On my way

Hallo!

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Irgendwas ist dran an der Behauptung, dass sie umso schneller vergeht, je älter man wird. Abgesehen von unvergesslichen Momenten scheint es einen Effekt zu geben, der dem aus Einsteins Relativitätstheorie entspricht. Wenn man sich die Lebenszeit als Beschleunigung vorstellt, dann kommt man mit jeder Sekunde näher an die Grenze, die sich nicht materiell überschreiten lässt. Am Ende befindet man sich in (nicht nur relativer) Ruhe, während sich die Welt mit unendlicher Geschwindigkeit weiterbewegt.
Zum Glück scheint bei mir gerade die Sonne, es ist ein schöner Tag, wenn auch eisig kalt, so dass ich diese Gedanken äußern kann, ohne in Depression zu verfallen. Das Leben ist nun einmal so, wie es ist. Oder, um mich selbst aus dem, was ich gerade schreibe, zu zitieren:

Es gibt nur die Mathematik. Alles andere ist das, was wir daraus machen.

Apropos Schreiben. Bei mir lief zwei Wochen lang gar nichts mehr. Nicht dass ich mit Fieber im Bett gelegen hätte. Es war mehr das permanente Bedürfnis nach Winterschlaf und eine ziemlich hohe Lustlosigkeit, mehr zu tun als das, wofür ich im Brotberuf bezahlt werde. Das erzeugt ein seltsames Gefühl der Leere und des Nicht-Vorhandenseins. Sich dagegen zu wehren ist anstrengend, es einfach zuzulassen auch nicht besonders hilfreich. Was mehr wirkt, ist sich eine Haltung der gespannten Erwartung anzueignen, was danach kommt. War zumindest mein Eindruck.
Es gibt immer ein Danach. Und, um auf das Schreiben zurückzukommen, ist es manchmal besser, das Mittendrin so zu gestalten, dass man einigermaßen heil im Danach ankommt. Manche Kämpfe können nicht in Sekunden gewonnen werden, viele Änderungen brauchen Zeit, um zu reifen. Das Wasser trägt Berge sanfter und sicherer ab als die gewaltigsten Explosionen. Dazu gehört, dass man dort, wo man gerade ist, akzeptieren muss, dass man vielleicht selbst nicht mehr an  das gesetzte Ziel kommt und das Land erreicht, in dem Milch und Honig fließen. Sollte man deshalb stehenbleiben und andere an sich vorbeiziehen lassen? Nein. Jeder mache sich mit seiner Kraft und in seinem Tempo auf den Weg, denn sonst bleibt das Ziel ein Traum. Wer nicht für seine eigenen Träume lebt, der lebt für die Träume anderer.

Wo stehe ich mit meinen Projekten?

Es gibt einen recht kurzen Text mit Inspektor Mops, der sich der Fertigstellung nähert. Wahrscheinlich werde ich damit demnächst Verlage belästigen oder ihn – wie meine anderen Texte – selbst veröffentlichen. 😉

Die Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg laufen derzeit zweigleisig. Es wird einen Teil geben, der nach dem extrem düsteren dritten Teil „Monstra Coelorum“ spielt. Da hadere ich noch ziemlich mit dem Plot, es gibt verschiedene Ideen, die noch nicht so richtig zusammenpassen. Dafür komme ich mit „Teil fünf“ recht gut voran, der vor den bisherigen spielen wird, kurz nach dem Ende des Letzten Krieges. Wer in der Historie meines Blogs etwas herunterscrollt, kann sich mit „Tod einer Königin“ einen ersten Eindruck verschaffen. Was mir da noch Kopfzerbrechen bereitet ist die Suche nach einem starken männlichen Mit-Protagonisten. Vielleicht geht es auch ohne, schauen wir mal. 😉 Der Plot verspricht auf jeden Fall sehr interessant zu werden und er beinhaltet ein paar Aspekte, die aus einer – meiner Meinung nach – recht ungewöhnlichen Perspektive betrachtet werden.

Ich werde also für die nächsten ein bis zwei Jahre schriftstellerisch gut beschäftigt sein.

©Ryek Darkener 2016

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Tod einer Königin

 

Im letzten Post habe ich mich damit beschäftigt, dass Pläne sich im Laufe der Zeit ändern können.

Eine andere Sache sind Pläne, die in Handlungssträngen geschmiedet werden, ohne dass sie beim Leser mehr als ein (oft ungutes) Gefühl auslösen, dass sich etwas entscheidendes unter der Oberfläche befindet, was bisher noch nicht gezeigt wurde. Oder es ist offensichtlich (zumindest gefühlt), obwohl es mit keinem Wort erwähnt wurde.

Der folgende Text ist eine Szenenskizze. Aus dem „fünften Teil“, gleichwohl der vierte ebenfalls in Arbeit ist. 😉 Aber manchmal drängen sich einfach Elemente in den Vordergrund, die an der weiteren Arbeit hindern, wenn man sie nicht niederschreibt. Dann ist die Sache aus dem Kopf und man kann sich wieder dem „Tagesgeschäft“ widmen.

Hier also ein Teil des Plot-Bunnys.

Es war furchtbar. Der Kampf dauerte fast eine Stunde. Doch am Ende siegte, wie erwartet, die andere Königin. Ich wende mich nicht ab, als sie sich triumphierend auf die erschöpft am Boden Liegende wirft und ihr von hinten mit einem Biss den Kopf vom Körper trennt.
Der Restkörper wird von den Soldaten der Siegerin abtransportiert, nachdem sie ihr Ei in sie abgelegt hat.
Wir warten, bis es an der Zeit ist für unseren Teil der Zeremonie.

Falls die verbliebenen Insektoiden aus meinem Schwarm Angst haben, dann ist ihnen nichts anzumerken. Fünfzehn Soldaten und fünf Arbeiter eines Schwarms, der aufgehört hat zu existieren. Sie haben den Tod ihrer Königin miterlebt. Ich glaube, dass diese Lebensform keine Angst kennt. Nur Vorsicht. Und Loyalität.
Ich habe schon gestern alle Tränen geweint, die es zu weinen gab. Als ich die Arena betrete, stellt sich die Siegerin mir in den Weg.
„Was tust du da?“
Irgendetwas macht mich gelassen, entspannt. Meine Königin ist tot. Aber sie wird immer bei mir sein.
„Ich beanspruche mein Recht als assoziiertes Schwarm-Mitglied.“
Die Facettenaugen der Anderen flackern. Erstaunt, höhnisch. Eine weibliche Hominide, ein Schwächling, gerade geschlechtsreif, beansprucht ein Schwarm-Recht!
„Sogar dazu hat sie sich herabgelassen. Ich danke unseren Göttern, dass dieser Unsinn vorbei ist. Bedien dich, Kind.“
Ich senke den Kopf, damit sie meine Augen nicht sehen kann. Lasse den Geruch meiner hilflosen Wut alle anderen Gerüche überdecken. Dies ist der entscheidende Moment.

Die Facetten meiner Königin sind erloschen zu einem schmutzigen Grün. Ich ziehe das zeremonielle Werkzeug, das sie mir gestern gegeben hat, aus der Gürteltasche. Es sieht aus wie die Beißwerkzeuge einer Königin nach der ersten Häutung und funktioniert wie ein Seitenschneider. Die andere Königin weicht zurück, außerhalb meiner Reichweite. Ein Soldat hätte versuchen können und das Recht gehabt, sie mit diesem Werkzeug in den Klauen anzugreifen und den Heldentod zu sterben. Das hätte die Andere erwartet. Aber mich kann sie nicht einschätzen. Ich schenke ihr ein freundliches Lächeln, das absolut nicht zu dem passt, was sie über ihren Geruchssinn erfährt.
Sie dreht sich abrupt um und verlässt die Arena und ich weiß, dass ich mir einen Todfeind gemacht habe. Sie hätte bleiben müssen, bis der letzte von unseren Schwarmmitgliedern sich ein Stück Kopf genommen hat. Aber so lange hätte sie ihre Aggressivität mir gegenüber nicht unterdrücken können. Sie hätte mich angegriffen und damit allen unserer Seite die Erlaubnis erteilt, sie anzugreifen. Ich habe ihr die Süße des Sieges gestohlen. Ihre eigenen Leute werden es für eine Weile nicht wagen, ihr unter die Augen zu kommen. Gut so. Denn so lange können sie auch keine Befehle entgegennehmen. Ihre Schwarmmitglieder folgen ihr in gebührendem Sicherheitsabstand.
Ich und mein Schwarm sind jetzt allein in der Arena.
Ich knie vor dem Kopf und trenne mit dem Werkzeug die rechte Mandibel ab. So, wie sie es mir erklärt hat. Es ist wichtig, die Form einzuhalten. Dann stehe ich auf und übergebe das Werkzeug an den mir am nächsten stehenden Soldaten.
Er nickt. Ich sehe das Feuer in seinen Augen. Sie werden sich nicht chancenlos abschlachten lassen wie meine Königin. Sie werden kämpfen. Ohne Schwarm. Ohne Ehre. Nach ihren eigenen, neuen Regeln. Vielleicht werden sie sich für die Liga-Streitkräfte entscheiden. Wenn sie ihren anderen Auftrag erfüllt haben. Vielleicht.
Ich stecke die Mandibel in die Gürteltasche. Die Stelle, an der ich den Schnitt gemacht habe, ist scharf. Messerscharf. Ich lasse meine Hand in der Tasche und schneide mir an der Schnitt-Stelle den kleinen Finger auf. So, wie sie es mir erklärt hat. Ich drücke die Wunde in die Spitze. Es brennt für einen Moment, dann tut es nicht mehr weh. Ich warte.

Vom Kopf bleibt nichts übrig. Der letzte Soldat fegt sogar den Sand zusammen, auf dem er lag, und legt ihn sachte in eine kleine Kiste, die er sorgfältig verschließt..
„Damit sie nicht von den Füßen unserer Feinde beschmutzt wird.“
Er steht auf und wartet.

Zusammen summen sie ein Lied, das mich an ein Instrument aus der Erdkolonie auf Harain erinnert: einen Dudelsack. Nur dass die meisten Töne für mich nicht hörbar sein sollten. Die Mandibel in meiner Hand vibriert mit. Und meine Seele schwingt in Harmonie mit den trauernden Insektoiden.

 

Planung ist

… der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum.

Oder zumindest etwas, was sich im Laufe der Zeit ändern kann, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Ok, bei mir ist das nicht so dramatisch wie bei BER oder Stuttgart21. 😉 Einer der Vorteile, die man als Schriftsteller hat, ist, dass man erfolgreiches Schreiben zum Ziel hat. Jedes nächste Buch ist ein Schritt auf dem Weg dorthin. Erfolg bedeutet für mich in erster Linie, auf Dauer zufriedene Leser zu haben. Damit wären wir wieder beim Weg.

Für 2018 habe ich mir zwei Dinge vorgenommen:

  • Meinen zweiten „Inspektor Mops“ Roman zu veröffentlichen (mit oder ohne Verlag).
  • Den vierten Teil meiner Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg zu plotten und mit dem Schreiben anzufangen.

So weit, so gut. Nun ist eine sehr interessante Idee dazugekommen und hat sich in den Vordergrund gedrängt: Zwischen dem Ende des Letzten Krieges und „Tabula Rasa“ liegen 500 Jahre. Einige meiner Protagonisten haben schon zur Zeit des Letzten Krieges gelebt oder sogar deutlich davor. Und es sind in dieser Zeit natürlich auch einige Dinge passiert, die Einfluss auf die Erde hatten. Wenn auch nicht vorrangig auf der Erde.

Wie sagt schon Kung-Fu Panda: Es gibt keine Zufälle.
Die Welt, die ich für meine Romane geschaffen habe, wird mit jedem mal vielfältiger, bunter, aufregender. Ich weiß, dass manche Schriftsteller ihre komplette Handlung im Voraus planen und erst dann mit dem Schreiben beginnen, wenn selbst die feinsten Verästelungen aufgedröselt sind. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht verheddert. Da meine Romanwelt bereits aus drei Teilen besteht, muss ich bei jedem Einfall prüfen, ob dieser mit dem bereits bekannten Weltenbau zusammenpasst. Auf der anderen Seite habe ich bisher durchaus einige Dinge mit Absicht „liegenlassen“, in der Hoffnung, dass sie irgendwann einmal eine Bedeutung bekommen.
Ich werde mich wohl dieses mal auf das Abenteuer einlassen, dass meine Protagonisten mir ihre Geschichte erzählen, was eher der Bauchschreiber-Ansatz ist. Trotzdem kann ich nicht ganz aus meiner Haut des Plotters. Was bedeutet, dass es einen Plot geben wird, ein Handlungsgerüst. Das ich meinen Protas abringen muss. Wahrscheinlich werden nicht alle Szenen, die mir gerade einfallen, darin Platz finden. Aber ich bin guter Dinge, dass auch diese Geschichte es wert sein wird, geschrieben und gelesen zu werden.

Monstra Coelorum – LiftOff

© Cover- und Umschlaggestaltung: Farbenmelodie

Es ist soweit!

Der dritte Teil meiner Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg ist veröffentlicht.

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

Drei Erwachsenen und zehn Kindern/Jugendlichen ist die Flucht von der Erde geglückt. Nach fast zwei Jahren Odyssee durch das Sonnensystem haben sie den Tranportknoten passiert, befinden sich nun im Gebiet der Liga der Raumfahrenden Völker. Doch das Direktorat der Erde hat einen langen Arm: die Händler, die seit einem halben Jahrtausend von der Ausbeutung der Erde profitieren. Die Auseinandersetzung, vor der die Reisenden hofften, sich auf Zeit in Sicherheit zu bringen, folgt ihnen. Es stellt sich heraus, dass nicht nur die Händler in die schmutzigen Geschäfte mit der Erde verwickelt sind.
Auch für die auf der Erde zurückgelassenen Freunde wird es härter. Ein völlig unerwarteter Spieler tritt auf den Plan und fordert nicht weniger als alles.

Es gibt einen englischen Spruch, den ich vor Jahren gelesen habe, der sehr gut zu diesem Roman passt:

It is always darkest before it becomes pitch black

Monstra Coelorum folgt logisch auf die Ereignisse der ersten beiden Teile und führt die Erzählung zu einem sehr düsteren Höhepunkt. Politische und wirtschaftliche Verstrickungen sowie Abhängigkeiten, die ihre Ursache in der Vergangenheit haben, geben dem Kampf gegen das Direktorat der Erde eine Bedeutung, die weit über das Sonnensystem hinausreicht. Der Kampf um die Einhaltung dessen, was eigentlich vereinbart war, hat viele Fronten. Und er hat viele Profiteure, die sich ganz sicher nicht um der Menschlichkeit willen aus dem Geschäft mit der Erde zurückziehen wollen.

Ich sage an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön
– an meine Alpha- und Betaleser aus dem Federteufel-Schreibforum für die tolle Unterstützung beim Entgraten und Schleifen des Textes
– an Juliana von Farbenmelodie, die ein wirklich fantastisches Cover gezaubert hat.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Der Roman wird als E-Book in den nächsten Tagen verfügbar sein. Ich würde mich über virales Weitersagen freuen.

© Cover- und Umschlaggestaltung: Farbenmelodie

Monstra Coelorum – Countdown

Hallo!

Ich bin beim Countdown angekommen. So, wie es im Moment aussieht, wird Monstra Coelorum wie geplant Anfang Oktober veröffentlicht werden. Daher an dieser Stelle eine Szene, die keinen Spoiler darstellt, wenn man den zweiten Teil gelesen hat. 😉

Neben den menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren gibt es bei mir auch eine Maschinenintelligenz. Diese verwaltet den Alb-Tunnel und wird gelegentlich auch synonym für diesen verwendet. Die Tunnelverwaltung hat eine eigene Agenda und ist nicht der Diener irgendeines Lebewesens, kooperiert aber mit den Gegnern des Direktorates, da entsprechend der Programmierung die dafür notwendigen Voraussetzungen zutreffen. Ohne diese Kooperation wäre vieles nicht möglich gewesen. Oder anders gesagt: Die Geschichte hätte dann einen anderen Verlauf genommen. Wenige meiner Protagonisten haben das Privileg, mit der Tunnel-Intelligenz über einen speziellen Kommunikator zu sprechen. Dieser Kommunikator ist so etwas wie ein Schlüssel, der bestimmte Funktionen freischaltet, die im Rahmen der Vorgaben genutzt werden können.

Die Tunnel-Verwaltung würde den Turing-Test ohne Weiteres bestehen. (Im Gegensatz zu … [kann jeder für sich selbst ergänzen].)

Ein Wort in eigener Sache: Ich habe mich bisher bewusst weitgehend aus den politischen Diskussionen im Netz herausgehalten, weil ich der Auffassung bin, dass man einem Menschen, der über ein Minimum an Selbstreflexion verfügt, nicht erklären muss, wie logisches Denken funktioniert. Und dass das Wunschdenken, dass die Welt sich nicht verändern soll, nicht zielführend ist. Leben ist permanente Veränderung, Widerstand dagegen ist zwecklos. Das ist nicht meine Meinung, sondern evidenzgestütztes Wissen. Daher ist die Teilnahme an einem System, welches, trotz aller Unzulänglichkeiten, eine Menge Freiheiten garantiert, kein Geschenk, sondern Pflicht und Verpflichtung.

Zum Textabschnitt: Aisling ist Kaijas Vertraute. Sie hat mit ihr in Ulm wie mit einer Schwester zusammengelebt. Als Kaija aufgebrochen ist, um mit anderen Hilfe von außerhalb des Sonnensystems zu holen, blieb Aisling im Tunnel zurück. Sie ist die aktuelle Besitzerin des Tunnel-Kommunikators, der unter dem Namen Falk die Schnittstelle von der menschlichen Tunnel-Verwaltung zur Maschinenintelligenz ist.

Aisling aktivierte den Tunnelkommunikator, den sie auf den Tisch gelegt hatte. „Falk.“
„Empfangsbereit.“
„Ich habe soeben eine Nachricht von Frederic erhalten, die er in der Direktoratsstadt abgefangen hat.“ Ihr Gesicht leuchtete vor Freude. „Sie haben es geschafft! Sie haben das Sonnensystem verlassen!“
„Der Tunnel bestätigt die Information. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem weiteren Weg. Bitte erwarte nicht, dass ich deine Begeisterung teile. Ich bin eine Maschine und daher emotionsfrei. Außerdem tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass damit ab jetzt alles reibungslos verläuft, gegen Null.“
„Das habe ich mir gedacht. Ich habe eine Idee, für die ich Maschinenlogik brauche, um sie zu prüfen.“
„Gern. Worum geht es?“
„Unterstellen wir für den Moment, dass unsere Delegation weiterhin erfolgreich ist. Bis wann ist mit einer Antwort, vielleicht sogar einem Ergebnis zu rechnen?“
„Das hatten wir schon besprochen. Im Licht der aktuellen Ereignisse auf der Erde würde ich die Prognose nach unten korrigieren, was eine Reaktion der Liga angeht.“
„Obwohl wir abgeschnitten sind?“
„Es ist davon auszugehen, dass die Gegenseite nicht nur zusehen wird. Wenn jemand der Geflohenen die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stattfindenden Angriffe überleben sollte, wird es Entscheidungsprozesse beschleunigen. Trotzdem kann es mindestens zwei, höchstens fünf Jahre dauern, bis die Liga sich um die Erde kümmern wird. Maschinell geschätzt unter Extrapolation unzureichenden Datenmaterials.“
„Das habe ich befürchtet. Aber das kann ich nicht beeinflussen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Liga sich kümmert: Was kann ich, können wir, dafür tun, um einen positiven Eindruck unserer Seite zu erzeugen?“
„Interlingua lernen.“
„Ich habe in der Schule gelernt, dass das vor dem Letzten Krieg die Sprache der Liga war.“
„So ist es. Es gibt keinen Grund, warum sich das geändert haben sollte. Die Sprache existiert in der Liga seit über fünftausend Erdjahren als allgemeines Verständigungsmedium. Frederics Berichte weisen darauf hin, dass sich Ronald sehr gut in dieser Sprache mit den Yu-xarren verständigt hat.“
„Hm. Ich glaube nicht, dass das Direktorat uns beim Erlernen von Interlingua unterstützen wird. Sei es in Wort oder in Schrift.“
„Das ist nicht notwendig. Der Tunnel hat alles relevante Material verfügbar. Es sollte kein Problem darstellen, die Sprache zu vermitteln. Ich schlage vor, das System zu verwenden, welches in der Schule eingesetzt wird. Und die Anzahl der Teilnehmer auf die zu begrenzen, die tatsächlich mit der Liga Kontakt haben werden.“
„Warum?“
„Weil Ronald möglicherweise Anstrengungen unternehmen wird, alle zu töten, die auf diese Weise einen seiner Vorteile zunichtemachen könnten. Es ist immer besser, ein Gespräch ohne Übersetzer und authentisch zu führen. Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf: Der Tunnel hält es für unwahrscheinlich, dass es zielführend ist, die Hilfe des Direktorates in Anspruch nehmen zu wollen.“

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

 

Monstra Coelorum – Teamwork

Hallo!

Heute starte ich mit einem kleinen Ausschnitt aus „Tabula Rasa“.

„Hallo Kaija, das wurde aber auch Zeit!“
Kaija drehte sich erschrocken um. Vor ihr stand ein Engel, schulterlanges rotes Haar, so groß wie sie, mit einer Attraktivität, die ihr die Knie weich werden ließ.
„Jelena?“, frage sie überrascht. „Was machst du denn hier? Du bist doch schon –“
Der Engel nickte. „Hab dich lange nicht mehr gesehen.“
„Ja. Schulabschluss vier-dreiundneunzig, richtig?“
Sie umarmten sich. Der Begrüßungskuss Jelenas war deutlich länger als er hätte sein müssen.
Nachdem Kaija wieder zu Atem gekommen war, richtete sich ihre Neugier auf Jelena. „Was treibt dich denn hierher? Du bist doch schon direkt nach dem Abschluss der Schule in die Mutterschaft verschwunden.“
Jelena lächelte fröhlich. „Ja, stimmt. Rabea geht seit diesem Jahr in München zur Schule. Weißt du was? Ich tue es immer wieder, solange die Göttin es zulässt.“ Sie hob drei Finger in die Höhe. Und lachte, als sie Kaijas neidischen Blick sah.
„Und dein Partner? Nutzt du da nicht seine Toleranz über Gebühr aus?“
Jelena lachte erneut. „Nein. Auf keinen Fall.“
Kaija sah Jelena verständnislos an.
„Du weißt es wirklich nicht?“
„Nein. Jetzt sag schon!“
„Ich habe Gleichgesinnte gefunden.“
Jelena zeigte unauffällig auf drei der anderen Frauen. Sie waren Kaija unbekannt, aber unverkennbar auf der Jagd.
„In München, in Wien und in der Roten Zone.“
„In der Roten Zone?“
„Eine lange Geschichte, ich erzähle sie dir ein anderes Mal. Wir besitzen gemeinsam ein Schiff und kommen viel herum zwischen Ulm und dem Schwarzen Meer. Weil wir uns regelmäßig freiwillig melden, haben wir mit den Städten ein Geschäft machen können. Diejenigen, die uns gewinnen, müssen uns mindestens für die vorgeschriebenen Monate begleiten und an Bord mitarbeiten.“
Kaija grinste. „Hört sich fair an. Für euch.“ Sie zwinkerte Jelena zu.
Jelena stieß Kaija sanft an. „Ich hoffe, dass du an mich denkst, wenn es Lizenzen für den Nordkanal zu vergeben gibt. Wir dürfen dem Vogler-Gesindel doch nicht die ganze Welt überlassen.“
„Ich werde darüber nachdenken“, flüsterte Kaija zurück. Dann, lauter „Und das funktioniert?“
„Sehr gut sogar. Wahre Liebe gibt es sowieso nur unter Frauen, oder?“
„Ich weiß nicht.“
„Der Vorteil an der Sache ist, dass wir auf diese Art und Weise vor den meisten unangenehmen Zeitgenossen geschützt sind. Niemand, der uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben.“
Sie umarmte Kaija und sprach leise weiter. „Wir drücken dir die Daumen, Schätzchen. Und hoffen, dass dir das Monster erspart bleibt oder es bei dir nicht lange macht.“
Kaija versteifte sich. „So etwas Ähnliches habe ich heute schon einmal gehört“, flüsterte sie zurück.
„Dann weißt du ja, was du zu tun hast. Mach’s gut. Und schnell. Wenn du es überstehst, reden wir nächstes Frühjahr übers Geschäft.“
Bevor Kaija etwas erwidern konnte, war Jelena in der Menge untergetaucht.

Frage: Wer ist der Protagonist? Ok, wer den Roman gelesen hat, wird die Antwort kennen. 😉 Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Ich habe mir Jelena Weiser herausgesucht. Sie ist eine selbstbewusste, lebensfrohe Frau, die in die Regeln der Gesellschaft nach ihren Vorstellungen auslegt. Was ihr und ihrem Umfeld nicht nur Freunde beschert. Wie würde in den meisten heutigen Kulturen eine Gruppe Frauen angesehen, die zusammen einen Familienverband organisieren, bei dem die männlichen Partner oft nur Gäste auf Zeit sind? Die die Steuerung ihrer Familie und das Wohlergehen ihrer Nachkommen im Blick haben, ohne sich davon vereinnahmen zu lassen? Die darüber hinaus wirtschaftlich erfolgreich sind?
Jelena ist nur ein Beispiel dafür, dass eine Heldenfigur allein nichts ist ohne den Tross, der den Helden unterstützt. Und dieser Tross besteht nicht nur aus Kanonenfutter. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Der Held ist derjenige, der die gerade stattfindende Handlung vorantreibt. Was bei mir ganz konkret heißt, dass Teile meiner Geschichte eher einem Staffellauf als einer Heldenreise ähneln.
Bei ist mir das Team der Protagonist. Und wie bei einem Staffellauf wechseln sich die Personen mit dem Tragen des Stabes ab. Jelena hat den Stab bekommen. Sie wird ihn ab und zu für eine Weile tragen.

 

„Monstra Coelorum“ ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.

 

Monstra Coelorum – Vom Euphemismus zur Storyline

Euphemismen sind Begriffe, die Situationen beschönigend benennen, um deren tatsächliche Beschaffenheit vor dem Auge eines unbedarften Beobachters zu verbergen. Oder um sich selbst zu belügen. Wir lesen und sehen diese Dinge jeden Tag. Beispiele gefällig? Endlösung, Migrationshintergrund, einkommensferne Schichten, Minus-Wachstum, Flucht-Ursachen. Das, wofür viele Parteien tatsächlich stehen, steht ebenfalls nicht in ihrem Partei-Namen.
Wie es scheint, sind Euphemismen ein notwendiger Bestandteil von Kultur. Es ist offensichtlich wichtig, sich permanent darauf vorzubereiten „etwas nicht gewusst zu haben“. Euphemismus ist ein sehr wirksamer Mechanismus, um Probleme, denen man nicht gewillt ist sich zu stellen, verschwinden zu lassen.
Es ist völlig menschlich, sich so zu verhalten. Aus diesem Grunde wiederholt sich Geschichte oft an den selben oder an anderen Orten. Aus diesem Grunde ist es so verdammt schwer, den nächsten Schritt in der globalen kulturellen Entwicklung zu gehen. Weil dieser Schritt damit verbunden ist, alte Konzepte neu zu bewerten, sie der realen Welt gegenüberzustellen. Um dann, von einem faktenbasierten Ergebnis ausgehend, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.
Es ist eigentlich sehr einfach, Dystopien zu schreiben. Der Autor muss sich nicht groß etwas Neues ausdenken. Er muss lediglich, unter Bezugnahme auf Logik, bestehende Systeme weiterdenken, extrapolieren. Je nach Gusto bis zum bitteren Ende. Es reicht vollkommen, sich die gängigen aktuellen Euphemismen zu nehmen und ihnen durch Gegenüberstellung mit ihrem tatsächlichen Inhalt ein Gesicht zu verleihen.

„Wir befinden uns in einer Welt nach einem Krieg, der so verheerend war, dass die Überlebenden sogar ihre Götter vom Thron gestoßen haben.“
Die meisten, die das lesen, denken dabei an eine nukleare Katastrophe. Oder das weltweite Versagen „smarter“ digitaler Infrastruktur. Licht aus.
Wenn wir in der Geschichte zurückgehen, dann werden wir feststellen, dass das vom-Thron-stoßen von Göttern eine lange Tradition hat, die wahrscheinlich bis in die Zeit vor der Schrift zurückreicht. Es gab schon immer einen „Letzten Krieg“, nach dem die Götter von den Siegern oder den Überlebenden vom Thron gestoßen wurden. Und durch neue ersetzt wurden. Auf die eine oder die andere Weise.
Die Grenzen der menschlichen Entwicklung werden nicht von ihrer Kultur bestimmt. Sondern von den Gesetzen der Mathematik. Nächstenliebe, Ethik, Moral, Altruismus mögen auf den ersten Blick gefühlsmäßige Konzepte sein. Weil sich die meisten Menschen wohl fühlen, wenn sie von anderen so behandelt werden, wie sie unter umgekehrten Vorzeichen andere behandeln würden. Die moderne Spieltheorie sagt, dass es bei einer solchen Verhaltensweise für beide Seiten die größte Belohnung gibt. Mit einfachen Worten formuliert: Es lohnt sich langfristig für die Menschheit, so zu handeln, dass es allen besser geht.
Eine menschliche Person, die auf diese Weise berechnend mit anderen umgeht, wäre uns unheimlich. Zumindest unbequem. Für mich als Schriftsteller ist das natürlich etwas anderes. Der weltweit bekannteste Protagonist dieser Gattung – Mr. Data aus Star Trek – muss sich permanent bei seiner Umgebung dafür entschuldigen, wegen seiner Un-Menschlichkeit das Richtige getan zu haben. Welche Ironie!
Meine berechnende Protagonistin Imara Socotada ist aus Fleisch und Blut. Und damit steigt sie aus dem Olymp der Cyber-Intelligenzen hinab in die Niederungen biologischen Da-Seins. Mit der Konsequenz, dass sie nicht ganz so perfekt sein kann.

Als Fazit / Werkzeugkasten eines Dystopie-Autors bleibt festzuhalten:

  • Es gibt keinen Letzten Krieg und wird auch wahrscheinlich nie einen geben. Wenn wir Menschen ihn nicht mehr führen können, dann führen ihn die intelligenten Wesen, die nach uns kommen.
  • Menschliche Verhaltensweisen tendieren dazu, Geschichte zu wiederholen. Es ist aber kein Naturgesetz.
  • Eine Hinwendung zu Fakten als Grundlage von Entscheidungen ist perspektivisch die gewinnbringendere Strategie.
  • Am Ende werden alle Schulden bezahlt. Was nichts anderes als eine andere Formulierung für den Energieerhaltungssatz ist. Wenn man so will, ein Euphemismus.

„Monstra Coelorum“ ist ab Oktober als E-Book erhältlich.

 

Übersicht der Geschichten aus der Welt nach dem Letzten Krieg:

Tabula Rasa

Zwei erbarmungslose Gegner im Kampf um die Macht. Und eine Frau, der die Hoffnung auf eine bessere Welt aufgeladen wird.

E-Book, 650 Normseiten, ISBN: 978-3-8476-7720-8

Spes Impavida

Der Kampf um die Zukunft der Erde geht weiter, und er erfordert neue Allianzen.

E-Book, 740 Normseiten, ISBN: 978-3-7380-5059-2

Monstra Coelorum

Sie sind aus dem Sonnensystem geflohen. Doch der Feind ist ihnen gefolgt. In ein Universum voll mit unbezahlten alten Schulden.