Jahresrückblick 2017

Schreiben

Ich habe zwei Bücher fertiggestellt und veröffentlicht, die von ihrem Inhalt her sehr unterschiedlich sind. Das erste, eine urban Fantasy Geschichte, hat sich aus einem früheren NaNoWriMo Projekt ergeben und handelt von einem Inspektor, den seine Mordfälle als Geister besuchen kommen, was sich allerdings als wenig hilfreich bei der Bearbeitung erweist. Inspektor Mops ist schon seit Jahren mein Sparringspartner für amüsante Dialoge. Nun hat er, nach einigen Kurzgeschichten, einen längeren Text bekommen, der das Krimi- und Thriller Genre auf die Schippe nimmt, sich aber an die formalen Regeln hält. Ein ziemlich schräger Roman, der gut bei meiner Leserschaft angekommen ist.

Den habe ich auch als Ausgleich für den zweiten Text gebraucht, bei dem es sich um einen düsteren Höhepunkt meines Lieblingsprojektes handelt, an dem ich seit 2012 schreibe:

Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg

Ich habe es mir mit dem dritten Teil meiner dystopischen Saga nicht leicht gemacht. Der Verlauf der Handlung hat mich mehr als einmal vor die Frage gestellt, ob ich es schaffe, diese in für meine Leser angemessene Form zu übersetzen. Ich denke, ich habe es gut hinbekommen, was mir auch von Leserseite bestätigt wurde. Und so habe ich schon ein Arbeitspaket für 2018 ff, nämlich den vierten Teil zu schreiben. 😉

Beide Bücher wurden auf der Leseplattform LovelyBooks zum Rezensieren angeboten. Meine Erfahrung dieses Jahres ist es , dass es im Vergleich mit den Vorjahren immer schwerer wird, engagierte Leser zu finden, die über ihren Tellerrand hinauslesen wollen.

Dann gab es noch den NaNoWriMo 2017, an dem ich teilgenommen habe. Die 50.000 Worte waren aufgrund anderer Verpflichtungen dieses Jahr zwar nicht von mir zu schaffen, dennoch bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, aus dem wohl auch ein Inspektor Mops Roman werden wird.

Messen

Ich habe die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt nicht besucht. Wenn man eine gesehen hat, hat man alle gesehen. 😉 Ich habe sie allerdings in den sozialen Medien verfolgt und mir ist nicht entgangen, dass die Veranstalter große Schwierigkeiten haben, sie vor Dingen zu schützen, die meiner Meinung nach dort nicht hingehören. Es ist wichtig, dass sich Literatur mit aktueller Politik beschäftigt, zur Meinungsbildung beiträgt und auch polarisieren darf. Dennoch sollten die Veranstalter eine Buchmesse darauf achten, dass ihre Veranstaltungen nicht als Aufmarschgebiet radikaler politischer Strömungen missbraucht werden. Die hier zur Schau gestellte angebliche Hilflosigkeit der Veranstalter hat mich abgestoßen. Wenn man bedenkt, dass der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood gegangen ist, entsteht bei mir ein ziemlich schräges Gesamtbild der politischen Kultur in der deutschen Buchbranche.

Vernetzung

Ich habe dieses Jahr das Litcamp in Heidelberg besucht. Eine für mich hochinteressante Veranstaltung, in der ich sehr viel rund um Bücher, den Buchmarkt und Selfpublishing mitgenommen habe. Und ich bin mittlerweile auch auf Twitter zu finden. Meinen Facebook-Account gibt es schon länger. Der wird allerdings immer uninteressanter, da, meinem Eindruck nach, Facebook die geschaltete Werbung nicht mehr ausreicht, sondern über Änderung der Algorithmen der Vernetzungsgedanke immer mehr ad absurdum geführt wird. Relevanz und Reichweite scheinen immer mehr davon abhängig zu sein, wie viel man dafür zu bezahlen bereit ist. Nichts gegen bezahlte Werbung. Aber hier wird, wie in vielen anderen Bereichen der Werbenden Kommunikation, zunehmende Lautstärke anstelle von interessantem Content als Mittel der Wahl verstanden, um Aufmerksamkeit erregen zu wollen.

Fazit

Alles in allem hat mich dieses Jahr weitergebracht, was sich auch an den unten abgebildeten Covers ablesen lässt. Das linke ist das neueste und das erste, welches nicht von mir ist. 😉

Trotzdem: Don’t judge a book by its cover. Es gibt auch noch den Klappentext und den Inhalt.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern und Followern eine schöne, friedliche und entspannte Weihnachtszeit.

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Vielfalt gerne – aber mit Augenmaß

©Ryek Darkener 2016

Nachdem mich im NaNoWriMo die Textflaute erwischt hat, spendiere ich zum Ausgleich eine Szene aus Monstra Coelorum, mit begleitenden Text.
Es gibt zur Zeit etliche interessante Beiträge mit dem Thema die Rollen von Mann und Frau in der Handlung von Romanen zu hinterfragen und sich im Sinne von Realismus und Gleichberechtigung vom Altbewährten zu lösen, auch andere Teile einer globaler werdenden Gesellschaft wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Menschen unterschiedlicher Hautfarben, aus anderen Kulturen, Menschen deren Geschlecht nicht zwingend männlich oder weiblich ist, und so weiter.
Bei allem Enthusiasmus ist das, für mich, eine Sache, die sich nicht als Zwang manifestieren sollte. Weil sonst aus einer guten Absicht heraus schnell etwas gut gemeintes werden könnte. Die erzählte Geschichte lebt durch die Interaktion der Charaktere, und für die gilt nun einmal nicht der Proporz, sondern die Handlung, die zu den handelnden Personen passt. Mit einem anderen Ansatz ist weder der Geschichte noch dem Leser noch dem Thema geholfen.
Wer Zugang hat und es kann, dem bieten sich viele Möglichkeiten, Texte zu schreiben, die bisher aufgrund der Konstellationen kaum Akzeptanz fanden.
Das heißt nicht, dass die bisherigen Muster außen vor sind. Im Gegenteil. Hier kann man – vorsichtig – den eigenen Horizont und den des Lesers erweitern, indem man den Mut aufbringt, mit eigenen Berührungsängsten zu spielen. Irgendwo ist jeder Schriftsteller ein Teil seiner Protagonisten. Das macht sowohl den Text als auch den Autor authentischer. Als Möglichkeiten bieten sich hier sowohl der Weltenbau als auch der Subtext an. Was, wenn die Protagonisten zum Beispiel aus einer Welt kommen, in denen es eine Reglementierung bezüglich der Nachkommenschaft gab? Bestimmte Dinge ergeben sich dann wie von selbst.

Hier ein Beispiel:

Rabea klopfte an die Tür des Blockhauses.
„Herein!“, forderte eine jugendliche Stimme sie auf.
Rabea trat ein. Der Raum war aufgeräumt, hell und freundlich. Ein spartanischer Büroraum, einige Aktenschränke, ein Schreibtisch mit Datenkabinett und ein paar Sitzgelegenheiten, Der junge dunkelhaarige kräftige Mann, der am Schreibtisch auf einer Decke saß, die über Sitz und Stuhllehnen gelegt war, machte eine einladende Handbewegung und lächelte sie offen an.
„Ich bin Katsu. Nimm bitte Platz. Ich mag es nicht, wenn die Leute auf mich herabsehen. Verrätst du mir deinen Namen und wo du herkommst?“
„Rabea Weiser. Wien. Erde. Sol.“ Sie erwiderte das Lächeln. „Na ja, nicht direkt. Ich wurde in Nargala untergebracht, in der Nähe der Carinaeischen Botschaft.“
„Das habe ich aus den Nachrichten erfahren. Die Ankunft der Reisenden, wie man euch genannt hat, hat bei uns im Menschenreservat einiges Aufsehen verursacht. Aber zu einer offiziellen Kontaktaufnahme hat man sich bisher nicht durchringen können.“
Rabea schloss die Tür, hängte ihre Jacke an die Garderobe, kam zu Katsu und setzte sich auf den gepolsterten Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches.
„Das erinnert mich an zu Hause. Irgendwie“, gab sie zu.
Katsu sah sie interessiert an. „Ihr kommt tatsächlich von der Erde?“
„Ja. Ist das so ungewöhnlich?“
„Allerdings. Das letzte Mal hatten wir vor … über 500 Jahren der irdischen Zeitrechnung Besuch von der Erde erhalten. Einer der sogenannten Stifter. So steht es zumindest in unseren Geschichtsbüchern.“
„Ein Stifter? Welcher? Was wollte der denn von euch?“
„So weit überliefert wollte er, dass wir zur Erde zurückkehren.“
Rabea war erstaunt. „Warum?“
„Im Letzten Krieg sind alle nicht im irdischen Sonnensystem lebenden Menschen hier interniert worden. Sowie einige wenige Erdenmenschen, die sich am Letzten Krieg nicht beteiligen wollten. Der Stifter hatte wohl gehofft, dass genug von uns nicht von Virdin Maxfords Geschenk infiziert worden wären. Er hat sich geirrt.“
„Ihr nehmt Palliativum?“
Katsu schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Das tun wir nicht. Der Preis der Abhängigkeit von den Yu-xarren Händlern ist uns zu hoch gewesen.“ Er lächelte schräg. „Du hast bestimmt schon von den Yu-xarren gehört?“
„Sicher.“
„Die müssen schon damals keine Freunde gehabt haben. Niemand macht mit denen gern Geschäfte. Heißt es. Es sei denn schmutzige. Heißt es.“
„Aber …“ Rabea suchte nach den passenden Worten. „Das bedeutet, dass ihr fremde Kinder zulasst? Seit Jahrhunderten? Und die Metamorphose?“
„Ja. Es war damals die mehrheitliche Entscheidung, nicht den Weg der Erde zu gehen. Wir hatten große Angst. Ob wir dem Hass auf das Fremde, der die Erde beinahe vernichtet hatte, widerstehen könnten. Aber noch mehr Angst hatten wir vor einer Versklavung durch die Yu-xarren. Einige wenige, die sich für das Palliativum entschieden, sind mit dem Stifter auf die Erde zurückgekehrt. Wir haben unserer Entwicklung eine andere Richtung gegeben. Es gab und gibt hier keine Bewertungsverfahren. Ungefähr ein Drittel der Nachkommen einer rein irdisch-menschlichen Verbindung ist nicht-irdisch. Durch freiwillige Zuchtwahl haben wir unsere Gesellschaft stabilisiert und das Durchschnittsalter erhöht. Es ist bei uns üblich, sein Leben selbst beenden zu dürfen, wenn der Zeitpunkt der nicht durchführbaren Umwandlung gekommen ist. Ein schneller, sauberer Tod, statt der jahrelangen Abhängigkeit von einem Medikament und dessen Händlern.“ Katsu lächelte selbstbewusst. „Keine Versteigerungen um der Erhaltung der Art willen. Jedes Lebewesen, das hier geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“
Rabea konnte ihren Unglauben nicht verbergen. „Ich bitte um Nachsicht, aber das hört sich für mich wie ein Märchen an.“
„Wir haben mittlerweile Jahrhunderte Erfahrung mit diesem märchenhaften Konzept. Es hat sich ausgezahlt. Alle hier Lebenden genießen vollständige Freizügigkeit im Gebiet der Liga, wenn sie es wollen.“ Seine Augen glänzten stolz. „Wir haben unsere Schulden bei den anderen Völkern der Liga schon lange bezahlt.“
„Dann bin ich also vergeblich gekommen.“
„Es kommt darauf an. Wenn du jemanden suchst, der mit euch in einen Krieg ziehen soll, dann ja. Aber der Bericht von eurer Flucht hat das Interesse bei unseren Oberen geweckt. Wir haben eine Anfrage von der Liga bezüglich historischer Daten bekommen. Jemand hat eine Überprüfung des Falles sowie eine Beratung beantragt. Ich wusste gar nicht, dass die Erde bei der Liga noch ein Thema ist. Eine gewisse Imara Socotada hat, unterstützt von einem Herren des Himmels, den Antrag in die Gremien der Liga gebracht. Kennst du sie?“
„Ja.“
„Deinem Gesichtsausdruck nach scheint sie bei dir nicht besonders beliebt zu sein. Hattet ihr Streit?“, fragte Katsu.
„Nein. Aber sehr unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Dingen. Sie hat mir die ihren in der Fähre zwei Jahre lang vorgebetet! Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir die Flucht ohne sie nie geschafft hätten.“
„Du hast sehr viel Zorn in dir.“
Rabea nickte. „Ja. Das habe ich. Meine Mutter hätte nicht im Kampf sterben müssen, wenn die Erde nicht vom Direktorat unterdrückt würde.“
„Und deshalb willst du ihren Tod rächen. Oder beim Versuch dein Leben wegwerfen“, stellte Katsu fest.
In Rabeas Stimme war kein Zweifel, kein Zögern. „Ja. Das ist mein Wunsch und Wille.“
„Den Spruch, dass derjenige, der das Schwert aufnimmt, durch das Schwert sterben wird, kennst du wahrscheinlich.“
„Das fürchte ich nicht.“
„Und du bist sicher auch bereit, alle dir nahestehenden Personen zu betrauern, die auf deinem Weg vor dir oder an deiner Seite sterben werden, nehme ich an.“
Rabea zuckte zurück. „Was willst du damit sagen?“
Katsu sprach eindringlich weiter. „Ich nehme an, dein Dissens mit Imara beruht darauf, dass sie vergeblich versucht hat, dir zu erklären, was es bedeutet, kämpfen zu wollen. Im Gegensatz zu kämpfen zu müssen.“
„Du hast recht. Das hat sie.“
Katsu seufzte. „Unsere Informationen beschreiben Imara als geschickte Diplomatin, nicht als Kriegstreiberin. Immerhin hat sie einen Herren des Himmels auf ihre Seite gebracht. Na gut. Ich weiß jetzt genug über dich.“
Er nahm den kabelgebundenen Kommunikator vom Schreibtisch auf, wählte eine Nummer und hielt den Hörer an sein rechtes Ohr. „Katsu hier. Wir sind so weit. Wann passt es bei euch? In Ordnung.“
Er legte auf. „Erweist du mir die Ehre, mit einigen Vertretern der Kolonie und mir zu mittagzuessen? Wir haben viele Fragen zur Erde, und du hast bestimmt Fragen zum Reservat.“
Rabea stand auf. „Gerne.“ Sie holte ihre Jacke und zog sie an. Als sie sich umdrehte, saß Katsu immer noch.
„Was ist?“, fragte sie erstaunt.
„Wenn du mir ein wenig behilflich bist, kommen wir beide schneller voran.“
Er zog die Decke von den Lehnen und deckte sich damit die Beine zu.
Rabea starrte betroffen und unsicher auf die Räder des Rollstuhls. „Du bist …“
Katsu fuhr um den Schreibtisch herum und hielt vor Rabea. „Seit Geburt. Wie ich bereits sagte: Jedes Lebewesen, das bei uns geboren wird, ist ein willkommenes Geschenk.“ Er reichte ihr die rechte Hand. „Kommst du?“

Tabula Rasa: Romananfang

DSvU Tabula Rasa CoverIch weiß, dass häufig davon gesprochen wird, den Leser bereits mit dem ersten Satz in die Handlung zu ziehen. Weil er angeblich nur dann auch den zweiten Satz liest.

Dem als generellem Anspruch stehe ich skeptisch gegenüber. Mag daran liegen, dass ich früher gerne (und gar nicht einmal so schlecht) Schach gespielt habe. Da stehen sich auf dem Brett sechzehn schwarze und sechzehn weiße Figuren gegenüber, getrennt durch vier Felder, die zu Beginn der Partie nicht mit einem einzigen Zug überwunden werden können. Es gibt keinen erlaubten Zug, mit dem der Spieler mit den weißen Figuren den gegnerischen König sofort ins Schach stellen könnte. Er kann ihn nicht einmal in Bedrängnis bringen. Trotzdem sind die ersten Züge – bei gleich starken Spielern – entscheidend. Aber das stellt sich üblicherweise frühestens im Mittelspiel heraus.

Schach ist nichts für Menschen, die auf „Quick Wins“ aus sind. Vorausschauendes Denken ist gefragt, Freude an komplexen Zusammenhängen und langfristiger Planung. Dem Gegner einen Vorteil gewähren, welcher, wenn er ihn nutzt, das Spiel gegen ihn entscheiden wird. Um nur einige Aspekte anzureißen.

Daher mag ich auch Bücher, die einen gewissen Anlauf nehmen, bevor die Sache wirklich interessant wird. Die nicht auf die kurze Aufmerksamkeitsspanne setzen, sondern nach und nach das Netz immer enger ziehen.

Der Morgen des 10. November 499 Neuer Zeit war eisig kalt und klar. Raureif glitzerte an den Stahlzäunen, die den Bahngraben begrenzten. Er zog sich von Horizont zu Horizont wie ein Lineal durch die Landschaft. Eine Rauchfahne näherte sich von Osten mit mäßiger Geschwindigkeit. Ein gleichmäßiges Zischen begleitete die Bewegung. Der Zug kam in Sicht – ein Lindwurm, auf mittig angebrachten Rädern balancierend. Er glitt vorbei, weißer Rauch verhüllte für eine Weile den Graben, der in der Dämmerung zurückblieb.

„Darf ich mich zu dir setzen?“
Kaija Neran knüllte den Brief mit der rechten Hand zusammen und blickte auf. Vor ihr stand ein Mann, etwa dreißig. Allerweltsgesicht, interessierter Blick, grauer Anzug. Im Zug gab es mehr als genug andere freie Plätze. Kaija glaubte nicht, dass sie den Eindruck machte, auf der Suche nach Gesellschaft zu sein. Sie zuckte resignierend mit den Schultern. „Ja, natürlich. Warum nicht?“
Sie stellten einander vor. Kaija hatte seinen Namen bereits vergessen, als er sich setzte. Der Zug überquerte eine Brücke. Kaijas Blick ging, ohne zu sehen, über nicht enden wollende verschneite Wälder, wie mit weißem Puderzucker bestäubt. Ein paar eingestreute Lichtungen. In der Ferne Rauch, unter einem stahlblauen Himmel. Das Singen der Gyroskope der Monorail hatte etwas Einschläferndes, Traumhaftes. Ein Stück Zukunft aus der Vergangenheit, Erinnerungen an eine zerstörte Welt.
„Ein herrlicher Morgen, nicht wahr?“, fragte er, um ins Gespräch zu kommen.
„Wenn du es sagst“, antwortete Kaija automatisch. Sie wandte sich ihrem Gegenüber zu und rieb sich die Augen, um Zeit zu gewinnen. „Entschuldige, ich wollte nicht unhöflich sein“, fuhr sie mit leiser Stimme fort. „War eine lange Fahrt. Ja, sehr schön. Grün und Weiß, Weiß und Grün. Ein wenig eintönig. Nichts anderes zu sehen zwischen Wien, München und Ulm.“
Er lächelte vorsichtig. „Du machst einen bedrückten Eindruck auf mich. Dieses Jahr endet die Bleierne Zeit. Dann liegt der Letzte Krieg ein halbes Jahrtausend hinter uns. Ist das für dich kein Grund zur Freude?“
„Wenn du es genau wissen willst, ich wünsche mich gerade fünfhundert Jahre weiter.“
Ihr Gegenüber bemerkte den unterdrückten Ärger in Kaijas Stimme und sah sie abwägend an.
Kaija musste schräg zu grinsen. „Ja. Die Pflicht. Sieht man es mir so deutlich an? Fast vierundzwanzig, kinderlos, keine feste Beziehung. Nicht ganz der Vorstellung der Stifter entsprechend.“
„Magst du keine Kinder?“
Kaija strich den Papierball glatt und faltete das Blatt mehrmals, verlegen, fast entschuldigend. „Nein. Das ist es nicht. Ich hätte mir nur lieber meinen Partner selbst ausgesucht, anstatt ihn jetzt von den Vereinigten Kirchen vorgeschrieben zu bekommen. Ja, es ist gemäß den Regeln, ich weiß. Und es ist meine Schuld und Pflicht. Trotzdem fühle ich mich verschachert wie eine Kuh.“
„Du bist in deiner freien Wahl eines Partners dadurch doch in keiner Weise eingeschränkt. Die Versteigerung ist doch nicht mehr als die notwendige Ergänzung, um die Zukunft der Menschheit sicherzustellen.“ Er zwinkerte ihr zu. „Ich bin sicher, dass es für die Vereinigten Kirchen ein lukratives Geschäft wird.“
Kaija seufzte. „Da magst du wohl recht haben. Wer weiß schon, wie oft ich zum Abschuss freigegeben werde, solange ich keine eigene Wahl getroffen habe oder schwanger werde. Alle vier Monate ein Mann, an den ich nicht einmal gedacht habe. Und der Einsatz eines jedes Bieters geht an die VK.“

 

 

Schreibhandwerk: Plotten

Hallo zusammen!

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben. Nach der Veröffentlichung von Inspektor Mops – Common Sense und Monstra Coelorum wird es dieses Jahr nichts Neues mehr von mir geben. 😉

Die nächste größere Aktion ist der NaNoWriMo. Alle Jahre wieder versuchen weltweit Autoren, innerhalb eines Monats fünfzigtausend Worte zu Festplatte zu bringen. Für berufsmäßige Schreiber wahrscheinlich keine allzu große Herausforderung. Aber wer das neben seinem Brotberuf schaffen will, der muss gut planen und auf die Unterstützung seiner Umgebung vertrauen.

Apropos planen. Die Schreibwelt teilt sich ja angeblich in diejenigen, die einfach drauflosschreiben und die, die vorher alles ganz genau festgelegt haben müssen. Die Wahrheit ist wohl eher, dass einige Wenige tatsächlich die gesamte Storyline im Kopf behalten können, während die anderen den Aufwand scheuen und deshalb oft mit ihrem Werk nicht fertig werden, weil sie nicht mehr wissen, worum es darin eigentlich ging. Ja, das war polemisch. Wem der Schuh passt, der kann ihn sich anziehen. 😉

Ich gehöre zu den Planern. Und bekomme trotzdem nicht jeden meiner gewünschten Texte fertig. So ist das nun mal.
Aber ich möchte den (bisherigen) Plot-Verweigerern einmal mit einem kurzen Abriss demonstrieren, was ihnen eigentlich entgeht.

Mein Roman Monstra Coelorum hat ungefähr 135.000 Worte, 5 Kapitel, 150 Szenen.
Nach Adam Riese und Eva Zwerg sind das ca. 27.000 Worte pro Kapitel oder 900 Worte pro Szene. Das ist natürlich nur ein Überblick, nichts Exaktes. Doch wenn ich mir einige theoretische Überlegungen zu eigen mache, dann bin ich schnell bei dem, was ich zeigen will. Nein, hier geht es nicht um Schreibmethoden, sondern ausschließlich um Struktur.

Jeder Autor hat schon einmal von der 3- oder der 5-Akt Struktur eines Romans gehört. Falls nicht, kann man das zum Beispiel bei Schreibwahnsinn nachlesen. Nehmen wir an, du planst für den NaNoWriMo einen Dreiakter mit 50.000 Worten, das sind etwa 250 Normseiten:

Anfang
Mitte
Ende

Sieht schon fast nach einem Plan aus, nicht wahr? 😉 Bezogen auf meine Statistik von oben sind 50 Szenen notwendig. Wahrscheinlich sind Anfang und Ende etwas kürzer, der Mittelteil etwas länger:

Anfang

Szene 1 – Szene 10

Mitte

Szene 11 – Szene 35

Ende

Szene 36 – Szene 50

Fertig. Oder fast fertig. Kommt jetzt auf die individuellen Vorlieben an. Selbst wenn der fertige Text keinerlei Kapitelstruktur haben sollte, ist es oft hilfreich, sich zu überlegen, was die wichtigsten Textblöcke der Handlung sind:

Anfang

Einleitung

Szene 1 – Szene 4

Aufbau der Mannschaft

Szene 5 – Szene 8

Die Mannschaft macht sich auf den Weg

Szene 9 – Szene 10

Mitte

Das erste Hindernis

Szene 11 –

u.s.w.

Fertig! Jetzt fehlen nur noch die Szenenüberschriften, eventuell mit Angabe von Ort, Zeit und handelnden Personen. Oder ein paar Stichworte, was an dieser Stelle passieren soll.

Damit steht die Geschichte dann im Entwurf. Und mehr muss man über das Plotten eigentlich nicht wissen, wenn man es nicht mag. 😉

Ich plotte persönlich am liebsten mit dem frei verfügbaren Programm Freeplane. Mittlerweile verfügen aber auch Schreibprogramme wie zum Beispiel Papyrus Autor  über eingebaute Zettelkästen, mit denen sich sehr komfortabel plotten lässt.

Das Einzige, was nun noch fehlt, ist eine geeignete Idee für den Text.

©Ryek Darkener 2016

©Ryek Darkener 2016

Wie immer, nur meine 5 Cent.

Monstra Coelorum – Countdown

Hallo!

Ich bin beim Countdown angekommen. So, wie es im Moment aussieht, wird Monstra Coelorum wie geplant Anfang Oktober veröffentlicht werden. Daher an dieser Stelle eine Szene, die keinen Spoiler darstellt, wenn man den zweiten Teil gelesen hat. 😉

Neben den menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren gibt es bei mir auch eine Maschinenintelligenz. Diese verwaltet den Alb-Tunnel und wird gelegentlich auch synonym für diesen verwendet. Die Tunnelverwaltung hat eine eigene Agenda und ist nicht der Diener irgendeines Lebewesens, kooperiert aber mit den Gegnern des Direktorates, da entsprechend der Programmierung die dafür notwendigen Voraussetzungen zutreffen. Ohne diese Kooperation wäre vieles nicht möglich gewesen. Oder anders gesagt: Die Geschichte hätte dann einen anderen Verlauf genommen. Wenige meiner Protagonisten haben das Privileg, mit der Tunnel-Intelligenz über einen speziellen Kommunikator zu sprechen. Dieser Kommunikator ist so etwas wie ein Schlüssel, der bestimmte Funktionen freischaltet, die im Rahmen der Vorgaben genutzt werden können.

Die Tunnel-Verwaltung würde den Turing-Test ohne Weiteres bestehen. (Im Gegensatz zu … [kann jeder für sich selbst ergänzen].)

Ein Wort in eigener Sache: Ich habe mich bisher bewusst weitgehend aus den politischen Diskussionen im Netz herausgehalten, weil ich der Auffassung bin, dass man einem Menschen, der über ein Minimum an Selbstreflexion verfügt, nicht erklären muss, wie logisches Denken funktioniert. Und dass das Wunschdenken, dass die Welt sich nicht verändern soll, nicht zielführend ist. Leben ist permanente Veränderung, Widerstand dagegen ist zwecklos. Das ist nicht meine Meinung, sondern evidenzgestütztes Wissen. Daher ist die Teilnahme an einem System, welches, trotz aller Unzulänglichkeiten, eine Menge Freiheiten garantiert, kein Geschenk, sondern Pflicht und Verpflichtung.

Zum Textabschnitt: Aisling ist Kaijas Vertraute. Sie hat mit ihr in Ulm wie mit einer Schwester zusammengelebt. Als Kaija aufgebrochen ist, um mit anderen Hilfe von außerhalb des Sonnensystems zu holen, blieb Aisling im Tunnel zurück. Sie ist die aktuelle Besitzerin des Tunnel-Kommunikators, der unter dem Namen Falk die Schnittstelle von der menschlichen Tunnel-Verwaltung zur Maschinenintelligenz ist.

Aisling aktivierte den Tunnelkommunikator, den sie auf den Tisch gelegt hatte. „Falk.“
„Empfangsbereit.“
„Ich habe soeben eine Nachricht von Frederic erhalten, die er in der Direktoratsstadt abgefangen hat.“ Ihr Gesicht leuchtete vor Freude. „Sie haben es geschafft! Sie haben das Sonnensystem verlassen!“
„Der Tunnel bestätigt die Information. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem weiteren Weg. Bitte erwarte nicht, dass ich deine Begeisterung teile. Ich bin eine Maschine und daher emotionsfrei. Außerdem tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass damit ab jetzt alles reibungslos verläuft, gegen Null.“
„Das habe ich mir gedacht. Ich habe eine Idee, für die ich Maschinenlogik brauche, um sie zu prüfen.“
„Gern. Worum geht es?“
„Unterstellen wir für den Moment, dass unsere Delegation weiterhin erfolgreich ist. Bis wann ist mit einer Antwort, vielleicht sogar einem Ergebnis zu rechnen?“
„Das hatten wir schon besprochen. Im Licht der aktuellen Ereignisse auf der Erde würde ich die Prognose nach unten korrigieren, was eine Reaktion der Liga angeht.“
„Obwohl wir abgeschnitten sind?“
„Es ist davon auszugehen, dass die Gegenseite nicht nur zusehen wird. Wenn jemand der Geflohenen die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stattfindenden Angriffe überleben sollte, wird es Entscheidungsprozesse beschleunigen. Trotzdem kann es mindestens zwei, höchstens fünf Jahre dauern, bis die Liga sich um die Erde kümmern wird. Maschinell geschätzt unter Extrapolation unzureichenden Datenmaterials.“
„Das habe ich befürchtet. Aber das kann ich nicht beeinflussen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Liga sich kümmert: Was kann ich, können wir, dafür tun, um einen positiven Eindruck unserer Seite zu erzeugen?“
„Interlingua lernen.“
„Ich habe in der Schule gelernt, dass das vor dem Letzten Krieg die Sprache der Liga war.“
„So ist es. Es gibt keinen Grund, warum sich das geändert haben sollte. Die Sprache existiert in der Liga seit über fünftausend Erdjahren als allgemeines Verständigungsmedium. Frederics Berichte weisen darauf hin, dass sich Ronald sehr gut in dieser Sprache mit den Yu-xarren verständigt hat.“
„Hm. Ich glaube nicht, dass das Direktorat uns beim Erlernen von Interlingua unterstützen wird. Sei es in Wort oder in Schrift.“
„Das ist nicht notwendig. Der Tunnel hat alles relevante Material verfügbar. Es sollte kein Problem darstellen, die Sprache zu vermitteln. Ich schlage vor, das System zu verwenden, welches in der Schule eingesetzt wird. Und die Anzahl der Teilnehmer auf die zu begrenzen, die tatsächlich mit der Liga Kontakt haben werden.“
„Warum?“
„Weil Ronald möglicherweise Anstrengungen unternehmen wird, alle zu töten, die auf diese Weise einen seiner Vorteile zunichtemachen könnten. Es ist immer besser, ein Gespräch ohne Übersetzer und authentisch zu führen. Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf: Der Tunnel hält es für unwahrscheinlich, dass es zielführend ist, die Hilfe des Direktorates in Anspruch nehmen zu wollen.“

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

 

Monstra Coelorum – Teamwork

Hallo!

Heute starte ich mit einem kleinen Ausschnitt aus „Tabula Rasa“.

„Hallo Kaija, das wurde aber auch Zeit!“
Kaija drehte sich erschrocken um. Vor ihr stand ein Engel, schulterlanges rotes Haar, so groß wie sie, mit einer Attraktivität, die ihr die Knie weich werden ließ.
„Jelena?“, frage sie überrascht. „Was machst du denn hier? Du bist doch schon –“
Der Engel nickte. „Hab dich lange nicht mehr gesehen.“
„Ja. Schulabschluss vier-dreiundneunzig, richtig?“
Sie umarmten sich. Der Begrüßungskuss Jelenas war deutlich länger als er hätte sein müssen.
Nachdem Kaija wieder zu Atem gekommen war, richtete sich ihre Neugier auf Jelena. „Was treibt dich denn hierher? Du bist doch schon direkt nach dem Abschluss der Schule in die Mutterschaft verschwunden.“
Jelena lächelte fröhlich. „Ja, stimmt. Rabea geht seit diesem Jahr in München zur Schule. Weißt du was? Ich tue es immer wieder, solange die Göttin es zulässt.“ Sie hob drei Finger in die Höhe. Und lachte, als sie Kaijas neidischen Blick sah.
„Und dein Partner? Nutzt du da nicht seine Toleranz über Gebühr aus?“
Jelena lachte erneut. „Nein. Auf keinen Fall.“
Kaija sah Jelena verständnislos an.
„Du weißt es wirklich nicht?“
„Nein. Jetzt sag schon!“
„Ich habe Gleichgesinnte gefunden.“
Jelena zeigte unauffällig auf drei der anderen Frauen. Sie waren Kaija unbekannt, aber unverkennbar auf der Jagd.
„In München, in Wien und in der Roten Zone.“
„In der Roten Zone?“
„Eine lange Geschichte, ich erzähle sie dir ein anderes Mal. Wir besitzen gemeinsam ein Schiff und kommen viel herum zwischen Ulm und dem Schwarzen Meer. Weil wir uns regelmäßig freiwillig melden, haben wir mit den Städten ein Geschäft machen können. Diejenigen, die uns gewinnen, müssen uns mindestens für die vorgeschriebenen Monate begleiten und an Bord mitarbeiten.“
Kaija grinste. „Hört sich fair an. Für euch.“ Sie zwinkerte Jelena zu.
Jelena stieß Kaija sanft an. „Ich hoffe, dass du an mich denkst, wenn es Lizenzen für den Nordkanal zu vergeben gibt. Wir dürfen dem Vogler-Gesindel doch nicht die ganze Welt überlassen.“
„Ich werde darüber nachdenken“, flüsterte Kaija zurück. Dann, lauter „Und das funktioniert?“
„Sehr gut sogar. Wahre Liebe gibt es sowieso nur unter Frauen, oder?“
„Ich weiß nicht.“
„Der Vorteil an der Sache ist, dass wir auf diese Art und Weise vor den meisten unangenehmen Zeitgenossen geschützt sind. Niemand, der uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben.“
Sie umarmte Kaija und sprach leise weiter. „Wir drücken dir die Daumen, Schätzchen. Und hoffen, dass dir das Monster erspart bleibt oder es bei dir nicht lange macht.“
Kaija versteifte sich. „So etwas Ähnliches habe ich heute schon einmal gehört“, flüsterte sie zurück.
„Dann weißt du ja, was du zu tun hast. Mach’s gut. Und schnell. Wenn du es überstehst, reden wir nächstes Frühjahr übers Geschäft.“
Bevor Kaija etwas erwidern konnte, war Jelena in der Menge untergetaucht.

Frage: Wer ist der Protagonist? Ok, wer den Roman gelesen hat, wird die Antwort kennen. 😉 Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Ich habe mir Jelena Weiser herausgesucht. Sie ist eine selbstbewusste, lebensfrohe Frau, die in die Regeln der Gesellschaft nach ihren Vorstellungen auslegt. Was ihr und ihrem Umfeld nicht nur Freunde beschert. Wie würde in den meisten heutigen Kulturen eine Gruppe Frauen angesehen, die zusammen einen Familienverband organisieren, bei dem die männlichen Partner oft nur Gäste auf Zeit sind? Die die Steuerung ihrer Familie und das Wohlergehen ihrer Nachkommen im Blick haben, ohne sich davon vereinnahmen zu lassen? Die darüber hinaus wirtschaftlich erfolgreich sind?
Jelena ist nur ein Beispiel dafür, dass eine Heldenfigur allein nichts ist ohne den Tross, der den Helden unterstützt. Und dieser Tross besteht nicht nur aus Kanonenfutter. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Der Held ist derjenige, der die gerade stattfindende Handlung vorantreibt. Was bei mir ganz konkret heißt, dass Teile meiner Geschichte eher einem Staffellauf als einer Heldenreise ähneln.
Bei ist mir das Team der Protagonist. Und wie bei einem Staffellauf wechseln sich die Personen mit dem Tragen des Stabes ab. Jelena hat den Stab bekommen. Sie wird ihn ab und zu für eine Weile tragen.

 

„Monstra Coelorum“ ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

 

Monstra Coelorum – Vom Euphemismus zur Storyline

Euphemismen sind Begriffe, die Situationen beschönigend benennen, um deren tatsächliche Beschaffenheit vor dem Auge eines unbedarften Beobachters zu verbergen. Oder um sich selbst zu belügen. Wir lesen und sehen diese Dinge jeden Tag. Beispiele gefällig? Endlösung, Migrationshintergrund, einkommensferne Schichten, Minus-Wachstum, Flucht-Ursachen. Das, wofür viele Parteien tatsächlich stehen, steht ebenfalls nicht in ihrem Partei-Namen.
Wie es scheint, sind Euphemismen ein notwendiger Bestandteil von Kultur. Es ist offensichtlich wichtig, sich permanent darauf vorzubereiten „etwas nicht gewusst zu haben“. Euphemismus ist ein sehr wirksamer Mechanismus, um Probleme, denen man nicht gewillt ist sich zu stellen, verschwinden zu lassen.
Es ist völlig menschlich, sich so zu verhalten. Aus diesem Grunde wiederholt sich Geschichte oft an den selben oder an anderen Orten. Aus diesem Grunde ist es so verdammt schwer, den nächsten Schritt in der globalen kulturellen Entwicklung zu gehen. Weil dieser Schritt damit verbunden ist, alte Konzepte neu zu bewerten, sie der realen Welt gegenüberzustellen. Um dann, von einem faktenbasierten Ergebnis ausgehend, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.
Es ist eigentlich sehr einfach, Dystopien zu schreiben. Der Autor muss sich nicht groß etwas Neues ausdenken. Er muss lediglich, unter Bezugnahme auf Logik, bestehende Systeme weiterdenken, extrapolieren. Je nach Gusto bis zum bitteren Ende. Es reicht vollkommen, sich die gängigen aktuellen Euphemismen zu nehmen und ihnen durch Gegenüberstellung mit ihrem tatsächlichen Inhalt ein Gesicht zu verleihen.

„Wir befinden uns in einer Welt nach einem Krieg, der so verheerend war, dass die Überlebenden sogar ihre Götter vom Thron gestoßen haben.“
Die meisten, die das lesen, denken dabei an eine nukleare Katastrophe. Oder das weltweite Versagen „smarter“ digitaler Infrastruktur. Licht aus.
Wenn wir in der Geschichte zurückgehen, dann werden wir feststellen, dass das vom-Thron-stoßen von Göttern eine lange Tradition hat, die wahrscheinlich bis in die Zeit vor der Schrift zurückreicht. Es gab schon immer einen „Letzten Krieg“, nach dem die Götter von den Siegern oder den Überlebenden vom Thron gestoßen wurden. Und durch neue ersetzt wurden. Auf die eine oder die andere Weise.
Die Grenzen der menschlichen Entwicklung werden nicht von ihrer Kultur bestimmt. Sondern von den Gesetzen der Mathematik. Nächstenliebe, Ethik, Moral, Altruismus mögen auf den ersten Blick gefühlsmäßige Konzepte sein. Weil sich die meisten Menschen wohl fühlen, wenn sie von anderen so behandelt werden, wie sie unter umgekehrten Vorzeichen andere behandeln würden. Die moderne Spieltheorie sagt, dass es bei einer solchen Verhaltensweise für beide Seiten die größte Belohnung gibt. Mit einfachen Worten formuliert: Es lohnt sich langfristig für die Menschheit, so zu handeln, dass es allen besser geht.
Eine menschliche Person, die auf diese Weise berechnend mit anderen umgeht, wäre uns unheimlich. Zumindest unbequem. Für mich als Schriftsteller ist das natürlich etwas anderes. Der weltweit bekannteste Protagonist dieser Gattung – Mr. Data aus Star Trek – muss sich permanent bei seiner Umgebung dafür entschuldigen, wegen seiner Un-Menschlichkeit das Richtige getan zu haben. Welche Ironie!
Meine berechnende Protagonistin Imara Socotada ist aus Fleisch und Blut. Und damit steigt sie aus dem Olymp der Cyber-Intelligenzen hinab in die Niederungen biologischen Da-Seins. Mit der Konsequenz, dass sie nicht ganz so perfekt sein kann.

Als Fazit / Werkzeugkasten eines Dystopie-Autors bleibt festzuhalten:

  • Es gibt keinen Letzten Krieg und wird auch wahrscheinlich nie einen geben. Wenn wir Menschen ihn nicht mehr führen können, dann führen ihn die intelligenten Wesen, die nach uns kommen.
  • Menschliche Verhaltensweisen tendieren dazu, Geschichte zu wiederholen. Es ist aber kein Naturgesetz.
  • Eine Hinwendung zu Fakten als Grundlage von Entscheidungen ist perspektivisch die gewinnbringendere Strategie.
  • Am Ende werden alle Schulden bezahlt. Was nichts anderes als eine andere Formulierung für den Energieerhaltungssatz ist. Wenn man so will, ein Euphemismus.

„Monstra Coelorum“ ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.