doch alle Pakete aufgemacht.“
Alwin zeigt Elida ein Päckchen, faustgroß, mit blauem Papier eingepackt und einer goldenen Schleife geschmückt.
„Ist wohl gestern in der Aufregung aus Deinem Mantel gefallen. Hast du einen heimlichen Verehrer?“
„Nur einen? Ich werde alt.“ Sie grinst Alwin vergnügt an, der ihr mit dem Zeigefinger droht, wird aber dann unsicher. „Oder ob das von meinem unheimlichen Verehrer kommt?“
„Bitte?“
Vilja kommt an den Tisch, neugierig. „Mach mal auf!“
„Jajaja, ich mach ja schon.“ Elida nimmt das kleine Paket, welches überraschend schwer ist, und entfernt vorsichtig die Schleife und das Papier. Im Inneren befindet sich eine Schachtel.
„Das ist ja wie Weihnachten!“
„Ach! Tatsächlich?“ Elida wirft Alwin den ‚Halt die Klappe!‘ Blick zu.
In der Schachtel befindet sich ein durchsichtiger Zylinder, etwa zehn Zentimeter hoch. Elida geht der Begriff ‚Goldener Schnitt‘ durch den Kopf, und dann weiß sie, dass dieses Objekt perfekt gearbeitet ist. Goldener Schnitt, exakt, auf jede beliebige Stelle. Ihre Hand zittert leicht.
Das Objekt ist aus einem Stück, und im Inneren befindet sich eine Sanduhr, auf eine unbekannte Art und Weise aus dem Material des Zylinders herausgenommen. Auf dem Boden ist ein Stoff, so fein, dass man ihn mit dem bloßen Auge kaum erkennen kann. Durch die Lichtbrechung wird eine leichte Wellenbewegung erkennbar.
Sie setzt den Zylinder auf den Tisch, mit dem Stoff oben. Für einen Augenblick scheint dieser unschlüssig zu verharren, dann strömt er, sehr gemächlich, nach unten und durch die Engstelle, die schwach blau zu leuchten beginnt. Zeit strömt. Die Welt bewegt sich wieder.
„Was ist das?“, fragt Vilja. Sie und Alwin können ihre Blicke nicht von dem Gegenstand lösen.
„Das ist von mir. Es ist so etwas wie eine Sanduhr, Vilja. Mit meiner Zeit. Für dich.“

 

Adventskalender: Pivot

18:50
„Das schaffe ich nicht! Das ist unfair!“, keuchte Elida.
Sie zwang sich, trotz des Seitenstechens weiterzulaufen. Noch fünf Kilometer! Ohne den Umweg hätte sie es locker geschafft! Doch jetzt war ihre körperliche Kraft verbraucht. Die Straße nahm kein Ende. Sie kannte sie, war schon oft hier entlanggejoggt. Eine schöne Straße, ruhig, kaum Verkehr. Und um diese Uhrzeit, an diesem Abend, noch ausgestorbener als sonst. Elida traf eine Entscheidung.
„Der offensichtliche Weg ist oft der längste. Gib dem Universum eine Chance, dir zu helfen!“
Sie hörte auf zu laufen und marschierte weiter. Die Umgebung verschwamm vor ihren Augen, ihr Blick wurde immer enger. Sie erkannte kaum den Weg vor sich. Die Kälte fand den Weg durch ihre Kleidung, aber das ignorierte sie. Weiter!
Ein Hupen riss sie aus ihrer Trance.
„Guten Abend! Wohin so spät unterwegs?“
Die Stimme gehörte zu einer Frau, die in einem Lieferwagen saß. Elida nickte. Egal wie spät es war, sie brauchte jetzt eine Pause. Sie ging zum Führerhaus des Lieferwagens und nannte ihr Ziel.
„Na so ein Zufall! Da komme ich auch noch vorbei! Ist zwar verboten, aber heute ist Weihnachten. Ich nehme sie mit. Hallo, ist Ihnen nicht gut?“
Elida war gegen den Wagen gefallen. Ihr Kopf war leer, komplett leer. Sie stieg langsam ein. „Danke. Entschuldigung. War ein harter Tag für mich heute.“

Sie fuhren los. Nach hundert Metern bog die Fahrerin nach rechts ab.
„Ich muss noch zwei andere bedienen“, sagte sie entschuldigend. Ihr Gesicht hellte sich auf. „Da haben Sie aber mächtig Glück gehabt. Wenn Sie etwas schneller gewesen wären, dann hätte ich Sie verpasst.“
„Ja“, hauchte Elida.
Als die Botin von der Lieferung zurückkam, sah sie Elida besorgt an. „Sind Sie in Ordnung?“
„Ich bin erschöpft. Aber es könnte noch schlimmer sein. Da will ich hin.“ Sie zeigte der Frau ihren Ausweis. Seltsamerweise stand dort immer noch Alwins/Viljas Adresse.
Die Fahrerin grinste. „Oh, so ein Zufall! Eigentlich hätten Sie die Geschenke selber schleppen können.“ Sie sah Elida an. „Sie sind dann die Überraschung, die aus der Torte steigt?“, meinte sie scherzhaft.
Elida lachte auf, und die Frau fiel mit ein.

„Da wären wir.“
Elida stieg aus und bekam einige Pakete in die Hand gedrückt.
„So, das war’s für mich für heute. Feierabend. Endlich!“ Sie zwinkerte ihr verschwörerisch zu. „Machen Sie es gut. Ein frohes und gesegnetes Fest. Ach ja: Ho Ho Ho!“
„Danke, auch ihnen ein frohes Fest!“
Dann war der Wagen weg, und Elida stand mit den Paketen frierend vor dem Haus. Wie ein Weihnachtsbaum, den man vergessen hatte abzuholen.

Adventskalender: Pivot

17:00
„Sind Sie bereit?“
„Ich weiß es nicht.“
„Diese Antwort ist unzulässig. Sie weichen aus.“
„Helfen Sie mir. Bitte!“
„Das kann ich nicht. Selbst wenn ich es wollte. Sie sind genau jetzt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dies ist der Punkt, an dem Sie Ihre Welt aus den Angeln heben können. Ich kann das nur moderieren.“
Elida ließ den Kopf sinken. „Roland, ich fühle mich wie ein Bogen, der immer weiter gespannt wird. Und immer weiter, bis er bricht. Aus Angst, dass der Pfeil das Ziel nicht trifft.“
Sie stockte. Sah auf und blickte Roland direkt in die Augen.
„Ist es das? Loslassen? Der Pfeil sein, nicht der Bogen?“
„Es ist Ihre Entscheidung.“
Elida atmete langsam ein. Immer weiter. Der Raum, in dem sie stand, verschwand. Es wurde pechschwarz und kalt. Ein Schwarm von gestaltlosen Dingen umkreiste sie, zerrte sie in die Tiefe. Elida entspannte sich und atmete aus. Für einen Moment sah sie Roland durch die geschlossenen Augen und fühlte, dass etwas sie verließ, was nicht zu ihr gehörte. Sie öffnete die Augen. Im Hier und Jetzt schien sich nichts verändert zu haben. Jedenfalls nichts, was zu sehen gewesen wäre.
„Ist es das?“
Roland nickte. „Ja. Danke, Elida.“
„Dafür gibt es keine Mathematik. Noch nicht.“ Sie raffte sich auf. „Werde ich es schaffen?“
„Ist unser Leben vorherbestimmt?“
„Werden wir uns wiedersehen?“
„Kann ich hellsehen?“
Elida griff nach ihrem Mantel, der über der Sessellehne lag, und stand auf. „Ich muss los. Meine persönliche Welt retten. Danke für Ihre Zeit.“
Roland nickte und schüttelte gleichzeitig den Kopf. Dann stand er auf und nahm sie sanft in die Arme, für einen Moment oder eine Ewigkeit. „Nicht dafür. Jetzt ist es Ihre Zeit. Laufen Sie! Laufen Sie um Ihr Leben. Denken Sie daran: Der offensichtliche Weg ist oft der längste. Sie dürfen heute für sich selbst nur das nehmen, was ihnen angeboten wird.“ Er half ihr in den Mantel und öffnete ihr die Tür.
Elida lief los und sah nicht zurück.

17:25
Elida lief. Es war kalt, und es roch überall nach Weihnachten. Sie sah ihren Weg vor sich, und sie wusste, dass sie auf keinen Fall rechtzeitig ankommen würde, wenn sie es nicht zu Fuß versuchte. Keine Bahn, kein Bus, kein Taxi, nicht ihr Auto. Wo war es überhaupt? Lichtjahre entfernt. Es wäre wahrscheinlich sowieso nicht angesprungen. Die Menschen um sie herum gingen im Zeitlupentempo an ihr vorbei, es war leicht, ihnen auszuweichen. Elida bekam einen Schrecken, als sie sah, wie viele von ihnen allein gingen, in wie vielen Autos nur eine Person saß. Ziellos unterwegs. Mit verbittertem Gesicht. Mit Ausnahme eines alten Ehepaares, das ihr, eng aneinander gekuschelt, gemächlichen Schrittes entgegenkam. Sie lächelten sie an.
‚Warum? Wissen sie es?‘
„Frohe Weihnacht und alles Gute für deinen Weg!“, sagte er.
Sie winkte Elida zu. Dann war Elida allein. Sie trabte weiter. Noch zehn Kilometer und eine Stunde Zeit. Sollte kein Problem sein.

‚Nein! Bitte nicht! Bitte nicht jetzt!‘
Hundert Meter vor ihr stand ein kleiner Junge, sie schätzte ihn auf sieben, acht Jahre. Elida lief zu ihm und hielt an. „Was ist mit dir? Was machst du hier so alleine?“
Der Junge sah sie mit großen Augen an. Für einen Moment hatte er wohl Angst vor ihr. Er schniefte. „Ich habe mich verlaufen!“
Elida gab ihm ein Taschentuch. „Weißt du denn, wo du wohnst?“
Er nannte die Adresse. Elida tippselte in ihr Smartphone.
„Du hast aber ein tolles Telefon!“
„Findest Du?“
Sie ließ das Handy den Weg suchen. „Verdammt! Das wird knapp!“ Tränen liefen ihr über die Wangen.
„Warum weinst Du?“
„Ich habe mich auch verlaufen, irgendwie.“
„Müssen wir jetzt sterben?“
‚Nein! Noch nicht! Nicht so leicht!‘ „Wie heißt Du?“
„Felix.“
Sie lächelte ihn an. „Ich bin Elida. Dann los, Glücklicher! In zehn Minuten kannst du zu Hause sein.“ Sie nahm den Jungen an der Hand, und sie trabten los. Nach fünf Minuten Weg überlegte Elida es sich anders. „Du bist bestimmt schon müde, oder?“
„Ja.“
„Komm! Ich nehme dich auf die Schultern.“ Felix war leichter als erwartet, und Elida konnte so gut im Marschtempo vorankommen.
„Was machst du eigentlich hier, so alleine?“, fragte Felix nach einer Weile.
„Ich versuche, nach Hause zu finden.“
„Aber da, wo ich wohne, ist doch gar nicht dein Zuhause.“
„Ich weiß.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Felix, wenn ich dich nicht nach Hause bringe, dann werde ich nie bei mir zu Hause ankommen. Aber wenn ich dich nach Hause bringe, dann komme ich vielleicht …“
„In den Himmel?“
„Wer weiß?“
„Bist du ein Engel?“
„Nein. Noch nicht.“
Sie hatten das Ziel erreicht. Elida klingelte und wartete, bis Felix von seiner Oma in Empfang genommen wurde. Sie bedankte sich, winkte ihr freundlich zu zum Abschied, und Elida hatte ein Déjà-vu. Beide sagten nichts. Sie nickten sich wissend zu. ‚Diesen Teil hast du geschafft. ‚
Elida lief weiter.

Jahresrückblick 2017

Schreiben

Ich habe zwei Bücher fertiggestellt und veröffentlicht, die von ihrem Inhalt her sehr unterschiedlich sind. Das erste, eine urban Fantasy Geschichte, hat sich aus einem früheren NaNoWriMo Projekt ergeben und handelt von einem Inspektor, den seine Mordfälle als Geister besuchen kommen, was sich allerdings als wenig hilfreich bei der Bearbeitung erweist. Inspektor Mops ist schon seit Jahren mein Sparringspartner für amüsante Dialoge. Nun hat er, nach einigen Kurzgeschichten, einen längeren Text bekommen, der das Krimi- und Thriller Genre auf die Schippe nimmt, sich aber an die formalen Regeln hält. Ein ziemlich schräger Roman, der gut bei meiner Leserschaft angekommen ist.

Den habe ich auch als Ausgleich für den zweiten Text gebraucht, bei dem es sich um einen düsteren Höhepunkt meines Lieblingsprojektes handelt, an dem ich seit 2012 schreibe:

Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg

Ich habe es mir mit dem dritten Teil meiner dystopischen Saga nicht leicht gemacht. Der Verlauf der Handlung hat mich mehr als einmal vor die Frage gestellt, ob ich es schaffe, diese in für meine Leser angemessene Form zu übersetzen. Ich denke, ich habe es gut hinbekommen, was mir auch von Leserseite bestätigt wurde. Und so habe ich schon ein Arbeitspaket für 2018 ff, nämlich den vierten Teil zu schreiben. 😉

Beide Bücher wurden auf der Leseplattform LovelyBooks zum Rezensieren angeboten. Meine Erfahrung dieses Jahres ist es , dass es im Vergleich mit den Vorjahren immer schwerer wird, engagierte Leser zu finden, die über ihren Tellerrand hinauslesen wollen.

Dann gab es noch den NaNoWriMo 2017, an dem ich teilgenommen habe. Die 50.000 Worte waren aufgrund anderer Verpflichtungen dieses Jahr zwar nicht von mir zu schaffen, dennoch bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, aus dem wohl auch ein Inspektor Mops Roman werden wird.

Messen

Ich habe die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt nicht besucht. Wenn man eine gesehen hat, hat man alle gesehen. 😉 Ich habe sie allerdings in den sozialen Medien verfolgt und mir ist nicht entgangen, dass die Veranstalter große Schwierigkeiten haben, sie vor Dingen zu schützen, die meiner Meinung nach dort nicht hingehören. Es ist wichtig, dass sich Literatur mit aktueller Politik beschäftigt, zur Meinungsbildung beiträgt und auch polarisieren darf. Dennoch sollten die Veranstalter eine Buchmesse darauf achten, dass ihre Veranstaltungen nicht als Aufmarschgebiet radikaler politischer Strömungen missbraucht werden. Die hier zur Schau gestellte angebliche Hilflosigkeit der Veranstalter hat mich abgestoßen. Wenn man bedenkt, dass der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood gegangen ist, entsteht bei mir ein ziemlich schräges Gesamtbild der politischen Kultur in der deutschen Buchbranche.

Vernetzung

Ich habe dieses Jahr das Litcamp in Heidelberg besucht. Eine für mich hochinteressante Veranstaltung, in der ich sehr viel rund um Bücher, den Buchmarkt und Selfpublishing mitgenommen habe. Und ich bin mittlerweile auch auf Twitter zu finden. Meinen Facebook-Account gibt es schon länger. Der wird allerdings immer uninteressanter, da, meinem Eindruck nach, Facebook die geschaltete Werbung nicht mehr ausreicht, sondern über Änderung der Algorithmen der Vernetzungsgedanke immer mehr ad absurdum geführt wird. Relevanz und Reichweite scheinen immer mehr davon abhängig zu sein, wie viel man dafür zu bezahlen bereit ist. Nichts gegen bezahlte Werbung. Aber hier wird, wie in vielen anderen Bereichen der Werbenden Kommunikation, zunehmende Lautstärke anstelle von interessantem Content als Mittel der Wahl verstanden, um Aufmerksamkeit erregen zu wollen.

Fazit

Alles in allem hat mich dieses Jahr weitergebracht, was sich auch an den unten abgebildeten Covers ablesen lässt. Das linke ist das neueste und das erste, welches nicht von mir ist. 😉

Trotzdem: Don’t judge a book by its cover. Es gibt auch noch den Klappentext und den Inhalt.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern und Followern eine schöne, friedliche und entspannte Weihnachtszeit.