Vielfalt gerne – aber mit Augenmaß

©Ryek Darkener 2016

Nachdem mich im NaNoWriMo die Textflaute erwischt hat, spendiere ich zum Ausgleich eine Szene aus Monstra Coelorum, mit begleitenden Text.
Es gibt zur Zeit etliche interessante Beiträge mit dem Thema die Rollen von Mann und Frau in der Handlung von Romanen zu hinterfragen und sich im Sinne von Realismus und Gleichberechtigung vom Altbewährten zu lösen, auch andere Teile einer globaler werdenden Gesellschaft wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Menschen unterschiedlicher Hautfarben, aus anderen Kulturen, Menschen deren Geschlecht nicht zwingend männlich oder weiblich ist, und so weiter.
Bei allem Enthusiasmus ist das, für mich, eine Sache, die sich nicht als Zwang manifestieren sollte. Weil sonst aus einer guten Absicht heraus schnell etwas gut gemeintes werden könnte. Die erzählte Geschichte lebt durch die Interaktion der Charaktere, und für die gilt nun einmal nicht der Proporz, sondern die Handlung, die zu den handelnden Personen passt. Mit einem anderen Ansatz ist weder der Geschichte noch dem Leser noch dem Thema geholfen.
Wer Zugang hat und es kann, dem bieten sich viele Möglichkeiten, Texte zu schreiben, die bisher aufgrund der Konstellationen kaum Akzeptanz fanden.
Das heißt nicht, dass die bisherigen Muster außen vor sind. Im Gegenteil. Hier kann man – vorsichtig – den eigenen Horizont und den des Lesers erweitern, indem man den Mut aufbringt, mit eigenen Berührungsängsten zu spielen. Irgendwo ist jeder Schriftsteller ein Teil seiner Protagonisten. Das macht sowohl den Text als auch den Autor authentischer. Als Möglichkeiten bieten sich hier sowohl der Weltenbau als auch der Subtext an. Was, wenn die Protagonisten zum Beispiel aus einer Welt kommen, in denen es eine Reglementierung bezüglich der Nachkommenschaft gab? Bestimmte Dinge ergeben sich dann wie von selbst.

Hier ein Beispiel:

Rabea klopfte an die Tür des Blockhauses.
„Herein!“, forderte eine jugendliche Stimme sie auf.
Rabea trat ein. Der Raum war aufgeräumt, hell und freundlich. Ein spartanischer Büroraum, einige Aktenschränke, ein Schreibtisch mit Datenkabinett und ein paar Sitzgelegenheiten, Der junge dunkelhaarige kräftige Mann, der am Schreibtisch auf einer Decke saß, die über Sitz und Stuhllehnen gelegt war, machte eine einladende Handbewegung und lächelte sie offen an.
„Ich bin Katsu. Nimm bitte Platz. Ich mag es nicht, wenn die Leute auf mich herabsehen. Verrätst du mir deinen Namen und wo du herkommst?“
„Rabea Weiser. Wien. Erde. Sol.“ Sie erwiderte das Lächeln. „Na ja, nicht direkt. Ich wurde in Nargala untergebracht, in der Nähe der Carinaeischen Botschaft.“
„Das habe ich aus den Nachrichten erfahren. Die Ankunft der Reisenden, wie man euch genannt hat, hat bei uns im Menschenreservat einiges Aufsehen verursacht. Aber zu einer offiziellen Kontaktaufnahme hat man sich bisher nicht durchringen können.“
Rabea schloss die Tür, hängte ihre Jacke an die Garderobe, kam zu Katsu und setzte sich auf den gepolsterten Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches.
„Das erinnert mich an zu Hause. Irgendwie“, gab sie zu.
Katsu sah sie interessiert an. „Ihr kommt tatsächlich von der Erde?“
„Ja. Ist das so ungewöhnlich?“
„Allerdings. Das letzte Mal hatten wir vor … über 500 Jahren der irdischen Zeitrechnung Besuch von der Erde erhalten. Einer der sogenannten Stifter. So steht es zumindest in unseren Geschichtsbüchern.“
„Ein Stifter? Welcher? Was wollte der denn von euch?“
„So weit überliefert wollte er, dass wir zur Erde zurückkehren.“
Rabea war erstaunt. „Warum?“
„Im Letzten Krieg sind alle nicht im irdischen Sonnensystem lebenden Menschen hier interniert worden. Sowie einige wenige Erdenmenschen, die sich am Letzten Krieg nicht beteiligen wollten. Der Stifter hatte wohl gehofft, dass genug von uns nicht von Virdin Maxfords Geschenk infiziert worden wären. Er hat sich geirrt.“
„Ihr nehmt Palliativum?“
Katsu schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Das tun wir nicht. Der Preis der Abhängigkeit von den Yu-xarren Händlern ist uns zu hoch gewesen.“ Er lächelte schräg. „Du hast bestimmt schon von den Yu-xarren gehört?“
„Sicher.“
„Die müssen schon damals keine Freunde gehabt haben. Niemand macht mit denen gern Geschäfte. Heißt es. Es sei denn schmutzige. Heißt es.“
„Aber …“ Rabea suchte nach den passenden Worten. „Das bedeutet, dass ihr fremde Kinder zulasst? Seit Jahrhunderten? Und die Metamorphose?“
„Ja. Es war damals die mehrheitliche Entscheidung, nicht den Weg der Erde zu gehen. Wir hatten große Angst. Ob wir dem Hass auf das Fremde, der die Erde beinahe vernichtet hatte, widerstehen könnten. Aber noch mehr Angst hatten wir vor einer Versklavung durch die Yu-xarren. Einige wenige, die sich für das Palliativum entschieden, sind mit dem Stifter auf die Erde zurückgekehrt. Wir haben unserer Entwicklung eine andere Richtung gegeben. Es gab und gibt hier keine Bewertungsverfahren. Ungefähr ein Drittel der Nachkommen einer rein irdisch-menschlichen Verbindung ist nicht-irdisch. Durch freiwillige Zuchtwahl haben wir unsere Gesellschaft stabilisiert und das Durchschnittsalter erhöht. Es ist bei uns üblich, sein Leben selbst beenden zu dürfen, wenn der Zeitpunkt der nicht durchführbaren Umwandlung gekommen ist. Ein schneller, sauberer Tod, statt der jahrelangen Abhängigkeit von einem Medikament und dessen Händlern.“ Katsu lächelte selbstbewusst. „Keine Versteigerungen um der Erhaltung der Art willen. Jedes Lebewesen, das hier geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“
Rabea konnte ihren Unglauben nicht verbergen. „Ich bitte um Nachsicht, aber das hört sich für mich wie ein Märchen an.“
„Wir haben mittlerweile Jahrhunderte Erfahrung mit diesem märchenhaften Konzept. Es hat sich ausgezahlt. Alle hier Lebenden genießen vollständige Freizügigkeit im Gebiet der Liga, wenn sie es wollen.“ Seine Augen glänzten stolz. „Wir haben unsere Schulden bei den anderen Völkern der Liga schon lange bezahlt.“
„Dann bin ich also vergeblich gekommen.“
„Es kommt darauf an. Wenn du jemanden suchst, der mit euch in einen Krieg ziehen soll, dann ja. Aber der Bericht von eurer Flucht hat das Interesse bei unseren Oberen geweckt. Wir haben eine Anfrage von der Liga bezüglich historischer Daten bekommen. Jemand hat eine Überprüfung des Falles sowie eine Beratung beantragt. Ich wusste gar nicht, dass die Erde bei der Liga noch ein Thema ist. Eine gewisse Imara Socotada hat, unterstützt von einem Herren des Himmels, den Antrag in die Gremien der Liga gebracht. Kennst du sie?“
„Ja.“
„Deinem Gesichtsausdruck nach scheint sie bei dir nicht besonders beliebt zu sein. Hattet ihr Streit?“, fragte Katsu.
„Nein. Aber sehr unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Dingen. Sie hat mir die ihren in der Fähre zwei Jahre lang vorgebetet! Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir die Flucht ohne sie nie geschafft hätten.“
„Du hast sehr viel Zorn in dir.“
Rabea nickte. „Ja. Das habe ich. Meine Mutter hätte nicht im Kampf sterben müssen, wenn die Erde nicht vom Direktorat unterdrückt würde.“
„Und deshalb willst du ihren Tod rächen. Oder beim Versuch dein Leben wegwerfen“, stellte Katsu fest.
In Rabeas Stimme war kein Zweifel, kein Zögern. „Ja. Das ist mein Wunsch und Wille.“
„Den Spruch, dass derjenige, der das Schwert aufnimmt, durch das Schwert sterben wird, kennst du wahrscheinlich.“
„Das fürchte ich nicht.“
„Und du bist sicher auch bereit, alle dir nahestehenden Personen zu betrauern, die auf deinem Weg vor dir oder an deiner Seite sterben werden, nehme ich an.“
Rabea zuckte zurück. „Was willst du damit sagen?“
Katsu sprach eindringlich weiter. „Ich nehme an, dein Dissens mit Imara beruht darauf, dass sie vergeblich versucht hat, dir zu erklären, was es bedeutet, kämpfen zu wollen. Im Gegensatz zu kämpfen zu müssen.“
„Du hast recht. Das hat sie.“
Katsu seufzte. „Unsere Informationen beschreiben Imara als geschickte Diplomatin, nicht als Kriegstreiberin. Immerhin hat sie einen Herren des Himmels auf ihre Seite gebracht. Na gut. Ich weiß jetzt genug über dich.“
Er nahm den kabelgebundenen Kommunikator vom Schreibtisch auf, wählte eine Nummer und hielt den Hörer an sein rechtes Ohr. „Katsu hier. Wir sind so weit. Wann passt es bei euch? In Ordnung.“
Er legte auf. „Erweist du mir die Ehre, mit einigen Vertretern der Kolonie und mir zu mittagzuessen? Wir haben viele Fragen zur Erde, und du hast bestimmt Fragen zum Reservat.“
Rabea stand auf. „Gerne.“ Sie holte ihre Jacke und zog sie an. Als sie sich umdrehte, saß Katsu immer noch.
„Was ist?“, fragte sie erstaunt.
„Wenn du mir ein wenig behilflich bist, kommen wir beide schneller voran.“
Er zog die Decke von den Lehnen und deckte sich damit die Beine zu.
Rabea starrte betroffen und unsicher auf die Räder des Rollstuhls. „Du bist …“
Katsu fuhr um den Schreibtisch herum und hielt vor Rabea. „Seit Geburt. Wie ich bereits sagte: Jedes Lebewesen, das bei uns geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“ Er reichte ihr die rechte Hand. „Kommst du?“

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„Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ – Eine mögliche, alternative Realität?

©Ryek Darkener 2016

Ulm, im Jahre 500 nach dem Letzten Krieg. Zehntausend Menschen leben in der aufstrebenden Stadt, die baulich vom gebrochenen Münster dominiert wird, an dessen Spitze sich der Ewige Knoten befindet, das Symbol der neuen Verwaltungsreligion. Der Süd-Hafen sorgt für regen Warenaustausch mit den wenigen verbliebenen Städten an der Donau. Der Weg in den Norden ist mühsam und gefährlich, denn der schiffbare Albtunnel ist seit dem Letzten Krieg geschlossen.
Das soll nun anders werden. Kaija Neran, Tochter des verstorbenen Entdeckers des Schlüssels zum Tunnel, kehrt zurück und wird aufgefordert, ihr Erbe anzutreten. Sie wird zum Spielball in einer Auseinandersetzung, die die Welt verändern wird …

Wie kommt man nur auf so eine Idee, wird sich mancher Leser fragen. Google macht es möglich. Denn es war tatsächlich geplant, einen Kanal von der Donau zum Neckar zu bauen. Wonach ich damals gesucht habe, um diese Information angezeigt zu bekommen, kann ich nicht mehr genau sagen. Aber die Idee hat mich nicht mehr losgelassen. Für einen Science Fiction bot die tatsächliche Planung zu wenig „Science“, daher beginnt mein Kanal an einer anderen Stelle, und er führt in ganzer Länge unter der Schwäbischen Alb hindurch.
Der ursprüngliche Plot war die klassische Story. Mit einem männlichen Protagonisten, der auf der Wasserstraße zwischen Ulm und Köln verkehrt, zu dem sich irgendwann eine Frau gesellt. Sie kennen das. Möglicherweise ist die Frau zuerst verkleidet als Mann, man kommt sich näher, hat einige Probleme und am Ende sind alle eine glückliche Familie. Das wäre auch in einem postapokalyptischen Szenario möglich gewesen. Dann hat mir meine Protagonistin, Kaija Neran, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun sitze ich vor einer großen Storyline, zu der nach und nach immer mehr Aspekte hinzukommen.
Obwohl meine Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg klar dem Genre Science Fiction und Dystopie zuzuordnen sind, sind sie alles andere als technik-lastig. Das zentrale Thema sind die handelnden Personen. Ihr Mit- und ihr Gegeneinander. Nicht alle Protagonisten haben ihren Ursprung auf der Erde.
Als ich 2012 mit dem Schreiben des ersten Teils anfing, habe ich mir nicht vorstellen können, wie nahe manche Aspekte dieser komplett erfundenen Geschichte an Themen heranreichen, die heute aktuell in den Medien sind. Aber es ist nun einmal so, wie es ist. Wie ich aus anderen Artikeln weiß, wohl das Los von Autoren dystopischer Texte.
Ich habe vor einigen Jahren einen englischen Ausdruck gelesen, den man nicht ohne weiteres ins Deutsche übersetzen kann: „It’s always darkest before it gets pitch black“. Der beschreibt ziemlich treffend, was meine Leser im dritten Teil erwarten wird. Aber das ist, natürlich, nur die eine Seite der hochgeworfenen Münze.

Bücher selbst machen

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wer ein Buch schreibt, hat eine Menge zu tun. Idee entwickeln, Plotten, Schreiben, betalesen oder lektorieren lassen, überarbeiten, endgültige Version abliefern.

Wer als Indie ein Buch schreibt und es auch selbst veröffentlichen will, hat, nachdem der Text fertig ist, noch ein paar weitere To Dos. Die nicht unerheblich Zeit kosten. Ich stelle ein paar davon vor, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Fangen wir mit Text-zu-E-Book an. Egal ob man diesen selbst auf die Plattformen lädt oder andere das machen lässt, die Hürde ist es, aus dem Text eine Datei zu erzeugen, die von der jeweiligen Plattform akzeptiert wird. Wer glaubt, dass es damit getan ist, seinen Text einfach unter dem gewünschten Dateiformat zu speichern, irrt in den meisten Fällen. Jede Plattform, sei es Amazon, Tolino, neobooks und andere, hat ihre eigene Sicht, wie eine Datei auszusehen hat. Was sich meist nicht unmittelbar aus dem Dateiformat selbst ergibt. What you see ist definitiv nicht what die Plattform wants to get. 😉 Die verwendete EDV ist gefühlt recht sperrig und alles andere als selbsterklärend, geschweige denn den Anwender unterstützend. Die gute Nachricht ist, dass der Support meiner Erfahrung nach freundlich, schnell und kompetent unterstützt. Danke dafür an dieser Stelle! Außerdem eignet man mit sich mit der Zeit ein paar Tricks an, mit denen es dann doch geht. Trotzdem: Es kostet Zeit (und einige Nerven).

 

Jedes Buch, ob E oder P, braucht ein Cover. Ohne Verlag ist das ein weiterer Aspekt, der Zeit kostet. Je nach Kreativität und Geldbeutel erstellt man das Cover selbst, oder lässt es von einem Profi machen. Ein zum Buch passendes Cover zu entwerfen und zu erstellen ist für jemanden, der das nicht jeden Tag macht, aufwändig. Mindestens so aufwändig wie das Schreiben eines guten Kapitels. Das Hochladen auf eine E-Book Plattform ist meist problemlos.

 

Kommen wir nun zum gedruckten Buch. Text und Cover sind fertig. Dann sofort die Dateien an die Druckerei schicken und 50 oder 500 Exemplare bestellen?

Davon kann ich nur abraten. Selbst bei den bekannten Dienstleistern ist durchaus nicht sichergestellt, dass das, was gedruckt wird, eine Qualität hat, welche auch verkaufbar ist. Der Grund dafür ist sehr einfach: Es wird das gedruckt, was angeliefert wurde. Wenn es keine technischen Probleme mit den Dateien in der Form gibt, dass diese nicht lesbar sind, wird die Druckerei mit dem Druck beauftragt. Die Verantwortung für Brauchbarkeit liegt logischerweise beim Zulieferer, dem Autor.

Hand aufs Herz: Wer von den Indies hat eine Ausbildung als Setzer oder Layouter?

Ich nicht. Entsprechend sahen die ersten Ergebnisse, die ich zurückbekam, auch aus. Daher ist es unbedingt zu empfehlen, sich sowohl Cover als auch Text so lange als Einzelexemplar drucken zu lassen, bis ich selbst dieses Buch, zumindest was die strukturelle technische Qualität angeht, auch in einer Buchhandlung kaufen würde.

Das dauert.

Der Text muss im gewählten Seitenformat gesetzt und umgebrochen werden, was von guten Schreibprogrammen wie Papyrus Autor weitgehend automatisch erfolgt. Trotzdem ist Nacharbeit erforderlich. Bis der Text optisch gut aussieht, hat man sein Buch drei weitere Male gelesen.

 

Die Druckerei verlangt, wenn es dumm läuft, den Input in einem anderen Format als es vom Programm geliefert wird, mit dem ich den Text erstellt habe. Möglicherweise gilt das gleiche für das Cover. Was heißt, dass der Satz in einem weiteren Programm gemacht oder wiederholt werden muss, welches den gewünschten Output erzeugt. Wie schon oben erwähnt ist es wichtig, sich einen Probedruck schicken zu lassen, bevor eine Auflage gedruckt wird.

 

Wer bis hierhin gelesen hat, wird einen ungefähren Eindruck davon bekommen haben, was ein Verlag außer Lektorat macht, bevor ein Buch in den Verkauf kommt. Das kostet Zeit. Und Geld. Und braucht einiges an Know How.

 

Für den schreibenden Indie-Inschenör, dem nichts zu schwör ist, sind das keine unlösbaren Herausforderungen. Wer sich darauf einlässt, sollte diesen Teil des Herstellungsprozesses realistisch einplanen und sich klar darüber sein, dass die Zeit nicht für Schreiben zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite lässt sich damit prima Prokrastinieren oder eine längere Schreibblockade überbrücken.

 

Irgendwann ist die Arbeit dann getan, die erste Auflage wird geliefert. So bei mir letzten Freitag geschehen.

Ist damit alles erledigt? Nein. Jetzt liegen die Bücher herum und müssen verkauft werden. Darüber werde ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt berichten. Eines schon vorweg: Die Erstellung der werbenden Texte ist noch die interessanteste Aufgabe, die da auf einen zukommt.

Das Drama mit den Helden

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Im vorherigen Beitrag gab es einige Punkte zum Thema Heldenreise, die mich zu weiteren Überlegungen angeregt haben.

Was ist ein Held in der Belletristik? Die Person, die auf das Geschehen den größten – oder zumindest entscheidenden – Einfluss hat. Der Held reißt das Steuer herum, wenn alles verloren scheint, zieht alleine los, um die Welt zu retten, überwindet alle Widerstände, schlägt den Bösen vernichtend und bekommt am Ende die Prinzessin.

 

Tatsächlich?

 

Der (arche)typische Held ist eine Person, die sich ab einem bestimmten Zeitpunkt der Erzählung deutlich von seinen Mitspielern unterscheidet. Sei es, dass er eine einschneidende Erfahrung macht, sei es eine Entscheidung, die er trifft oder die für ihn getroffen wird (Beispiele: Frodo Beutlin, Harry Potter). Ab da ist für den Helden die Welt nicht mehr so, wie sie zuvor war. Er wird als (möglicher) Held sichtbar. Für seine Umgebung, seine Freunde, seine Widersacher. Irgendwann auch für sich selbst.

Was bedeutet das für den Helden? Er steht außerhalb der Norm. Mit Norm sind weitesten Sinne persönliche und gesellschaftliche Normen gemeint. Der Held erhält vom Autor die Generalabsolution, alles, wirklich alles, zu tun, um seiner Sache zum Sieg zu verhelfen oder beim Versuch zu scheitern. In nicht wenigen Romanen wird genau das sehr früh entweder ausdrücklich geschrieben oder plakativ offensichtlich gemacht, damit jeder Leser es mitbekommt: Vorsicht! Held!

Im weiteren Verlauf der Handlung wird der Held mit immer größerer Konsequenz von dieser Generalabsolution Gebrauch machen. Der Leser, da vorgewarnt, wird ihm folgen und weder seine Motive noch seine Taten in Zweifel ziehen. Was auch immer der Held tun wird, es ist „gut“, „richtig“, „notwendig“. Dass die andere Seite zumeist in gleicher Weise agiert, ist „böse“, „grausam“, „falsch“.

Bei den einfacher gestrickten Geschichten triumphiert der Held in einer Weise, die beim Leser den Wunsch erweckt, seine eigenen Probleme ebenso lösen zu können. Die Welt ist schwarz und weiß. Schwarz ist erlaubt, solange am Ende Weiß herauskommt.

 

Hierzu ein klassisches Zitat der Jesuiten:

„Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es die Kirche so definiert.“

Für den Helden des Romans gilt dieser Satz ebenfalls, durch eine geringfügige Änderung des Textes:

„Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es der Autor so definiert.“

 

Womit, wieder einmal, bewiesen ist, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert.

 

Zurück zu unserem Helden. Er ist zum Ergebnis des Plots verdammt. Macht ihn das glücklich? Interessanterweise ist die Antwort Nein. Dieses Nein ist vorhersehbar. Der Held hat sich, bewusst oder gezwungenermaßen, aus dem Rahmen gelöst, der für alle anderen, mit Ausnahme seines Gegenspielers, verbindlich ist. Der Held hat im Namen dessen, was er für richtig hält, Dinge getan, die für alle anderen, selbst wenn technisch möglich, unvorstellbar zu tun gewesen wären. Nun ist seine Aufgabe erledigt, der Feind besiegt. Wer braucht ihn jetzt noch? Das Ideal, für das er gekämpft hat? Seine Umgebung? Er ist allem entwachsen, selbst seine engsten Freunde werden ihn nicht mehr verstehen.

An diesem Punkt der Geschichte trifft der Held eine wichtige Entscheidung, die in ihrer Tragweite vom Leser oft unbemerkt bleibt.

Entweder: Der Held bleibt Held, sieht seinen Weg als Bestimmung an. Akzeptiert, dass er sich auf einer Reise befindet, die ihn weiter tragen wird. Dass seine Gefährten immer temporäre Begleiterscheinungen bleiben werden. Im klassischen Western reitet er dann gen Westen in die untergehende Sonne. Frodo Beutlin.

Oder: Der Held verschwindet von der Bildfläche. Er versteckt oder zerbricht die Insignien seiner Macht, lässt es sogar zu, öffentlich demontiert zu werden, findet zu seinen persönlichen, menschlichen Zielen zurück. Entscheidet sich, zumindest für eine Weile, für den Weg des normalen Sterblichen und dessen Freuden und Leiden, wird zum Teil des Systems, welches er geschaffen hat. Harry Potter.

 

Was bedeutet das für mich als Autor?

Erstens: Frage danach, wo sich dein Held am Ende der Geschichte befindet, bevor du ihn durch den Plot hetzt.

Zweitens: Ein Held kann jederzeit seine Meinung ändern. 😉

 

 

Wie viele Protagonisten verträgt ein Text?

Ryek mystEs ist die Frage aus einer Facebook-Gruppe, in der nach der Hauptfigur eines Filmes gefragt wurde (Narnia), die mich zu folgenden Überlegungen gebracht hat:

Das Arbeiten mit einer einzigen Hauptfigur ist der klassische Ansatz. Er hat den Vorteil, dass sich der Autor auf eine Figur konzentriert. Der Leser kann der Handlung (zumeist) leicht folgen, da er den Text mit den Augen oder über die Person des Protagonisten sieht. Der Held schlägt sich durch den Plot und steht am Ende mit dem Ergebnis da.
Wenn ein solcher Text mehrere Handlungsstränge hat, dann wird das entweder mit einem Protagonisten in verschiedenen Zeitebenen stattfinden, oder mit mehreren handelnden Personen, die aber nicht zwingend Protagonisten sein müssen.

Es geht aber auch anders: mehrere Protagonisten. Das erfordert, meiner Erfahrung nach, eine gewisse Disziplin, da die handelnden Personen durch das Spannungsfeld zwischen ihnen die Handlung treiben und sich natürlich gegenseitig beeinflussen. Ich behaupte, dass so eine Geschichte nicht aus dem Bauch heraus geschrieben werden kann (so man kein fotografisches Gedächtnis hat), sondern dass hier ein Plot oder mindestens ein konkretes Handlungsgerüst vorab existieren muss. Der Vorteil für den Autor besteht darin, dass er viele Möglichkeiten hat, seine Geschichte weiterzuentwickeln. Oft passiert sogar in der Mitte etwas, womit der Autor nicht gerechnet hat. Mit der Folge, dass die Geschichte ein anderes Ende nehmen wird als ursprünglich geplant. Weiterer Vorteil: Keine der Figuren ist unersetzbar – im Gegensatz zum einsamen Helden darf hier jeder sterben. 😉
Für den Leser besteht die Faszination darin, dass er der Handlung aus verschiedenen Sichtweisen folgen kann.
Es ist vom Text her nicht notwendig, ständig hin- und her zu wechseln. Das immerwährende Vorhandensein der anderen Seite ist ausreichend, um die Spannung zu erhalten. Meist reicht ein Einwurf, ein Gedanke darüber, was die Gegenseite jetzt tun würde, oder eine kurze Szene, die dieses bestätigt oder negiert (Letzteres schaffen aber nur Wenige überzeugend darzustellen).

Wenn man sich das Thema abstrakt ansieht, dann ist es sogar möglich, die Handlung zum Protagonisten zu machen, gewissermaßen als einen großen Weltenplan, in dem, für eine Zeit, Protagonisten aufblitzen und wieder verschwinden. Das findet man zum Beispiel bei langlaufenden Serials, in denen es keine unsterblichen Helden gibt. Der Leser begleitet die Personen ein Stück weit durch die Zeit, bis sie die Initiative oder den Löffel abgeben und Platz für neue Spieler machen.

Jede Variante hat ihren eigenen Charme.

Die unsichtbare Stadt (AT) – Endspurt

Änderungen

Ja, habe ich. Und das waren nicht alle. 😉 Aber es sind immer weniger geworden, bei jedem Überarbeitungsschritt. Trotz der gegenteiligen Bemühungen meiner Betaleser aus dem Federteufel-Forum, bei denen ich mich ganz herzlich bedanke. Gegen Betriebsblindheit beim eigenen Werk hilft nur die Sicht eines anderen Lesers.

Es ist schwer, etwas loszulassen, an dem man so lange gearbeitet hat, fast zwei Jahre. Ein seltsames Gefühl. „Halt!“, will man rufen. „Da geht doch noch was!“ Aber mal ehrlich: Ein Roman wird nie fertig, also richtig fertig.

Ich denke, der Text ist nun brauchbar für den Zweck. Ein würdiger, unterhaltsamer zweiter Teil meines Dystopie-Projektes.

Den Titel verrate ich noch nicht, aber den Untertitel:

Eine Geschichte aus der Welt nach dem Letzten Krieg

 

Seite: Die unsichtbare Stadt (AT)

Die unsichtbare Stadt (AT) – Endspurt

Ryek mystDer Text ist fertig geschrieben, von den Betalesern mehr oder weniger gelobt worden. Änderungen sind gemacht, ich habe mich schweren Herzens von einigen Textstellen sowie von immer wieder gebrauchten Worten getrennt. Automatische und gefühlsmäßige Rechtschreibprüfung sind durchgeführt. Manchmal siegt der Inhalt über die Form, manchmal. Grammatik und Duden lassen sich nicht immer wegdiskutieren, auch in Selbstgesprächen nicht. Der letzte Blick auf den Plot bestätigt, dass sich alle Szenen in der von der Erzählung her gewollten Reihenfolge befinden. Und am Ende alle, wie es sich gehört, tot sind. Oder so. 😉

Also hochladen, Cover drauf und veröffentlichen? Im Prinzip ja. Wenn da nicht noch so eine Kleinigkeit wie die Kapitel-Strukturierung wäre.

Die Schreibprogramme (in der Hauptsache Papyrus Autor) haben mich gut durch die Erstellung des Textes begleitet. Mit dem Erfolg, dass ich nun zwei Strukturierungen habe: Eine Kapitel- und Unterkapitel-Struktur, und eine die aus den Szenenüberschriften besteht. Die sind, leider oder zum Glück, je nach Tagesform, verschieden. Bei mir enthalten die Szenenüberschriften in einem kurzen Satz den Inhalt, oft als launischen Kommentar desselben. Die zu nehmen hat zwar einen gewissen Reiz, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der Leser jeden persönlichen Insider verstehen wird. Die großen Kapitelüberschriften allein sind zu wenige. Hier könnte der Leser den Überblick verlieren, da sich der Text über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren erstreckt, und die Abschnitte durchaus nicht homogen mit Handlung gefüllt sind. Dazu kommen technische Restriktionen des E-Books. Kapitel dürfen eine bestimmte Länge nicht überschreiten – woran sich meine Handlung überhaupt nicht gestoßen hat. Es gibt mal mehr, mal weniger zu erzählen. Schließlich schreibe ich einen Roman und keine Stückliste.

Ich habe mich, nach Test und einem Zugeständnis, für das Folgende entschieden:

Beschreibende, kurze Kapitelüberschriften. Es sind fünf. Hat sich so ergeben. Soll laut mancher Schreibratgeber nicht vollkommen verkehrt sein. 😉 Darüber hinaus habe ich dort, wo es wegen der Textlänge für E-Books notwendig erschien, Pseudoüberschriften eingesetzt: „…“. Ich denke, dass der E-Book-Leser mir das verzeihen kann. Beim gedruckten Buch, wenn es denn je kommt, lasse ich diese einfach weg. Die Level-1 Überschriften werden im E-Book Inhaltsverzeichnis angezeigt.
Zeit und/oder Ort als Unterkapitel-Überschriften (schönes Wort, nicht wahr?). Nicht immer beides, abhängig davon, was ich gerade für wichtig halte. Die tauchen dort im Text auf, wo sie sinnvoll sind, dem Leser zu zeigen, wann und wo er sich gerade befindet.

So der Plan.