Tabula Rasa: Romananfang

DSvU Tabula Rasa CoverIch weiß, dass häufig davon gesprochen wird, den Leser bereits mit dem ersten Satz in die Handlung zu ziehen. Weil er angeblich nur dann auch den zweiten Satz liest.

Dem als generellem Anspruch stehe ich skeptisch gegenüber. Mag daran liegen, dass ich früher gerne (und gar nicht einmal so schlecht) Schach gespielt habe. Da stehen sich auf dem Brett sechzehn schwarze und sechzehn weiße Figuren gegenüber, getrennt durch vier Felder, die zu Beginn der Partie nicht mit einem einzigen Zug überwunden werden können. Es gibt keinen erlaubten Zug, mit dem der Spieler mit den weißen Figuren den gegnerischen König sofort ins Schach stellen könnte. Er kann ihn nicht einmal in Bedrängnis bringen. Trotzdem sind die ersten Züge – bei gleich starken Spielern – entscheidend. Aber das stellt sich üblicherweise frühestens im Mittelspiel heraus.

Schach ist nichts für Menschen, die auf „Quick Wins“ aus sind. Vorausschauendes Denken ist gefragt, Freude an komplexen Zusammenhängen und langfristiger Planung. Dem Gegner einen Vorteil gewähren, welcher, wenn er ihn nutzt, das Spiel gegen ihn entscheiden wird. Um nur einige Aspekte anzureißen.

Daher mag ich auch Bücher, die einen gewissen Anlauf nehmen, bevor die Sache wirklich interessant wird. Die nicht auf die kurze Aufmerksamkeitsspanne setzen, sondern nach und nach das Netz immer enger ziehen.

Der Morgen des 10. November 499 Neuer Zeit war eisig kalt und klar. Raureif glitzerte an den Stahlzäunen, die den Bahngraben begrenzten. Er zog sich von Horizont zu Horizont wie ein Lineal durch die Landschaft. Eine Rauchfahne näherte sich von Osten mit mäßiger Geschwindigkeit. Ein gleichmäßiges Zischen begleitete die Bewegung. Der Zug kam in Sicht – ein Lindwurm, auf mittig angebrachten Rädern balancierend. Er glitt vorbei, weißer Rauch verhüllte für eine Weile den Graben, der in der Dämmerung zurückblieb.

„Darf ich mich zu dir setzen?“
Kaija Neran knüllte den Brief mit der rechten Hand zusammen und blickte auf. Vor ihr stand ein Mann, etwa dreißig. Allerweltsgesicht, interessierter Blick, grauer Anzug. Im Zug gab es mehr als genug andere freie Plätze. Kaija glaubte nicht, dass sie den Eindruck machte, auf der Suche nach Gesellschaft zu sein. Sie zuckte resignierend mit den Schultern. „Ja, natürlich. Warum nicht?“
Sie stellten einander vor. Kaija hatte seinen Namen bereits vergessen, als er sich setzte. Der Zug überquerte eine Brücke. Kaijas Blick ging, ohne zu sehen, über nicht enden wollende verschneite Wälder, wie mit weißem Puderzucker bestäubt. Ein paar eingestreute Lichtungen. In der Ferne Rauch, unter einem stahlblauen Himmel. Das Singen der Gyroskope der Monorail hatte etwas Einschläferndes, Traumhaftes. Ein Stück Zukunft aus der Vergangenheit, Erinnerungen an eine zerstörte Welt.
„Ein herrlicher Morgen, nicht wahr?“, fragte er, um ins Gespräch zu kommen.
„Wenn du es sagst“, antwortete Kaija automatisch. Sie wandte sich ihrem Gegenüber zu und rieb sich die Augen, um Zeit zu gewinnen. „Entschuldige, ich wollte nicht unhöflich sein“, fuhr sie mit leiser Stimme fort. „War eine lange Fahrt. Ja, sehr schön. Grün und Weiß, Weiß und Grün. Ein wenig eintönig. Nichts anderes zu sehen zwischen Wien, München und Ulm.“
Er lächelte vorsichtig. „Du machst einen bedrückten Eindruck auf mich. Dieses Jahr endet die Bleierne Zeit. Dann liegt der Letzte Krieg ein halbes Jahrtausend hinter uns. Ist das für dich kein Grund zur Freude?“
„Wenn du es genau wissen willst, ich wünsche mich gerade fünfhundert Jahre weiter.“
Ihr Gegenüber bemerkte den unterdrückten Ärger in Kaijas Stimme und sah sie abwägend an.
Kaija musste schräg zu grinsen. „Ja. Die Pflicht. Sieht man es mir so deutlich an? Fast vierundzwanzig, kinderlos, keine feste Beziehung. Nicht ganz der Vorstellung der Stifter entsprechend.“
„Magst du keine Kinder?“
Kaija strich den Papierball glatt und faltete das Blatt mehrmals, verlegen, fast entschuldigend. „Nein. Das ist es nicht. Ich hätte mir nur lieber meinen Partner selbst ausgesucht, anstatt ihn jetzt von den Vereinigten Kirchen vorgeschrieben zu bekommen. Ja, es ist gemäß den Regeln, ich weiß. Und es ist meine Schuld und Pflicht. Trotzdem fühle ich mich verschachert wie eine Kuh.“
„Du bist in deiner freien Wahl eines Partners dadurch doch in keiner Weise eingeschränkt. Die Versteigerung ist doch nicht mehr als die notwendige Ergänzung, um die Zukunft der Menschheit sicherzustellen.“ Er zwinkerte ihr zu. „Ich bin sicher, dass es für die Vereinigten Kirchen ein lukratives Geschäft wird.“
Kaija seufzte. „Da magst du wohl recht haben. Wer weiß schon, wie oft ich zum Abschuss freigegeben werde, solange ich keine eigene Wahl getroffen habe oder schwanger werde. Alle vier Monate ein Mann, an den ich nicht einmal gedacht habe. Und der Einsatz eines jedes Bieters geht an die VK.“

 

 

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Schreibhandwerk: Plotten

Hallo zusammen!

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben. Nach der Veröffentlichung von Inspektor Mops – Common Sense und Monstra Coelorum wird es dieses Jahr nichts Neues mehr von mir geben. 😉

Die nächste größere Aktion ist der NaNoWriMo. Alle Jahre wieder versuchen weltweit Autoren, innerhalb eines Monats fünfzigtausend Worte zu Festplatte zu bringen. Für berufsmäßige Schreiber wahrscheinlich keine allzu große Herausforderung. Aber wer das neben seinem Brotberuf schaffen will, der muss gut planen und auf die Unterstützung seiner Umgebung vertrauen.

Apropos planen. Die Schreibwelt teilt sich ja angeblich in diejenigen, die einfach drauflosschreiben und die, die vorher alles ganz genau festgelegt haben müssen. Die Wahrheit ist wohl eher, dass einige Wenige tatsächlich die gesamte Storyline im Kopf behalten können, während die anderen den Aufwand scheuen und deshalb oft mit ihrem Werk nicht fertig werden, weil sie nicht mehr wissen, worum es darin eigentlich ging. Ja, das war polemisch. Wem der Schuh passt, der kann ihn sich anziehen. 😉

Ich gehöre zu den Planern. Und bekomme trotzdem nicht jeden meiner gewünschten Texte fertig. So ist das nun mal.
Aber ich möchte den (bisherigen) Plot-Verweigerern einmal mit einem kurzen Abriss demonstrieren, was ihnen eigentlich entgeht.

Mein Roman Monstra Coelorum hat ungefähr 135.000 Worte, 5 Kapitel, 150 Szenen.
Nach Adam Riese und Eva Zwerg sind das ca. 27.000 Worte pro Kapitel oder 900 Worte pro Szene. Das ist natürlich nur ein Überblick, nichts Exaktes. Doch wenn ich mir einige theoretische Überlegungen zu eigen mache, dann bin ich schnell bei dem, was ich zeigen will. Nein, hier geht es nicht um Schreibmethoden, sondern ausschließlich um Struktur.

Jeder Autor hat schon einmal von der 3- oder der 5-Akt Struktur eines Romans gehört. Falls nicht, kann man das zum Beispiel bei Schreibwahnsinn nachlesen. Nehmen wir an, du planst für den NaNoWriMo einen Dreiakter mit 50.000 Worten, das sind etwa 250 Normseiten:

Anfang
Mitte
Ende

Sieht schon fast nach einem Plan aus, nicht wahr? 😉 Bezogen auf meine Statistik von oben sind 50 Szenen notwendig. Wahrscheinlich sind Anfang und Ende etwas kürzer, der Mittelteil etwas länger:

Anfang

Szene 1 – Szene 10

Mitte

Szene 11 – Szene 35

Ende

Szene 36 – Szene 50

Fertig. Oder fast fertig. Kommt jetzt auf die individuellen Vorlieben an. Selbst wenn der fertige Text keinerlei Kapitelstruktur haben sollte, ist es oft hilfreich, sich zu überlegen, was die wichtigsten Textblöcke der Handlung sind:

Anfang

Einleitung

Szene 1 – Szene 4

Aufbau der Mannschaft

Szene 5 – Szene 8

Die Mannschaft macht sich auf den Weg

Szene 9 – Szene 10

Mitte

Das erste Hindernis

Szene 11 –

u.s.w.

Fertig! Jetzt fehlen nur noch die Szenenüberschriften, eventuell mit Angabe von Ort, Zeit und handelnden Personen. Oder ein paar Stichworte, was an dieser Stelle passieren soll.

Damit steht die Geschichte dann im Entwurf. Und mehr muss man über das Plotten eigentlich nicht wissen, wenn man es nicht mag. 😉

Ich plotte persönlich am liebsten mit dem frei verfügbaren Programm Freeplane. Mittlerweile verfügen aber auch Schreibprogramme wie zum Beispiel Papyrus Autor  über eingebaute Zettelkästen, mit denen sich sehr komfortabel plotten lässt.

Das Einzige, was nun noch fehlt, ist eine geeignete Idee für den Text.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

„Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ – Eine mögliche, alternative Realität?

©Ryek Darkener 2016

Ulm, im Jahre 500 nach dem Letzten Krieg. Zehntausend Menschen leben in der aufstrebenden Stadt, die baulich vom gebrochenen Münster dominiert wird, an dessen Spitze sich der Ewige Knoten befindet, das Symbol der neuen Verwaltungsreligion. Der Süd-Hafen sorgt für regen Warenaustausch mit den wenigen verbliebenen Städten an der Donau. Der Weg in den Norden ist mühsam und gefährlich, denn der schiffbare Albtunnel ist seit dem Letzten Krieg geschlossen.
Das soll nun anders werden. Kaija Neran, Tochter des verstorbenen Entdeckers des Schlüssels zum Tunnel, kehrt zurück und wird aufgefordert, ihr Erbe anzutreten. Sie wird zum Spielball in einer Auseinandersetzung, die die Welt verändern wird …

Wie kommt man nur auf so eine Idee, wird sich mancher Leser fragen. Google macht es möglich. Denn es war tatsächlich geplant, einen Kanal von der Donau zum Neckar zu bauen. Wonach ich damals gesucht habe, um diese Information angezeigt zu bekommen, kann ich nicht mehr genau sagen. Aber die Idee hat mich nicht mehr losgelassen. Für einen Science Fiction bot die tatsächliche Planung zu wenig „Science“, daher beginnt mein Kanal an einer anderen Stelle, und er führt in ganzer Länge unter der Schwäbischen Alb hindurch.
Der ursprüngliche Plot war die klassische Story. Mit einem männlichen Protagonisten, der auf der Wasserstraße zwischen Ulm und Köln verkehrt, zu dem sich irgendwann eine Frau gesellt. Sie kennen das. Möglicherweise ist die Frau zuerst verkleidet als Mann, man kommt sich näher, hat einige Probleme und am Ende sind alle eine glückliche Familie. Das wäre auch in einem postapokalyptischen Szenario möglich gewesen. Dann hat mir meine Protagonistin, Kaija Neran, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun sitze ich vor einer großen Storyline, zu der nach und nach immer mehr Aspekte hinzukommen.
Obwohl meine Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg klar dem Genre Science Fiction und Dystopie zuzuordnen sind, sind sie alles andere als technik-lastig. Das zentrale Thema sind die handelnden Personen. Ihr Mit- und ihr Gegeneinander. Nicht alle Protagonisten haben ihren Ursprung auf der Erde.
Als ich 2012 mit dem Schreiben des ersten Teils anfing, habe ich mir nicht vorstellen können, wie nahe manche Aspekte dieser komplett erfundenen Geschichte an Themen heranreichen, die heute aktuell in den Medien sind. Aber es ist nun einmal so, wie es ist. Wie ich aus anderen Artikeln weiß, wohl das Los von Autoren dystopischer Texte.
Ich habe vor einigen Jahren einen englischen Ausdruck gelesen, den man nicht ohne weiteres ins Deutsche übersetzen kann: „It’s always darkest before it gets pitch black“. Der beschreibt ziemlich treffend, was meine Leser im dritten Teil erwarten wird. Aber das ist, natürlich, nur die eine Seite der hochgeworfenen Münze.

NAS oder trocken

©Ryek Darkener 2017

Hallo zusammen!

Heute einmal etwas nerdiges:

Backup und NAS

Datensicherung ist so etwas wie eine Versicherung. Wir zahlen Geld für etwas, was wir hoffentlich nie brauchen werden. Wenn man mehrere Rechner, Smartphones, Tablets usw. im Hause hat, wachsen die Anforderungen. Zum einen möchte man vielleicht überall seine Daten aktuell haben. Zum anderen sollen sie auch dann verfügbar sein, wenn ein Gerät zum Beispiel den Geist aufgibt, gestohlen wird, was auch immer. Und man will vielleicht auch auf frühere Versionen, zum Beispiel eines Textes zugreifen. Wer nicht der hundertprozentigen Verfügbarkeit einer Cloud vertraut, wird irgendwann nicht umhinkommen, sich Gedanken über die Verwaltung seiner Daten an einem Ort innerhalb der eigenen Behausung zu machen, der unabhängig von den Geräten ist, auf denen diese Daten genutzt werden. Hochgestochen heißt das heutzutage in Deutschland Home-Cloud. Was sich technisch dahinter verbirgt, sind (mindestens) eine Festplatte, die in ein externes Gehäuse eingebaut ist, das einen kleinen Computer beherbergt, dessen einzige Aufgabe darin besteht, diese Daten zu verwalten und im Heimnetz zur Verfügung zu stellen. Ein netzwerkangeschlossener Datenspeicher, kurz NAS (Network Attached Storage). (Ich liebe Schachtelsätze 😉 )

Vor ein paar Wochen bin ich da eingestiegen. Ich habe mir ein NAS-Gehäuse (siehe Foto) sowie zwei Festplatten a’ 6TByte beschafft. Das Gehäuse kostet um 200 EUR (Synology DS216j), die Platten pro Stück etwa 250 EUR. Geht auch kleiner und preiswerter bei den Platten, aber die Rechenzentrumsfestplatten sind, im Gegensatz zu den PC-Varianten, für 7×24 Stunden Betrieb ausgelegt. Umgelegt auf eine zehnjährige Nutzungsdauer kann man sein Geld auch schlechter anlegen.

Die Montage ist denkbar einfach. Gehäuse öffnen, Platten einschieben und mit den mitgelieferten Schrauben fixieren, Gehäuse zu, Strom und Netzwerkkabel einstecken und anschalten. Die Benutzeroberfläche ist über einen Webbrowser erreichbar und die Grundkonfiguration einfach. Wer es bis dahin geschafft hat, kann mindestens seine Daten, nachdem das Netzlaufwerk zum Beispiel mit dem PC verbunden ist, mit Cut&Paste im Dateibrowser sichern.
Tipp: Nicht Cut&Paste in das Browserfenster der NAS-Administration machen. Das Gerät geht in Sekunden in die Knie, was die Datenübertragungsrate angeht. Das Admin-Webfenster ist – meiner Erfahrung nach – wirklich nur für administrative Aufgaben geeignet. Und das ist, nachdem ich umfänglich mit dem Synology-Suport zu tun hatte und sogar das Gehäuse getauscht bekam, kein Hardwareproblem.
Wenn man die Dateibrowserfenster seines Computers nutzt, bekommt man sehr akzeptable Übertragungsraten (bei mir bis 50 MB/s), was für den Hausgebrauch völlig ausreicht. Das von mir beschaffte NAS ist eines der kleinsten Geräte, mit zwei Einschüben für Festplatten. Ich nutze nicht 12 TB, sondern spiegele die Platten, was bei einem Hardwaredefekt den Vorteil hat, weiterarbeiten zu können. Oder seine Daten zu behalten, bis eine Ersatzplatte gekauft wurde. Zum Tausch mus das NAS ausgeschaltet werden, es gibt aber höherpreisige Geräte, die einen Plattentausch im laufenden Betrieb zulassen (Hot-Swap, für die, die das wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten 😉 ). Mache ich vielleicht, wenn ich mir das von meinen Buch-Einnahmen leisten kann.

Es folgt an dieser Stelle KEINE Anleitung was sonst noch alles geht, und auch KEINE Übersicht über weiter Funktionen des NAS wie Mediaserver, Webhosting usw. Einfach deshalb, weil sich jeder selbst in das einarbeiten sollte, was er braucht. Wissen tut nicht weh und schadet meist auch nicht. Wer nicht die Zeit oder Lust hat, hat doch eine|n Freund/Freundin Lebens(Abschnitts)Partner/in oder Bekannten, der/die gerne hilft (heutzutage kennt doch jeder jemanden, der EDV kann 😉 ).

Backup Software:
Nachdem ich mich mehrere Tage mit dem von Synology angebotenem Backup-Client herumgeschlagen habe, meine Meinung für WIN und UNIX: Finger weg. Die angebotene Software ist fast vollkommen unbrauchbar. Datensicherungen dauern Tage, wo andere Programme Stunden benötigen. Und das intuitive Finden gesicherter Daten ist mir nicht gelungen. Für einen DAU (dümmsten anzunehmenden User) – also mich – ist das nix.
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein Ansprechpartner im Synology Support sich wirklich Zeit genommen und immer schnell und kompetent auf meine Mails geantwortet hat. Am Support liegt es also definitiv nicht, dass der Backup-Client nichts taugt.
Für die heimischen Windows-Rechner (denen ich nach Möglichkeit aus dem Weg gehe) nutze ich zur Zeit die Umsonst-Version von Macrium Reflect, was zum Beispiel den Vorteil hat, dass sich jede einzelne Datensicherung als Netzlaufwerk mounten lässt (ist bereits im „Rechte-Maustaste-Menu“ integriert, wenn man einen Sicherungscontainer anklickt). Dann kann man mit der Suchfunktion nach seinen Daten fischen.
Unter UNIX ist selbst die vorinstallierte Backup-Software ist um Welten schneller als besagter Client.
Ob man das NAS mountet oder über ssh seine Daten sichert, ist Geschmacksache. Allerdings sind Mounts anfällig gegen Trojaner und Viren. Oder gegen Krypto-Malware. Betriebssystem-unabhängig.

Wenn ihr mal zwei Millionen Dateien vom NAS löschen müsst, geht davon aus, dass das etwas länger dauert. Hier sind die Grenzen einer kleinen CPU mit wenig Hauptspeicher, die eine Datenbank bedienen muss. Aber das sollte im Allgemeinen nur währen der Testphase vorkommen. Im laufenden Betrieb sorgen eure Backup-Programme dafür, dass überflüssige Dateien im Papierkorb landen, und auf dem NAS lässt sich konfigurieren, wann und wie der Papierkorb geleert werden soll. Da habt ihr auch noch ein paar Tage die Chance, nachzusehen, ob tatsächlich gelöscht werden soll. 😉

Fazit: Wer wichtige Daten hat (und das hat eigentlich jeder, der diesen Beitrag liest), sollte sich Gedanken darüber machen, wo und wie er diese dauerhaft vor Verlust schützt. Wem die angebotenen Cloud-Speicher nicht ausreichen, der sollte – besonders wenn es ein Familien-Netzwerk zu administrieren gibt, die Anschaffung eines NAS ernsthaft in Erwägung ziehen.
Wirklich wichtige Daten sollten außerdem an einem Ort gelagert werden, der nicht permanent mit dem Rechner/dem Netzwerk verbunden ist.

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

„Inspektor Mops – Common Sense“ bei Lovelybooks

©Ryek Darkener 2017

Den meisten Autoren dürfte LovelyBooks ein bekannter Begriff sein. Auf dieser Plattform rezensieren Leser die Bücher, die sie gelesen haben, und bewerben sich um Bücher, die von Autoren oder Verlagen zur Rezension zur Verfügung gestellt werden. Gegenüber teilweise immer noch vorhandener Meinung muss der Autor nicht zwingend bei einem Verlag veröffentlichen, um hier als Autor geführt zu werden. Allerdings ist die Sichtbarkeit von Indie-Büchern deutlich geringer als die von Verlagsprodukten.
Für mich als jemanden, der kein Monster-Werbebudget hat, ist es dennoch eine gute Möglichkeit, an Rezensionen zu kommen. Abgesehen davon ergeben sich oft interessante Dialoge, da die Leserundenteilnehmer die Möglichkeit nutzen, mehr über den Autor, seine Bücher und Hintergründe der Geschichte zu erfahren.
Mit „Inspektor Mops – Common Sense“ habe ich meine dritte Leserunde bei LovelyBooks veranstaltet. Trotz der Vielfalt der angebotenen Titel haben sich sechs Interessenten gefunden (Interessent ist bei mir genderneutral gemeint, bezogen auf Lesen müsste es eigentlich Femininum sein 😉 ).
Gegenüber der Leserunde, die ich vor etwa zwei Jahren veranstaltet habe, war mein Eindruck, dass die Kommunikation zwischen Leser und Autor nachgelassen hat. Es gibt immer weniger Leser, die sich die Zeit nehmen, mehr als die Rezension zu schreiben, was ich persönlich schade finde. Gefühlt scheint es daran zu liegen, dass die Zeit, die Leser mit einem bestimmten Buch verbringen, abnimmt. Entweder weil im Tageschäft einfach wenig Zeit übrigbleibt (Beruf, Familie), oder weil möglichst viele Bücher gelesen werden wollen. Das bemerke ich auch häufig auf den sogenannten sozialen Medien – der Trend geht zur Vereinzelung oder zur Mitgliedschaft in Kuschelgruppen.

Wie auch immer: Ich hatte einen sehr anregenden Dialog mit einer Leserin, sowie drei sehr positive Rezensionen, die entweder bei LovelyBooks und/oder auf den Buchverkaufsplattformen nachzulesen sind. Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank!

Für mich war die Leserunde auf jeden Fall eine positive Erfahrung. Daher habe ich vor, den dritten Teil meiner Dystopie „aus der Welt nach dem Letzten Krieg“ ebenfalls bei LovelyBooks lesen zu lassen.

 

Federteufel Workshop in Esslingen 1. und 2. Juli 2017

Es gibt Dinge, die macht man am besten im Präsens. Zum Beispiel Workshops. Am 1. und 2. Juli stand der zweite der Federteufel an. Wer es nicht weiß: Die Federteufel sind ein kleines Forum am Rande der Sichtbarkeit, in das sich eine Gruppe unermüdlicher Schriftsteller und solche, die es werden wollen, zurückziehen, um ihren Werken den Rest letzten Schliff zu geben. Neben dem allseits beliebten Rost für Textausschnitte, an denen das Teufelsvolk sachliche Kritik zu üben hat, schlummern in den unteren Gewölben eiserne Jungfrauen Charaktercouches gleich neben dem Plotlochreservoir, links neben dem Kohlenkeller. Wer hier eintritt, lässt jede Hoffnung fahren. 😉

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Die Altteufel helfen gerne den neu hinzugekommenen Schreiberseelen mit Tips und Tricks, insbesondere zum angewandten Handwerk des Schreibens. Voraussetzung für ein gutes Miteinander ist der Wunsch, das Schreiben ernsthaft zu betreiben und besser werden zu wollen.

Da der erste Workshop in 2016 ein voller Erfolg war, trafen sich auch in diesem Jahr alle, die Zeit und Lust hatten, im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen. Schwerpunkt waren am ersten Tag die mitgebrachten Exposees und Textabschnitte, die durchleuchtet und diskutiert wurden. Jeder, der etwas vorgestellt hat, hat jede Menge Anregungen erhalten. Für die Leser war es interessant, über den eigenen Genre-Rand hinauszuschauen, was es sonst noch an lesenswerten Stoffen gibt. Young Adult, Krimis verschiedener Fachrichtungen, Fantasy, Dystopie. Auch die Sinne kamen nicht zu kurz. Kulinarischer Höhepunkt beim Schoko-Experten-Workshop war die Beantwortung der Frage, welcher Wein denn am besten zu welcher Schweizer Schokolade passt – es gab sehr befriedigende Antworten. Gefolgt von einem Vortrag von Lupa zum Thema Beschreibungen.

Dem Ende des offiziellen Teils folgte ein Abendessen. Meinungen und Informationen zu geplanten und veröffentlichten Texten wurden ausgetauscht. Ich kann für mich sagen, dass es mich freut und motiviert, dass eine meiner wichtigsten Protagonisten – Imara Socotada – bei den Autorenkollegen sehr unterschiedlich gesehen wird. Es gab zu einem anderen Kollegentext emotionale Diskussionen über einen Protagonisten, mit dessen frühem und plotgerechtem Ableben nicht jeder einverstanden war. Da existieren durchaus genrespezifische Unterschiede in der Anschauungsweise.

Am Sonntag, nach ausgiebigen Frühstück, gab es einen Vortrag von Mooncat zum Thema Plotlöcher. Nun wissen wir alle, wie man die einsetzt. 😉 Anschließend stellte uns Trallala Selfpublishing am Beispiel Amazon vor.

Dann wurde es ernst. Trallala scheuchte die Autoren in zufälliger Reihenfolge nacheinander auf die Bühne, wo sie, mit Scheinwerferlicht im Gesicht und Mikrofon im Mund (ok, in der Nähe des Mundes) ihren Text wie bei einer Lesung vortragen mussten. Sehr erhellend. 😉 Besonders die anschließende Manöverkritik. Alle Texte waren interessant, bei manchem Vortrag blieb nur die Frage offen, warum der Autor damit nicht sein Geld verdient. Nicht nur mit dem Text, sondern auch mit absolut professionellen Vortrag. Ich sage nur das eine: Dackelbowle!

Das Ende der Veranstaltung bildete der längere Ausklang, in dem über #litcamp17 berichtet wurde sowie geplante Aktivitäten im Federteufel-Forum zur Diskussion anstanden.

Ich glaube für alle sprechen zu können, wenn ich behaupte, dass wie im letzten Jahr eine Menge interessanter Informationen und Standpunkte vorgetragen wurden. Ich wünsche mir, dass der Workshop im nächsten Jahr wieder stattfindet.

 

 

#litcamp17 – Bericht

Ryek myst

Nachdem ich  eines der begehrten Tickets über eine Verlosung ergattern konnte, fand ich mich am 24. Juni gegen 8 Uhr morgens am Dezernat16 in Heidelberg ein. Nach freundlicher Begrüßung bekam ich gleich einen großen Beutel mit Brot in die Hand gedrückt. Nicht zum Essen. 😉 Sondern um bei Aufbau des Frühstücks zu helfen. Merke: Barcamps funktionieren nur, wenn jeder etwas dazu (bei)trägt.

Um 09:30 begann dann der offizielle Teil. Hand aufs Herz: Wer hat jemals erlebt, dass Beamer und Funkmikros gleich am Anfang so funktionieren wie gewünscht? Ich noch nie, auch nicht in meinem Brotjob. Da muss es eine Verschwörung geben. Das Problem wurde gelöst und hinterließ bei mir den Eindruck professioneller Hemdsärmeligkeit im besten Sinne. An dieser Stelle ein großes Lob an das Orgateam und alle Helfer, die die Veranstaltung in den zwei Tagen so angenehm und für die Besucher reibungsfrei über die Bühne gebracht haben!
Nach der Kurzvorstellung der Teilnehmer (Name und 3 Hashtags) ging es in die Sessionplanung. Ab hier werde ich nur noch stichpunktartig über das berichten, was ich für mich mitgenommen habe.

 

Die erste Veranstaltung, an der ich teilnahm, war eine Diskussion über das Verhältnis zwischen Selfpublishern und Buchbloggern. Abgesehen davon, dass das Thema nicht vollkommen emotionsfrei ist, wurden die Standpunkte sowie die beschränkenden Randbedingungen sehr konkret und für alle nachvollziehbar dargestellt. Danke dafür. Auf einige – mit der Diskussionsrunde abgestimmte – Stichpunkte reduziert ist der Stand der Dinge und Meinungen (ohne Kommentar, der kommt getrennt):

  • Selfpublisher sollten sich selbst stärker organisieren und z.B. über Newsletter eine Vorsortierung für die Blogger leisten, im Sinne einer Buchvorschau. Sie sollten selbst dazugehörige Plattformen etablieren. Am besten genrespezifisch.
  • Buchblogger sind üblicherweise komplett ausgebucht, darum haben die meisten keine Zeit, um auf individuelle Anfragen zu reagieren.
  • Es ist unfair, sich gegenseitig vorzuwerfen, füreinander keine Zeit zu haben. Sondern es ist Fakt.
  • Selfpublisher sollten sich unbedingt mehr für Buch-Blogs interessieren, die zu ihren Genres passen.
  • Professionelles Miteinander ist Pflicht.
  • Generelles Problem ist die Informationsüberflutung und Zeitmangel für nicht primäre Tätigkeiten (Schreiben, Lesen, Bloggen).

So weit das Protokoll. Hier mein Kommentar, inklusive ein wenig Ironie:

Wenn ich die oben genannten Statements semantisch aufbereiteten, heißt das dann, sehr plakativ formuliert:
Aufgrund der hohen Auslastung mit einem Thema, das mit viel Herzblut betrieben wird, nehmen sich die meisten Blogger nicht (mehr) die Zeit, in der großen Auswahl von angebotenen Texten nach Perlen zu tauchen. Sie bevorzugen vorsortierte und qualitätsgesicherte Produkte. Daher sollten die SPler den Bloggern ihre Texte idealerweise über einen Publikumsverlag zur Rezension zukommen lassen. Klingt ein wenig nach Hauptmann von Köpenick, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dasselbe Problem haben natürlich auch die Autoren, da bei ihnen nicht endlos Zeit für Marketingmaßahmen zur Verfügung steht.
Das auf diesem Weg auch sehr gute unbekannte Verlagsautoren kaum den Weg zu Buchbloggern finden, lasse ich einmal dahingestellt.

Ein anderer Vorschlag war, dass sich die SPler untereinander besser vernetzen und mehr über die Werke ihrer Schreibkollegen auf ihren eigenen Blogs berichten sollen. Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen, sprich Zeit, wird das für die meisten wohl der realistische Weg sein, Leser zu erreichen. Und, ganz offen: Wir SPler können uns da an der eigenen Nase fassen (damit ist auch meine Nase gemeint). Ich bin auf Facebook in einigen Gruppen, in denen entweder begrenzt Werbung erlaubt ist oder die sogar eigene Werbegruppen haben. Wenn ich bei einer theoretischen Reichweite von 10.000 Facebookern mein Angebot nicht einmal 5 (in Worten: fünf) mal geteilt bekomme, dann stellt sich mir irgendwann die Frage, warum ich mein Wissen und meine Erfahrung mit anderen teilen soll für eine Handvoll Likes. Nein, es geht hier erst einmal nicht um Vertrieb und Verkauf, sondern darum, sich gegenseitig und fair einen Mehrwert zu liefern.

Mein Fazit:

  • Stärker mit anderen SP-autoren vernetzen.
  • Rezensionsexemplare an Blogger auch weiterhin gerne. Auf Nachfrage. Oder wenn es sich von selbst über Kontakte in den sozialen Medien (oder bei litcamps) ergeben sollte.

Denn alle Professionalität (die ich voraussetze) hilft nichts ohne die Bereitschaft zu einem konstruktiven Miteinander.

Wer in der Szene etwas bewegen will, der muss raus aus dem Kuschelkörbchen. Das war übrigens auch das Ergebnis aller Diskussionen zu anderen Themen, bei denen ich dabei war.
Wer mag, darf dazu gern einen konstruktiven Kommentar hinterlassen. Besser noch: einen konstruktiven Vorschlag.

 

In der nächsten Session ging es um Content Marketing. Ein Thema, vor dem ich mich immer drücke.
Ich war sehr positiv überrascht, dass man mit recht einfachen Mitteln dem Reizwort „Zielgruppe“ auch als Marketingverweigerer nahekommen kann. Das Modell der Charakterbeschreibung des typischen Lesers des eigenen Textes hat etwas. Wichtige Erkenntnis: Was tut dein simulierter Leser noch, außer dein Buch zu lesen? Gibt es zum Beispiel über gemeinsame andere Interessen die Möglichkeit, auf dein Buch aufmerksam zu machen? Eventuell in nicht-Schreib-Foren? Was mir sehr sympathisch war, dass es in der Veranstaltung nicht darum ging, zu zeigen, wie man auf Biegen und Brechen etwas verkaufen kann, sondern dass es viel besser über die Vermittlung von positiven Mehrwerten geht, die mit dem Produkt Buch nichts zu tun haben müssen.
Marketing muss ehrlich sein. Ist auch meine Meinung.

 

Nächste Session: Twitter
Ich fand es erstaunlich, dass jemand in einer Dreiviertelstunde erklären kann, wie Twitter für dich funktioniert und was du besser sein lassen solltest.
Wichtigste Erkenntnisse:
– Beschäftige dich mit deinen Followern. Persönlich. Nicht mit Tweetgeneratoren.
– Tritt professionell und authentisch auf.
– Keine Crosspostings.
– Du bist für deine Follower so attraktiv wie deine letzten 20 Tweets. Falls die nur aus Werbung für dein vertriebliches Anliegen bestehen sollten, nunja, siehe den vorherigen Textblock  …

 

Die Session über Dos und Dont’s des Selfpublishing brachte mir ebenfalls einige interessante Erkenntnisse. Viele junge Leser scheinen Literatur im Sinne einer Telenovela zu konsumieren. Daher sollte die Veröffentlichungsfrequenz eines Verlagsautors bei einem Buch pro Jahr liegen, bei einem Selfpublisher mindestens bei zweien. Wenn man vom Schreiben leben will und kein gefragter Bestseller-Autor ist.
– Die Vermarktung muss rechtzeitig VOR der Veröffentlichung beginnen.
– Entwickle deine Autorenmarke.
– Halte regelmäßigen Kontakt zu deinen Lesern, binde sie in den Prozess der Erstellung deines Buches mit ein.
– Die eigene Webseite ist Pflicht. Idealerweise auch ein Newsletter.
– Orientiere dich mit dem Preis deines Buches am Wettbewerb. Was nicht heißt: Ich kann billig. Denn das können alle.

Den Bericht über den sogenanntem gemütlichen Teil lasse ich aus. 😉 Für mich waren beide Tage sehr angenehm, offen, konstruktiv und unterhaltsam. Wenn auch etwas anstrengend. 😉

In der Session über Coverdesign wurde kurz zusammengefasst, mit welchen Dingen man sich unbedingt beschäftigen sollte, bevor man ernsthaft darüber nachdenkt, selbst ein Buchcover zu erstellen. Wie zum Beispiel Typografie, sowie Grundlagen der Farbenlehre und Bildgestaltung. Frei nach Ratatouille: Jeder kann Cover, wenn er das Handwerk kennt und entsprechend lange übt. Wer lieber schreibt, sollte sich umsehen bei denen, die lieber Cover designen als Bücher schreiben. Um ein gutes Cover zu erstellen, braucht es zwei bis fünf Tage. Wenn man weiß, was man tut. Sonst entsprechend länger. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Meine Cover sind maximal brauchbar für den Zweck, aber immer mit dem Thema des Buches verbunden. Was ebenfalls wichtig ist. Trotzdem verschenkt man mit weniger guten Covers Marketingpotential, denn der erste Blick des potentiellen Lesers geht zum Cover.

 

Hochinteressant auch der Beitrag, welche Dinge man aus Pen-and-Paper Spielen für den Weltenbau und das Schreiben mitnehmen kann. Insbesondere dann, wenn man den Spielleiter gibt:
– Macht das Setting für den Leser greifbar. Aber verhindert, dass er in Details festhängt.
– 20 Stunden Recherche für ein zum Weltenbau gehörendes Strukturelement, zum Beispiel Wetter, ersetzen zwar kein Studium, vermitteln aber genug Wissen, um keine offensichtlichen Fehler beim Setting zu machen.
– Struktur muss da sein, bevor die Akteure anfangen, sich zu bewegen.
– Jede Handlung des Charakters bestimmt, was er in Zukunft kann. Aber seine Umwelt wird ihn über die Zeit formen.
– Die Struktur steuert den Charakter indirekt. So kann Deus es Machina verhindert werden.
– Gebe der Exposition den Vorzug vor der Informationsvermittlung.
– Kenne die Fachgebiete und ihre Zusammenhänge, die du zum Weltenbau benötigst.
– Die Struktur bestimmt die Welt. Und, situationsbezogen, die Handlung des Charakters. Spontan und logisch.

 

Zwischendurch ein Einblick in ein sehr spezielles Verlagsthema: Heftromane! Gibt es immer noch. Für die an der Session Beteiligten war es sehr interessant, zu erfahren, wie die Heftromanserie „Perry Rhodan“, die seit September 1961(!) ununterbrochen jede Woche erscheint, produziert wird. Und dass es durchaus nicht so ist, dass jede Neuerung im Buchsektor automatisch dafür sorgt, dass die Leser darauf abfahren. Nicht nur der Verkauf des Themas, sondern auch das jeweilige Medium und die Präsentation haben enormen Einfluss auf den Erfolg. Abhängig von der Leserschaft kann sogar das alte Format das gewinnbringendere sein. Ich wünsche der Serie auf jeden Fall noch einen langen Bestand. Denn abgesehen davon, dass auch mancher bekannte deutsche SF-Autor hier seine Spuren hinterlassen hat, ist sie ein einzigartiges Zeitdokument, da die erzählten Geschichten immer eine Referenz zu aktuellen Weltpolitik sowie der Gesellschaft hatten und haben.

 

Die Vorstellung dessen, was Lektoren machen, hat auf interessante und nachvollziehbare Weise gezeigt, was sie leisten können. Ja, sie können, zusammen mit dem Autor, aus einem guten Text ein besser lesbares Buch machen. Aber nur dann, wenn alle beteiligten Seiten (Autor, Lektor (Verlag)) das auch gemeinsam wollen. Es ist und bleibt eine wertvolle und sehr persönliche Dienstleistung.

 

Das sind in Kürze die Highlights, von denen ich annehme, dass sie für die Leser dieses Blogposts interessant sind.

Da eine Veranstaltung wie ein #litcamp ohne Sponsoren nicht zu einem Preis angeboten werden kann, den sich alle leisten können, hier der Link auf die Sponsorenliste des diesjährigen litcamps.

Für mich waren es zwei hochinteressante Tage, in denen ich viele Menschen kennengelernt habe, mit denen man sich gut unterhalten konnte, auch wenn die Meinungen ab und zu auseinandergingen. Mich hat die Veranstaltung weitergebracht und am Ende war ich ziemlich geschafft. 😉

Nochmals ein großes Dankeschön an alle, die so etwas durch ihren ganz persönlichen Einsatz möglich machen. Und für das leckere vegane Essen! Und, und, und …
Ich werde gern auch im nächsten Jahr wieder nach Heidelberg kommen. Lieber als zu einer Buchmesse.

 

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.