NAS oder trocken

©Ryek Darkener 2017

Hallo zusammen!

Heute einmal etwas nerdiges:

Backup und NAS

Datensicherung ist so etwas wie eine Versicherung. Wir zahlen Geld für etwas, was wir hoffentlich nie brauchen werden. Wenn man mehrere Rechner, Smartphones, Tablets usw. im Hause hat, wachsen die Anforderungen. Zum einen möchte man vielleicht überall seine Daten aktuell haben. Zum anderen sollen sie auch dann verfügbar sein, wenn ein Gerät zum Beispiel den Geist aufgibt, gestohlen wird, was auch immer. Und man will vielleicht auch auf frühere Versionen, zum Beispiel eines Textes zugreifen. Wer nicht der hundertprozentigen Verfügbarkeit einer Cloud vertraut, wird irgendwann nicht umhinkommen, sich Gedanken über die Verwaltung seiner Daten an einem Ort innerhalb der eigenen Behausung zu machen, der unabhängig von den Geräten ist, auf denen diese Daten genutzt werden. Hochgestochen heißt das heutzutage in Deutschland Home-Cloud. Was sich technisch dahinter verbirgt, sind (mindestens) eine Festplatte, die in ein externes Gehäuse eingebaut ist, das einen kleinen Computer beherbergt, dessen einzige Aufgabe darin besteht, diese Daten zu verwalten und im Heimnetz zur Verfügung zu stellen. Ein netzwerkangeschlossener Datenspeicher, kurz NAS (Network Attached Storage). (Ich liebe Schachtelsätze 😉 )

Vor ein paar Wochen bin ich da eingestiegen. Ich habe mir ein NAS-Gehäuse (siehe Foto) sowie zwei Festplatten a’ 6TByte beschafft. Das Gehäuse kostet um 200 EUR (Synology DS216j), die Platten pro Stück etwa 250 EUR. Geht auch kleiner und preiswerter bei den Platten, aber die Rechenzentrumsfestplatten sind, im Gegensatz zu den PC-Varianten, für 7×24 Stunden Betrieb ausgelegt. Umgelegt auf eine zehnjährige Nutzungsdauer kann man sein Geld auch schlechter anlegen.

Die Montage ist denkbar einfach. Gehäuse öffnen, Platten einschieben und mit den mitgelieferten Schrauben fixieren, Gehäuse zu, Strom und Netzwerkkabel einstecken und anschalten. Die Benutzeroberfläche ist über einen Webbrowser erreichbar und die Grundkonfiguration einfach. Wer es bis dahin geschafft hat, kann mindestens seine Daten, nachdem das Netzlaufwerk zum Beispiel mit dem PC verbunden ist, mit Cut&Paste im Dateibrowser sichern.
Tipp: Nicht Cut&Paste in das Browserfenster der NAS-Administration machen. Das Gerät geht in Sekunden in die Knie, was die Datenübertragungsrate angeht. Das Admin-Webfenster ist – meiner Erfahrung nach – wirklich nur für administrative Aufgaben geeignet. Und das ist, nachdem ich umfänglich mit dem Synology-Suport zu tun hatte und sogar das Gehäuse getauscht bekam, kein Hardwareproblem.
Wenn man die Dateibrowserfenster seines Computers nutzt, bekommt man sehr akzeptable Übertragungsraten (bei mir bis 50 MB/s), was für den Hausgebrauch völlig ausreicht. Das von mir beschaffte NAS ist eines der kleinsten Geräte, mit zwei Einschüben für Festplatten. Ich nutze nicht 12 TB, sondern spiegele die Platten, was bei einem Hardwaredefekt den Vorteil hat, weiterarbeiten zu können. Oder seine Daten zu behalten, bis eine Ersatzplatte gekauft wurde. Zum Tausch mus das NAS ausgeschaltet werden, es gibt aber höherpreisige Geräte, die einen Plattentausch im laufenden Betrieb zulassen (Hot-Swap, für die, die das wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten 😉 ). Mache ich vielleicht, wenn ich mir das von meinen Buch-Einnahmen leisten kann.

Es folgt an dieser Stelle KEINE Anleitung was sonst noch alles geht, und auch KEINE Übersicht über weiter Funktionen des NAS wie Mediaserver, Webhosting usw. Einfach deshalb, weil sich jeder selbst in das einarbeiten sollte, was er braucht. Wissen tut nicht weh und schadet meist auch nicht. Wer nicht die Zeit oder Lust hat, hat doch eine|n Freund/Freundin Lebens(Abschnitts)Partner/in oder Bekannten, der/die gerne hilft (heutzutage kennt doch jeder jemanden, der EDV kann 😉 ).

Backup Software:
Nachdem ich mich mehrere Tage mit dem von Synology angebotenem Backup-Client herumgeschlagen habe, meine Meinung für WIN und UNIX: Finger weg. Die angebotene Software ist fast vollkommen unbrauchbar. Datensicherungen dauern Tage, wo andere Programme Stunden benötigen. Und das intuitive Finden gesicherter Daten ist mir nicht gelungen. Für einen DAU (dümmsten anzunehmenden User) – also mich – ist das nix.
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein Ansprechpartner im Synology Support sich wirklich Zeit genommen und immer schnell und kompetent auf meine Mails geantwortet hat. Am Support liegt es also definitiv nicht, dass der Backup-Client nichts taugt.
Für die heimischen Windows-Rechner (denen ich nach Möglichkeit aus dem Weg gehe) nutze ich zur Zeit die Umsonst-Version von Macrium Reflect, was zum Beispiel den Vorteil hat, dass sich jede einzelne Datensicherung als Netzlaufwerk mounten lässt (ist bereits im „Rechte-Maustaste-Menu“ integriert, wenn man einen Sicherungscontainer anklickt). Dann kann man mit der Suchfunktion nach seinen Daten fischen.
Unter UNIX ist selbst die vorinstallierte Backup-Software ist um Welten schneller als besagter Client.
Ob man das NAS mountet oder über ssh seine Daten sichert, ist Geschmacksache. Allerdings sind Mounts anfällig gegen Trojaner und Viren. Oder gegen Krypto-Malware. Betriebssystem-unabhängig.

Wenn ihr mal zwei Millionen Dateien vom NAS löschen müsst, geht davon aus, dass das etwas länger dauert. Hier sind die Grenzen einer kleinen CPU mit wenig Hauptspeicher, die eine Datenbank bedienen muss. Aber das sollte im Allgemeinen nur währen der Testphase vorkommen. Im laufenden Betrieb sorgen eure Backup-Programme dafür, dass überflüssige Dateien im Papierkorb landen, und auf dem NAS lässt sich konfigurieren, wann und wie der Papierkorb geleert werden soll. Da habt ihr auch noch ein paar Tage die Chance, nachzusehen, ob tatsächlich gelöscht werden soll. 😉

Fazit: Wer wichtige Daten hat (und das hat eigentlich jeder, der diesen Beitrag liest), sollte sich Gedanken darüber machen, wo und wie er diese dauerhaft vor Verlust schützt. Wem die angebotenen Cloud-Speicher nicht ausreichen, der sollte – besonders wenn es ein Familien-Netzwerk zu administrieren gibt, die Anschaffung eines NAS ernsthaft in Erwägung ziehen.
Wirklich wichtige Daten sollten außerdem an einem Ort gelagert werden, der nicht permanent mit dem Rechner/dem Netzwerk verbunden ist.

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

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